"Corona-Cuffing": Warum sich Singles plötzlich in Beziehungen stürzen

Die Angst, wieder Monate allein daheim verbringen zu müssen, bringt aktuell etliche Singles dazu, sich nach Partner*innen umzusehen – und ihre Dating-Ansprüche anzupassen.

Paar kuschelt und schaut Netflix

Viel Zeit allein, kaum Möglichkeiten, Freund*innen zu treffen, keine Partys, geschweige denn spontane Schmusereien – viele Singles fühlten sich gerade in der Zeit der Corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen besonders … naja single. Auch Zahlen belegen, dass die Isolation vor allem Alleinstehenden zugesetzt hat: So stammten Drei Viertel der Anrufe bei der Corona-Helpline des Wiener Landesverbands für Psychotherapie zwischen April und Mai aus Single-Haushalten. Kein Wunder also, dass sich viele nun auf die Suche nach einem*r Parnter*in begeben, mit dem*r sie die kalten Monate und eine mögliche "zweite Welle" verbringen können.

Neuer Dating-Trend "Corona-Cuffing"

Dass Phänomen der "Cuffing Season" beschreibt die Zeit (üblicherweise im Spätherbst), in der sich Alleinstehende auf Partner*innensuche begeben, um die Wintermonate nicht solo verbringen zu müssen. Es existiert bereits seit einigen Jahren und fußt laut Beziehungs-Expertin Shula Melamend auf unserer Angst vor kaltem Wetter: "Die Kälte wirkt sich auf unsere Emotionen aus und senkt unsere Motivation, hinauszugehen und soziale Kontakte zu knüpfen. Wir haben in dieser Zeit meist wenig Lust auf neue, 'aufregende' Erfahrungen, sondern eher auf kuschelige Abende daheim".

Durch Corona und die damit einhergehenden Regelungen wird es für Singles heuer schwerer, spontan ihren Beziehungsstatus zu ändern oder sich unter Leute zu begeben, wenn sie sich allein fühlen. "Corona nimmt uns diese Flexibilität", erklärt Dating Coach Meredith Golden gegenüber Bustle. Das sei auch der Grund, warum nun viele "Corona-Cuffing" betreiben und frühzeitig auf der Suche nach einem*r Partner*in sind, mit dem*r sie die "schweren Monate" überstehen können. Jedoch machen nach wie vor geltende Maßnahmen wie "Abstand halten" oder frühzeitige Sperrstunden sowie die Gefahr einer Infektion die Sache nicht leichter: "Leute, die eine Ansteckung unbedingt vermeiden wollen und sich bei Restaurantbesuchen oder ähnlichem unwohl fühlen, müssen wohl auf den Frühling warten, um wieder auf Dates zu gehen. Das setzt vielen zu", so Golden.

Hauptsache nicht allein?

Corona scheint, diejenigen auf Partner*innensuche dazu zu bringen, über ihre Dating-Präferenzen nachzudenken und diese anzupassen. Logan Ury, Verhaltensforscherin bei der Dating-Plattform Hinge erklärt: "Die Pandemie hat eine noch nie dagewesene Möglichkeit geschaffen, über eigene Datingmuster und Verhaltensweisen zu reflektieren und zu erkennen, was man tatsächlich sucht". So zeigt sich: Während manche nun genauer überlegen, wer denn zu ihnen passt und sorgfältig auswählen, mit wem sie Zeit verbringen möchten, suchen andere bewusst nach einem "Zeitvertreib" für die nächsten Monate, der schlicht dazu da ist, menschliche Grundbedürfnisse zu stillen.

 

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