Corona-Krise in Afrika: “Wer wird uns noch helfen, wenn alle Länder gegen COVID-19 kämpfen?”

Nach der Ebola-Epidemie 2014 bereitet sich Sierra Leone erneut auf den Ausnahmezustand durch Covid-19 vor. Das medizinische Personal kämpft mit wenigen Mitteln und alter Schutzausrüstung. Unter ihnen: Krankenschwester Rosaline.

Rosaline in rosa Kleid vor Hintergrund in der Klinik

Kein Ausgehen, keine Fußballspiele, keine Partys: Das bitterarme Sierra Leone bereitet sich auf das Coronavirus vor. Rosaline arbeitet als Krankenschwester in einer von der NGO Care unterstützten Klinik in Kakoya in Sierra Leone. Das Land hat vor einigen Jahren den Ausbruch von Ebola überstanden. Rosaline hat an vorderster Front gegen Ebola gekämpft. Dieses Wissen soll ihr und den medizinischen Einsatzkräfte in Sierra Leone nun helfen. Auf der Grundlage der Erfahrung mit Ebola wollen sie sich besser gegen Ansteckung schützen. Doch werden sie genug Ausrüstung dafür haben?

"Wir bereiten uns auf den Ernstfall vor"

Rosaline (29) ist Mutter von zwei Kindern. Sie wurde selbst als jüngste von acht Schwestern geboren. Ihre Eltern hatten nicht genug Geld, um sie zur Schule zu schicken. Zum Unterricht konnte sie erst, als ein Verwandter einsprang und das Schulgeld für sie zahlte. Nach der Schule bekam sie ein Stipendium und konnte so die Ausbildung zur Krankenschwester machen. In der von Care unterstützten Klinik ist Rosaline die erste Anlaufstelle für die Anliegen der Patienten und Patientinnen und übernimmt viele Aufgaben. An einem Tag ist sie z.B. als Hebamme im Einsatz, an einem anderen Tag verabreicht sie Impfungen. Hier beschreibt Rosaline das Warten auf das Virus.

"Das Land steht still, doch wir Krankenschwestern treffen Vorbereitungen. Es gibt bereits Verdachtsfälle in unserem Nachbarland Guinea. Sierra Leone hat Handwaschbecken und Seifenspender an vielen öffentlich zugänglichen Orten eingerichtet und natürlich in Schulen und Kliniken.
Am wichtigsten ist es jetzt, Infektionen vorzubeugen. Hygienevorschriften sind in Kraft. Wir und die anderen medizinischen Einsatzkräfte tragen Schutzmasken, wir berühren die Patienten und Patientinnen nicht ohne Handschuhe, wir messen bei allen von ihnen Fieber und wir waschen regelmäßig unsere Hände. Alle medizinischen Geräte werden desinfiziert.

Aus dem Einsatz gegen Ebola haben wir gelernt, dass es von großer Bedeutung ist, die lokale Bevölkerung zu informieren und mit ins Boot zu holen, damit sie die Schutz- und Hygienemaßnahmen mitträgt. Ich fahre mit dem Motorrad bis in entlegene Dörfer und kläre die Menschen über die Gefahren auf. Am Anfang glauben sie mir manchmal nicht, wie gefährlich das neue Corona-Virus ist. Dann sag ich ihnen sehr deutlich, was auf dem Spiel steht. So überzeuge ich sie. Die Menschen vertrauen mir, weil ich auch hier aus der Gegend komme.

Sierra Leone Corona Ebola Care

"Wir werden mit alter Ausrüstung arbeiten müssen"

Während des Ausbruchs von Ebola war ich schon an dieser Klinik. Die erste und wichtigste Maßnahme war auch damals Händewaschen. Wir wissen nun auch, dass es besser ist, wenn Kranke in der Klinik isoliert und nicht zu Hause gepflegt werden.Das medizinische Personal greift jetzt auf die Schutzausrüstung zurück, die noch aus der Zeit von Ebola übrig ist. Wir haben von CARE Grundausstattung bekommen, aber das wird nicht reichen. Die andere Ausrüstung ist schon alt.

Wir machen uns große Sorgen, dass wir keine internationale Hilfe bekommen werden, weil die ganze Welt mit dem Corona-Virus zu kämpfen hat. Dann wird für uns vielleicht keine Schutzausrüstung mehr da sein. Und die finanziellen Mittel könnten auch fehlen. Wir sind sehr besorgt. Als sich Ebola verbreitete, sind viele Krankenschwestern und Ärzte und Ärztinnen gestorben. Doch jetzt mit dem Corona-Virus sind wir gewarnt und werden uns von Beginn an besser gegen eine Ansteckung wappnen. Mein Rat an alle: Schaut zuerst auf eure Sicherheit und die Sicherheit eurer Familie! Schützt euch! Haltet euch an die Hygiene-Vorschriften und dann kümmert euch um die Patienten.”

Corona-Virus: Die derzeitige Situation in Sierra Leone

Seit 21.3.2020 ist der Flughafen in der Hauptstadt Freetown geschlossen. Bis dato wurde noch kein Covid-19-Fall im Land gemeldet. Laut Präsident Julius Maada Bio sei es aber keine Frage des "ob", sondern eine Frage des "wann". Ein Maßnahmenpaket zur Vorbereitung wurde deshalb bereits in Kraft gesetzt.

Von 2014 bis 2016 kämpfte das Land mit einem überwältigenden Ausbruch einer Ebola-Epidemie: Über 14.000 Infizierte und knapp 4.000 Tote wurden gemeldet.

 

Aktuell