Corona macht armutsgefährdete Kinder trauriger, aggressiver und noch ärmer

Corona macht armutsgefährdete Kinder noch ärmer

Die Lebensqualität ist schlechter, die Sorge um die Zukunft groß und die Belastung beim Homeschooling kaum zu bewältigen. Der Hälfte aller durch Armut gefährdeten Familien geht es finanziell und emotional wegen der Coronakrise noch schlechter. Das hat eine Umfrage der Volkshilfe ergeben.

"Wir wollten wissen, wie es armutsbetroffenen Familien und ihren Kindern gerade geht. Wie schlecht sie ihre eigene Lebenssituation seit Corona einstufen, hat selbst uns erschüttert“, sagt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich. 100 armutsbetroffene Familien wurden im Juni nach ihrer allgemeinen Lebensqualität, der Gefühlslage ihrer Kinder, Herausforderungen des Homeschoolings und Gedanken zur Zukunft befragt und mussten die Situation mit Schulnoten bewerten oder Ja/Nein-Fragen beantworten.

Schlechte Lebensqualität, große Zukunftssorgen

Die Hälfte der armutsgefährdeten Familen benotet ihre Lebensqualität mit "Nicht Genügend" oder "Genügend". Vor der Coronakrise hatte keine Familie einen Fünfer verteilt, und nur sieben Prozent vergaben einen Vierer. Mehr als Dreiviertel der Befragten (79 Prozent) gab an, sich jetzt noch mehr Sorgen um die Zukunft zu machen. Über die Hälfte (55 Prozent) hat Angst, dass ihre Kinder in der Schule nicht gut abschließen werden.

Die Schul- und Kindergartenschließungen während der Krise empfanden zwei Drittel der Befragten als sehr bis ziemlich belastend. Viele berichten von finanziellen Problemen wegen der Mehrkosten durch das Homeschooling. Neben den bekannten Herausforderungen, wie fehlenden Laptops oder Internetzugang und mangelnden Lernräumen, gaben Eltern an, dass ihnen das Wissen (58 Prozent) und die Zeit (38 Prozent) fehle, um ihren Kindern bei den Aufgaben helfen zu können. Das zeigt, wie Armut und Bildung zusammenhängen - und dass Armut über von den Eltern an die Kinder weitergegeben wird.

Traurig, einsam und aggressiv

Auf die Frage, ob und wie sich die Emotionalität ihrer Kinder in der Corona-Krise verändert hat, gaben jeweils mehr als die Hälfte der Eltern an, dass ihre Kinder trauriger (74 Prozent), einsamer (57 Prozent) oder aggressiver (53 Prozent) waren als zuvor.

Rund ein Viertel der Kinder (23 Prozent) war aber erleichtert, dass sie nicht in die Schule mussten. Und ein Fünftel (20 Prozent) war fröhlicher, weil für sie schwierige Situationen wie Mobbing endlich weggefallen sind. Für die Expert*innen der Volkshilfe ist dieses Ergebnis nicht überraschend: Aus der Kinderarmutsforschung sei bekannt, dass armutsgefährdete Kinder multiple Benachteiligungen erfahren. Sie haben weniger soziale Kontakte, sind häufiger psychisch belastet und erleben den Schulbetrieb als herausfordernd.

Kinder mit besonderen Bedürfnissen wurden vergessen

Mehrere Eltern beklagten, dass auf Kinder mit besonderen Bedürfnissen vergessen werde. Für Kinder, die unter Lernschwächen, ADHS, Legasthenie oder Dyskalkulie leiden, war das Homeschooling nochmal deutlich schwerer. "Für die Förderung von Kindern, die spezifische Bedürfnisse haben, gibt es Fachkräfte wie speziell ausgebildete Trainer*innen, eigene Lehrpläne, Kleinklassen etc. Das alles an die Eltern auszulagern, kann schlichtweg selbst unter besten Voraussetzungen nicht funktionieren", kritisiert die Volkshilfe in einer Aussendung. "Hier wurden Kinder und Eltern zurückgelassen."

 

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