Corinna Milborns schlagfertige Antwort auf Felix Baumgartner

Weil der Extremsportler die Moderatorin wegen ihrer Figur kritisiert hat, reagiert diese jetzt mit einem starken Statement gegen den Schönheitswahn unserer Gesellschaft. Samt persönlicher Einladung.

Selbst in den deutschen "SPIEGEL" hat es die Geschichte über den Extremsportler Felix Baumgartner und die TV-Moderatorin Corinna Milborn bereits geschafft: Baumgartner hatte die Moderatorin vor Tagen wegen ihrer Figur öffentlich kritisiert, Milborn reagierte am Donnerstag mit einer schlagfertigen Video-Antwort.

"Bei der Figur auch kein Wunder!"

Auslöser der Debatte war das "Osterhöschen"-Sujet der Unterwäschefirma "Palmers" (wienerin.at berichtete). Das Bild, das sechs Lingerie-Models am Boden eines verdreckten Raumes zeigt, kam bei vielen weniger gut an - so auch bei Corinna Milborn, die die Werbung öffentlich kritisierte.

Das nahm sich Felix Baumgartner, der durch seinen Stratosphärensprung in aller Welt bekannt wurde, zum Anlass, um die Autorin öffentlich auf ihren Körper zu reduzieren:

"Bei der Figur auch kein Wunder", kommentierte er Milborns Kritik an der "Palmers"-Werbung. Schon in der Vergangenheit ist Baumgartner mit frauenfeindlichen Aussagen aufgefallen - einmal benutzte er den Rücken seiner damaligen Freundin als Tablett und dokumentierte das mit den Worten: „Das ist der Grund, warum ich meine Freundin liebe. Sie ist immer für mich da.“

"Was Sie da getan haben, ist sehr typisch"

Corinna Milborn ließ das natürlich nicht auf sich sitzen. In einer starken Videobotschaft wendet sie sich jetzt direkt an Baumgartner - und ruft ihn dazu auf, zu ihr in die Sendung zu kommen:

Lieber Felix Baumgartner, ich habe eine Einladung für Sie. Sie haben mich in einem Facebook-Posting erwähnt, weil ich das Werbefoto eines Unterwäscheherstellers kritisiert habe. Ich erkläre Ihnen gerne nochmal warum: Man sieht darauf Frauen, die kaum bekleidet auf einem schmutzigen Boden liegen und mit dem Gesicht gegen die Wand auf einen Haufen Dreck schauen. Das erinnert mich an meine Recherchen zu Menschenhandel - nämlich an die Fotos, die Frauenhändler von ihren Opfern machen, um dem nächsten Abnehmer die "Ware" zu zeigen: Man sieht da Frauen, wenig oder nicht bekleidet, in Abbruchhäusern oder Kellern, oft von hinten fotografiert, damit man das Gesicht nicht erkennt und die Frauen nicht gefunden werden können. Das ist eine Realität. Und ich finde so eine Ästhetik sehr unpassend für eine Werbung für Unterwäsche zu Ostern. Sie sind aber nicht auf diese Kritik eingegangen, sondern haben behauptet, ich hätte das Sujet _wegen meiner eigenen Figur_ kritisiert. Was überhaupt keinen Sinn ergibt. Ich wollte deswegen zunächst auch gar nicht darauf eingehen. Es haben aber so gut wie alle Medien Ihr Facebook-Posting aufgegriffen, und deswegen antworte ich jetzt doch: Was Sie da getan haben, ist nämlich sehr typisch. Sie haben nicht einen der Männer kritisiert, die das Sujet ebenso gesehen haben, sondern haben sich eine Frau herausgepickt. Und Sie sind nicht auf den Inhalt eingegangen, sondern haben zusammenhanglos mein Aussehen, meinen Körper thematisiert. Das passiert Frauen dauernd, und es trifft alle: Zu hübsch um ernst genommen zu werden, zu blond um gescheit zu sein, zu sexy oder zu unweiblich, zu stark geschminkt oder zu hässlich, zu dünn oder zu dick, zu alt oder zu dunkelhäutig (oder mit der falschen Figur um eine Meinung zu äußern - was, mit Verlaub, wirklich zum deppertsten gehört). Ich will nicht, dass Ihr Facebook-Posting - mit dieser Reichweite - dazu führt, dass irgendeine Frau da draußen das Gefühl hat, sie müsse sich erst irgendwelchen Schönheitsvorstellungen von Leuten wie Ihnen beugen, bevor sie in der Öffentlichkeit den Mund aufmacht. Deshalb möchte ich das gerne mit Ihnen besprechen. Ich möchte Sie einladen in meine Sendung "Pro und Contra" auf PULS 4, um mit Ihnen über Ihr Frauenbild und die Auswirkungen zu diskutieren. Sie sind ja schon aus dem All gesprungen, Sie sind also sicher nicht zu feig dafür - oder, um es in Ihrer Sprache zu sagen: Sie haben doch sicher die Eier, sich der Diskussion zu stellen. Ich freue mich darauf. ps weil das unklar berichtet wurde: Ich habe nie etwas über die Frauen auf dem Sujet gesagt und schon gar nicht über ihre Körper, sondern das Setting kritisiert. Ich hab auch das Posting nicht gelöscht, sondern die Sichtbarkeit auf "nur Bekannte" gestellt - ich habe hier die Information einer TV-Sendergruppe zu leiten und kann mich nicht den ganzen Tag um die Kommentare kümmern.

Posted by Corinna Milborn on Mittwoch, 19. April 2017

Sie erklärt, dass sie zunächst gar nicht auf seine Kritik eingehen wollte. Doch die Medienaufmerksamkeit war so groß, dass sie sich schließlich doch dazu entschloss: "Was Sie da getan haben, ist nämlich sehr typisch. Sie haben nicht einen der Männer kritisiert, die das Sujet ebenso gesehen haben, sondern haben sich eine Frau herausgepickt. Und Sie sind nicht auf den Inhalt eingegangen, sondern haben zusammenhanglos mein Aussehen, meinen Körper thematisiert."

Und weiter: "Das passiert Frauen dauernd, und es trifft alle: Zu hübsch, um ernst genommen zu werden, zu blond, um gescheit zu sein, zu sexy oder zu unweiblich, zu stark geschminkt oder zu hässlich, zu dünn oder zu dick, zu alt oder zu dunkelhäutig (oder mit der falschen Figur, um eine Meinung zu äußern - was, mit Verlaub, wirklich zum deppertsten gehört)."

Persönliche Einladung in ihre Sendung

Sie wolle nicht, dass sein Facebook-Posting dazu führe, dass "irgendeine Frau da draußen das Gefühl hat, sie müsse sich erst irgendwelchen Schönheitsvorstellungen von Leuten wie Ihnen beugen, bevor sie in der Öffentlichkeit den Mund aufmacht."

Anschließend folgt eine persönliche Einladung zu ihrer Sendung "Pro und Contra" auf "PULS 4", um mit Baumgartner über sein Frauenbild und dessen Folgen zu diskutieren. Schlagfertig fügt sie hinzu: "Sie sind ja schon aus dem All gesprungen, Sie sind also sicher nicht zu feig dafür - oder, um es in Ihrer Sprache zu sagen: Sie haben doch sicher die Eier, sich der Diskussion zu stellen. Ich freue mich darauf." Bisher hat Baumgartner noch nicht auf die Einladung reagiert.

Nachtrag: Das "Frauennetzwerk Medien" hat Baumgartner wegen seiner Aussagen den Sexismus-Preis "Rosa Handtaschl" verliehen.

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