Corona-Krise: Wo Gründerinnen und Selbstständige jetzt schnell Geld und Unterstützung bekommen

Zwei Tage bevor Corona Österreich lähmt, wird Cornelia Lindner Gründerin. Das Feedback auf ihr eco-freundliches Modelabel Consches ist enorm. Und verdammt kurz. Jetzt bangt sie jeden Tag, ob sie das finanziell überleben kann. Wie tausende andere Gründerinnen. Doch es gibt schnelle und unbürokratische Hilfe.

WIENERIN Gründerinnentag Pitch

Wie lange halt' ich das finanziell aus? Wie viel Unsicherheit verträgt meine positive Grundstimmung? Und wann werden meine Kredite fällig? Fragen, auf die Cornelia Lindner keine Antworten hat. Fragen, die sie sich noch vor einer Woche nicht vorstellen hätte können. Vor einer Woche schwebte sie im Glückstaumel nach der erfolgreichen Lancierung ihres Modelabels Consches. Da waren die Feedbacks enorm positiv und die Glückwünsche euphorisch. Die 33-jährige Gründerin hatte allen Mut zusammengenommen: „Mit Erspartem und Krediten hab ich mein Label finanziert und wollte ehrliche, umweltfreundliche und in Österreich gefertigte Kleidung auf den Markt bringen, denn Mode und das Wort Nachhaltigkeit passen in so vielen Fällen einfach nicht zusammen“, erzählt Cornelia der WIENERIN.

Tja, aber unternehmerisches Risiko und Corona-Virus passen auch nicht zusammen. Und so stehen aktuell tausende Frauen, die sich mutig in die Selbstständigkeit gewagt hatten, vor dem Ruin. 2019 hatte Österreich die höchste Quote an Frauen bei Neugründungen, nämlich 45,5 Prozent. Die meisten davon haben ein kleines Unternehmen gegründet, die meisten stehen jetzt mit ähnlichen Ängsten und Sorgen da. So wie auch Cornelia, die aber zumindest durch ihre regionale Produktion im steirischen Feldbach weiterhin (mit der Post) liefern kann.

Wo aber kommt jetzt das Geld her?

Als eine von mehreren Maßnahmen hat die Stadt Wien (bzw. die Wirtschaftsagentur) in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer Wien ein Gesamtpaket von 35 Millionen Euro Soforthilfepaket zur Verfügung gestellt. Ziel ist es, möglichst unbürokratisch und schnell zu helfen.

  • Ab 1. April kann man über die Website der WKO eine Unterstützung von 1.000 Euro im Monat als Überbrückung beantragen. Die nötigen Fristen müssen eingehalten werden, der Verdienstentgang muss genau ausgewiesen werden.
  • Ebenfalls neu sind Überbrückungskredite. Die gehen von 5.000 bis 350.000 Euro und betreffen Unternehmen, die weniger als 5 Millionen Jahresumsatz haben – also quasi alle Gründerinnen. Alle Infos dazu gibt es hier: LINK.
  • Sehr cool und ganz neu ist die Möglichkeit, die es ab morgen (18. März 2020) geben wird: Nämlich, dass man sich seinen Home Office-Arbeitsplatz fördern lassen kann. Und das rückwirkend bis 1. März 2020. Alle Infos dazu gibt es hier: LINK.
  • Und was ebenfalls bei jeder*m Selbstständigen ein Thema ist: die Sozialversicherungsbeiträge und auch eine Steuerstundung. Hier geht es auch bereits zu den Infos und Formularen.

Der Fahrplan durch die Corona-Krise: Worauf Gründerinnen jetzt besonders achten sollten

WIENERIN Gründerinnentag 2019 Lisa Fassl

Lisa-Maria Fassl von den Female Founders erklärt, wie vor allem die Frauen in der Start-Up Szene mit dem täglichen Lagerkoller der Existanzangst umgehen können.

1. Wo soll ich jetzt als Gründerin zuerst hinschauen?

Lisa Maria Fassl: „Liquidität sicherstellen: Wichtig ist es, die finanziellen Ressourcen so gut es geht zu schonen, Kosten wo auch immer möglich zu reduzieren und vielleicht auf externe Finanzierung zurückzugreifen - mit dem Ziel, den finanziellen Polster so lange wie möglich nutzen zu können. Wichtige Anlaufstellen sind dabei Steuerberater*innen, die einen tagesaktuellen Überblick über die Möglichkeiten hinsichtlich Zahlungen an Finanzamt, Sozialversicherungen sowie auch Überbrückungskredite haben. Wenn es bereits Investor*innen (bspw. Angel Investor*innen) oder andere Kapitalgeber*innen gibt, sollte umgehend mit ihnen Kontakt aufgenommen und ein Plan für die Sicherstellung der Liquidität erstellt werden.“

2. Alle arbeiten plötzlich zu Hause – wie kann ich als Team trotzdem funktionieren?

„Jede*r weiß, wie schwierig es sein kann Teams zu führen, auch wenn man sich jeden Tag physisch sieht. Das Setup von einem gut funktionierenden Home Office ist daher aktuell das Um und Auf - hier Zeit zu investieren kann sich langfristig (auch über die Krise hinaus) lohnen. Wichtig ist es dabei, die Produktivität und Motivation des Teams sicherzustellen. Regelmäßige Calls, das Beibehalten von Routinen und ein gemeinsames Projektmanagement-Tool schaffen hier Sicherheit, Vertrauen und Transparenz. Aktuell bieten viele Unternehmen ihre Tools kostenlos an und erleichtern so die Umstellung.“

3. „Wie bleiben Gründerinnen mental gesund?“

"Wichtiges Thema Mental Health: Als Gründer*in haben wir alle den Drang etwas zu tun, aktiv zu sein. In Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und der Einschränkung von sozialen Kontakten, kann es hier schnell zu herausfordernden Situationen kommen - vor allem, wenn man auch die Verantwortung für das eigene Business, seine Familie und Mitarbeiter*innen trägt. Daher ist es das allerwichtigste - auch um die anderen genannten Punkte zu meistern - fit und optimistisch zu bleiben. Auch hier können tägliche Routinen, gezielte Off-Zeiten, der Austausch mit anderen Unternehmer*innen oder auch professionelle Coachings helfen."

 

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