Corona: Was du beachten solltest, wenn du deine Freund*innen (drinnen) treffen willst

Im Sommer waren Treffen im Freien kein Problem. Jetzt, wo es kälter wird, möchten wir unsere Freund*innen weiterhin sehen. Müssen wir wirklich zu Zoom-Calls zurückkehren? Was du wissen solltest.

Freund*innen im Wohnzimmer

Draußen ist's mittlerweile kalt und regnerisch, die Tage, an denen wir mit unseren Freund*innen bis spät abends im Schanigarten oder Park sitzen konnten, sind endgültig vorbei. Was bedeutet das für unser Sozialleben? Corona ist schließlich immer noch unter uns, nach wie vor heißt es Abstand halten und Maske tragen, um das Virus nicht zu verbreiten. Müssen wir nun wirklich wieder zu FaceTime-Calls und Zoom-Chats wie zu Beginn der Pandemie zurückkehren? Was müssen wir beachten, wenn wir uns doch indoor mit Freund*innen treffen?

"Der Mensch ist ein soziales und bedürftiges Wesen"

Die Vorstellung, nach einem zumindest halbwegs "normalen" Sommer nun wieder zu Zuständen wie im April oder Mai zurückzukehren, bereitet einigen Menschen Sorge. Viele haben nun gemerkt, wie wichtig, echte Sozialkontakte für sie sind und möchten nicht wieder in die Isolation zurück. "Viele Menschen, die unfreiwillig ohne reale Kontakte zu anderen Menschen sind, fühlen sich hart getroffen und drohen zu vereinsamen", erklärt Mag.a Doris Wolf, Klinische Psychologin & Gesundheitspsycholgin im Gespräch mit der WIENERIN. "Im Allgemeinen ist der Mensch ein soziales und bedürftiges Wesen, bedürftig nach seelischen wie körperlichen 'Streicheleinheiten' – nach Wertschätzung und Anerkennung durch andere sowie körperlicher Nähe und Berührung."

Verzichten wir längerfristig auf reale Kontakte, so stresst uns das, erklärt Wolf. "Es können sich verstärkt Ängste und Depressionen entwickeln. In Verbindung mit dem Wegfall sicherheitsspendender Alltagsgewohnheiten und -strukturen, kann das den Nährboden für eine Traumatisierung darstellen". Eine vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen könne zur Schwächung unseres Immunsystems beitragen. So sei nicht auszuschließen, dass das Wegfallen realer Kontakte, langfristig gesehen, sowohl zu körperlichen wie auch zu schweren psychischen Erkrankungen führt.

Wie lange können Videochats echte Treffen ersetzen?

Zur Zeit der Ausgangsbeschränkungen haben sich viele von uns vor allem per Videochat und Telefon mit anderen ausgetauscht. Jetzt, wo es kälter wird, wäre es sinnvoll, zu dieser Form der Kommunikation zurückzukehren. Doch wie lange können Zoom-Meetings und Telefonate echte Treffen ersetzen? "Nachdem wir Menschen noch nie in so einer Situation wie der Corona-Pandemie waren, lässt sich diese Frage nicht seriös beantworten", so Wolf. Online-Meetings und Telefonate hätten jedenfalls nicht zu verachtende Vorteile. So würden sie gerade Menschen, die einer Risikogruppe angehören, die Möglichkeit bieten, unter geschützten Bedingungen 'live' dabei zu sein. "Gemütlich, vom Sofa aus, können sie sich mit ihren Freund*innen unterhalten, Spiele spielen, und so Gefühlen der Einsamkeit vorbeugen. Die vertraute Stimme eines lieben Menschen zu hören, tut unserer Seele ebenfalls gut", sagt Wolf. Den für uns Menschen so wichtigen, regelmäßigen Körperkontakt, der uns Sicherheit und Geborgenheit vermittelt, würden Videochats allerdings nicht ersetzen können.

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Bekleidung

Wir wissen, dass die Chance einer Übertragung im Freien um Vieles geringer ist, als in geschlossenen Räumen, weshalb Expert*innen weiterhin dazu raten, sich nur draußen mit anderen Leuten zu treffen. Das heißt: Auch wenn die Temperaturen sinken, besser mit Freund*innen zum Spaziergang verabreden als auf einen Drink in der Lieblingsbar. Wetterfeste Kleidung macht’s möglich.

Vor allem für Kinder und Jugendliche sei es wichtig, den echten Kontakt zu Gleichaltrigen aufrechtzuerhalten, erklärt Wolf: "Kinder, vor allem Einzelkinder, sollten, zumindest mit einem 'besten' Freund oder Freundin regelmäßig im Freien spielen dürfen. So nach dem Motto: 'Es gibt kein falsches Wetter, es gibt nur falsche Bekleidung' stärken sie so bei der Bewegung im Freien nicht nur ihr physisches, sondern auch ihr 'psychisches' Immunsystem. Auch Jugendlichen tut der gemeinsame Sport im Freien oder ein Spaziergang gut, um mit den Peers Neuigkeiten auszutauschen."

Wenn doch drinnen: Lüften und Kontakte beschränken

Wer nicht auf Treffen in geschlossenen Räumen verzichten kann oder mag, sollte jedenfalls darauf achten, regelmäßig die Fenster zu öffnen und gut durchzulüften, da so die Luft zirkulieren kann und das Risiko einer Virenübertragung sinkt. Abstände sollten, wenn möglich, weiterhin eingehalten werden. Auch ist es sinnvoll, seine Realkontakte zu beschränken und eine Gruppe an fixen Personen auszusuchen, mit der man sich weiter trifft, um nicht völlig auf echte Interaktionen mit anderen Menschen verzichten zu müssen – natürlich unter der Voraussetzung, dass sich jede*r an die geltenden Maßnahmen hält, um das Risiko einer Ansteckung für alle so gering wie möglich zu halten. Gerade für Alleinlebende ist diese Option sinnvoll.

Generell sollte immer darauf geachtet werden, die Grenzen anderer zu respektieren. Während die einen vielleicht kein Problem damit haben, sich in einer privaten Wohnung zu treffen, können sich andere bei dem Gedanken unwohl fühlen. Offen über die eigenen Bedenken zu sprechen ist essentiell.

 

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