Coronavirus-Quarantäne: In China steigen Fälle häuslicher Gewalt

Der Alltag in Zeiten des Coronavirus gefährdet Frauen in China besonders: Seit Beginn der Quarantäne sind die Fälle häuslicher Gewalt gestiegen. Frauenrechtler*innen schlagen Alarm.

In China steigen Fälle häuslicher Gewalt

Über einen Monat dauert die Quarantäne in Teilen Chinas bereits. Die Menschen sind ununterbrochen zuhause, oft gemeinsam mit Ehepartner*innen oder Lebensgefährten. Für Frauen ist das besonders gefährlich, wie örtliche Frauenrechtsaktivtist*innen berichten.

In den letzten Wochen hätten sich dreimal so viele Opfer häuslicher Gewalt an Hilfestellen gewandt, zitiert die tazdie Pekinger Frauenrechtsorgansiation Weiping. DieBBC berichtet von der Frauenaktivistin Guo Jing aus Wuhan, an die sich viele junge Chinesinnen in verzweifelten Telefonanrufen wenden würden: Sie erzählen von gewalttätigen Vätern und Ehemännern, wüssten aber nicht, an wen sie sich wenden können. Weitere Frauenrechtler*innen erzählen von "gefangenen" Ehefrauen: Wegen der Quarantäne und Reisebeschränkungen können sie keinen Unterschlupf bei Verwandten oder Bekannten suchen.

Polizei zählt auf Nachbarschaftshilfe

"Seitdem das Virus ausgebrochen ist, rufen Frauen doppelt so oft bei der Polizei an wie zuvor. Fast alle Fälle häuslicher Gewalt haben indirekt auch mit dem Virus zu tun", zitiert die taz ein Posting von Wan Fei, pensionierter Polizeibeamter aus dem Landkreis Jingzhou und Gründer einer Frauenrechtsorganisation, auf dem sozialen Netzwerk Weibo. Er meint, viele Konflikte würden eskalieren, weil die Leute ständig unter Angst stünden und Verdienstausfälle wirtschaftlichen Druck herbeigeführt haben.

"Häusliche Gewalt ist tödlicher als der Coronavirus"

In vielen Wohnsiedlungen hängen Anwohner Infozettel an die schwarzen Bretter, um vor häuslicher Gewalt zu warnen, berichtet die taz weiter: "Wir kämpfen gegen das Virus gemeinsam. Ich hoffe, ganz egal wie unterschiedlicher Meinungen Sie sind: Benutzen Sie keine Gewalt", steht auf den Flyern, die auf Weibo gepostetet werden. "Wenn Sie innerhalb Ihrer Familie oder in der Nachbarschaft Gewalt mitbekommen, dann rufen Sie die Polizei." Ein anderer Nutzer fasst zusammen: "Durchschnittlich wird in China alle 7,4 Sekunden eine Frau von ihrem Ehemann geschlagen: Allein die Daten beweisen, dass häusliche Gewalt tödlicher ist als das Virus selbst."

Laut offiziellen Statistiken von 2016 haben 30 Prozent aller verheirateten Frauen schon einmal häusliche Gewalt erlebt. Im selben Jahr hat die Volksrepublik ein längst überfälliges Gesetz zum Schutz vor häuslicher Gewalt erlassen. Erstmals war diese überhaupt als Strafdelikt anerkannt worden.

 

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