Corona-Familienleben: Me, one und two half-men in häuslicher Quarantäne - Woche 7

Die Ausgangsbeschränkungen sind - vorerst - Geschichte. In der letzten Folge ihrer Quarantäne-Kolumne denkt Andrea Burchhart über das vorläufige Ende der Familien-Isolation nach: Was kommt jetzt?

Familie mit Mund-Nasen-Schutzmasken

Die Eltern haben gewonnen! Unsere Kinder haben nach fünfeinhalb Tagen gestritten. Es waren sehr schöne fünf Tage. Wenn ich gesagt habe „War das etwa ein Streit?“, waren sie sich immer einig: „Natürlich nicht!“, haben sofort aufgehört zu zanken und in salbungsvollen Worten angemerkt, wie lieb sie nicht ihren Bruder hätten. Beim gemeinsamen Baden hat die Lust aufs Bruder-Sekkieren über die versprochenen 50 Euro bei sieben Tagen Friede gesiegt. Schaumhäferl ins Gesicht und aus war’s mit den Freundlichkeiten. Problematischerweise haben sie sich dabei verbal arg beflegelt. Daran sind wir nicht unschuldig! Mein Mann hat eine große Leidenschaft für Queen – nicht die Elizabeth, sondern die Band. Logisch, dass er auch die Freddie-für-Österreicher-Ikone Austrofred seit vielen Jahren in sein großes Herz geschlossen hat. Er war schon Fan, als er "der Champion" noch von den Meisten belächelt und von garstigen Menschen beim Donauinselfest ausgebuht und mit Bechern beschossen wurde. Jedenfalls gibt es eine Austrofred-Hymne mit dem vielsagenden Titel „Eich Dodeln gib i Gas!“, die uns Erwachsenen immer extrem gute Laune macht. Zur Melodie von "Another One Bites the Dust" teilt der Austrofred aus, was geht: von A wie Arschloch bis Z wie Zipflzwicker. Weil die Stimmung bei uns in letzter Zeit gewaltige Aufheller gebraucht hat, ist die Nummer das eine oder andere Mal gelaufen. Okay, ich gestehe: fast täglich! Jedenfalls können die Kinder den Text jetzt natürlich auswendig. Der Siebenjährige will unbedingt wissen, wie man das eine oder andere Wort richtig schreibt. Lernwörter wie "draußen" oder "viel" stinken da natürlich voll ab. Ob das jetzt für eine bessere Note in Deutsch reicht, weiß ich nicht, aber in Sachen Streitvokabular sind die beiden jedenfalls topfit!

drei Flaschen Alkohol liegen Kopf an Kopf

From a Distance: Wir machen uns jetzt mal locker

Es gibt ja Familien, wo du dir denkst, die packen sich einfach nicht und müssen daher immer mit anderen zusammen sein. So waren wir eh nicht, aber nach sieben Wochen werden wir uns schön langsam überdrüssig. Tagaus, tagein dieselben drei Gesichter zu sehen, wird irgendwann schwierig. Die Video-Calls, die mittlerweile selbst mit meiner technikunversierten Mutter funktionieren, werden uns auch mühsam. Ich bin daher megahappy, dass wir nun endlich wieder Leute in echt treffen. Gedachter Babyelefant (Nur so nebenbei: Wer denkt bitte in tierischen Kategorien? Drei Flaschen der Länge nach hingelegt, da würden sich die Leute auskennen …) dazwischen oder nicht – das sollte mündigen Bürger*innen selbst überlassen bleiben. Mundschutz, im Supermarkt, in den Öffis, bitte, das macht Sinn, das lass ich mir einreden, aber in meinen eigenen vier Wänden oder gar im Auto (wie vielfach gesehen)? Nun ja, jede*r wird seine/ihre Gründe dafür haben. Viele fragen sich jetzt, was nun das wichtigste "Learning" aus dieser Lockdown-Zeit war. Immerhin weiß ich jetzt, dass man „das Virus“ und nicht "der Virus" sagt. Im Duden steht allerdings dazu: "Heute existieren in der Alltagssprache beide Formen nebeneinander und beide gelten als korrekt. In der Fachsprache dagegen blieb es bei der ursprünglichen sächlichen Form: das Virus." Wenn das so ist, dann bleibe ich bei der Virus, weil ich fühle mich, anders als so viele andere derzeit, nicht als Fachfrau in Sachen Virologie. Als Mutter zweier schulpflichtiger Kinder habe ich dafür in Sachen Homeschooling eine gewisse Expertise vorzuweisen. Ob mich das beruflich in Zukunft weitbringt? Wohl kaum! Persönlich hat es mich und meine Kinder jedenfalls an eine Grenze gebracht und Gefühle heraufbeschworen, deren wir uns gar nicht bewusst waren. Mitte Mai geht es wieder los. Der Unterricht findet wieder live in den Schulen statt. Aufgrund der geteilten Klassen werden es sage und schreibe maximal 14 (!) Unterrichtstage sein. Wie genau die ablaufen werden, wissen wir jetzt noch nicht. Nur soviel: Kein Musikunterricht, kein Sport, in der Ganztagesvolksschule fix kein Gartenbesuch. Bei unserem Glück werden die Buben darüber hinaus garantiert an unterschiedlichen Tagen in die Schule gehen müssen. Aber gut, mittlerweile sind wir sind Kummer (und Homeschooling) gewöhnt.

Sag zum Abschied leise Servus: Baba, Quarantäne!

Viel wird und wurde über die Verhältnismäßigkeit der Regierungsmaßnahmen zur Eindämmung des Virus geschrieben und diskutiert. Politische Entscheidungsträger*innen sind jedenfalls nicht zu beneiden. Wir können heute nur erahnen, welche Auswirkungen der Lockdown für uns alle in naher und ferner Zukunft haben wird. Ich kenne persönlich zwei Menschen, die bisher an Covid-19 erkrankt sind und die das ohne Krankenhausaufenthalt gut weggesteckt haben. Das kann sich schnell ändern. Auf der anderen Seite kann ich heute namentlich mindestens 20 Leute nennen, die de facto wirtschaftlich am Ende sind – mich eingeschlossen. Die Kulturnation ist tot. Ich bekomme täglich zig E-Mails mit Absagen oder Informationen zu Verschiebungen von Veranstaltungen. Vieles findet online statt. Wirklich befriedigend ist das nicht. Selbst ein Josef Hader ist gestreamt einfach nur halb so lustig wie live. Auch die Wirte sind am Ende. Aktionen, die dazu aufrufen, jetzt Gutscheine von Geschäften und Lokalen zu kaufen sind wichtig und unterstützenswert. Doch die Zivilgesellschaft allein wird das nicht stemmen können. Der Staat wird hoffentlich die Richtigen unterstützen. Das Leben wird weitergehen. Irgendwie. Mit dieser Corona-Familien-Kolumne ist nach sieben Ausgaben Schluss. Ab 1. Mai dürfen wir wieder raus. Die Quarantäne-Zeit ist vorbei.

WIENERIN-Autorin Andrea Buchhart befindet sich wie viele Menschen in Österreich mit ihrer Familie in der Corona-Quarantäne. Über den neuen "Alltag" zwischen Home Office, Home Schooling, Hausarbeit und Familienleben auf engstem Raum schreibt sich einen wöchentlichen Rückblick auf wienerin.at.

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