Corona hat die Situation für Menschen mit Behinderung noch verschärft

Die Lage am Arbeitsmarkt sei für Personen mit Behinderung momentan prekär, heißt es aus der Arbeiterkammer. Speziell für Frauen mit Behinderung brauche es dringend "krisensichere Netze" findet SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek.

Frau in Rollstuhl

Seit einigen Jahren wird am 3. Dezember der "Tag der Menschen mit Behinderung" begangen. Auch dieser steht im heurigen Jahr im Zeichen der Corona-Pandemie, denn diese hat die Situation für Personen mit Behinderung in einigen Bereichen noch erschwert. Organisationen und Politiker*innen weisen anlässlich des Aktionstages auf die teils prekäre Lage hin: Der österreichische Behindertenrat spricht in seiner Aussendung von einem "besonders harten Jahr".

Forderung: bessere Arbeitsmarktchancen und faire Entlohnung

Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl macht in einer Aussendung darauf aufmerksam, dass die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung nach wie vor nicht den Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention entspricht: "In viel zu vielen Fällen ist sie sogar äußerst prekär." Durch die Corona-Krise seien Menschen mit Behinderung besonders betroffen. Die AK fordert daher bessere Arbeitsmarktchancen und Chancengleichheit im Bildungssystem.

Auch Volksanwalt Bernhard Achitz sieht die Lage für Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt drastisch: "Sie arbeiten Tag für Tag in Werkstätten, sind aber nicht sozialversichert und werden mit Taschengeld abgespeist, statt einen ordentlichen Lohn zu bekommen." Es brauche eigenständige sozialversicherungsrechtliche Absicherung, inklusive Rahmenbedingungen sowie eine faire Bezahlung, heißt es aus der AK.

Allgemein "Stillstand und Verschlechterungen"

Monitoring-Organe von Bund und Ländern haben die aktuelle Lage von Menschen mit Behinderung in Österreich analysiert. Auswertungen machen deutlich, "dass es seit der letzten Staatenprüfung in vielen Bereichen Stillstand und sogar Verschlechterungen gibt", zitiert die APAChristine Steger, Vorsitzende des Bundes-Monitoringausschusses. Im Zuge der Coronakrise zeige sich außerdem, dass Wohn- und Betreuungseinrichtungen besonders gefährdet sind.

Auch UNO-Generalsekretär Antonio Guterres gibt zu bedenken, dass sich bereits existierende Ungleichheiten noch vertieft hätten. Seine Forderung: "Während sich die Welt von der Pandemie erholt, müssen wir sicherstellen, dass die Ziele und Rechte von Menschen mit Behinderungen bei dem Ausbau einer inklusiven, zugänglichen und nachhaltigen Welt nach COVID-19 miteinbezogen und berücksichtigt werden".

SPÖ-Frauen: "Männliches Krisenmanagement übersieht Mehrfachbelastung der Frauen"

Wie Studien und Erfahrungsberichte zeigen, trifft die Corona-Pandemie Frauen besonders hart. SPÖ-Frauengeschäftsführerin Ruth Manninger sieht hier Versäumnisse bei der Regierung: "Das männliche Krisenmanagement rund um den Bundeskanzler übersieht die Mehrfachbelastung der Frauen, ganz besonders der Frauen mit Behinderung". Manninger sowie SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek sprechen sich daher in ihrer Aussendung für "krisensichere Netze für Frauen mit Behinderung" aus, die ein selbstbestimmtes Leben möglich machen sollen.

 

Aktuell