Cookasa

Die Party kocht! So lautet das Motto eines speziellen Events: Bei Cookasa kocht und isst man mit Unbekannten in einer fremden Küche. Am 5.4. kommt das Event zum ersten Mal nach Wien . Wir haben mit einem der Initiatoren gesprochen.

Die Idee von Cookasa ist denkbar einfach: Gemeinsam mit Menschen aus aller Welt in einer (fremden) Küche kochen - so fasst es Initiator André Wollin zusammen.

André, wann und wie ist die Idee von Cookasa entstanden?

Anfangs waren wir nur zu zweit. Im November 2011 saßen mein Freund Kersten und ich bei einem Bier in Bremen und haben darüber gesprochen, dass Menschen alles Mögliche über das Internet teilen. Vom Werkzeug bis zum Auto - Besitz scheint zweitrangig zu werden. Wir entwickeln uns zu einer Erlebnisgesellschaft, und die Geschichten stehen im Vordergrund. Da hatten wir die Idee: Man könnte doch auch die Küche teilen!

Wie wäre es, wenn ein Spanier das Tapasrezept seiner Großmutter hervorkramt und in Hamburg wildfremden Menschen auftischt? Solche Szenen haben wir uns damals vorgestellt - und sie sind dann tatsächlich so passiert.

Die Events sind ja - bis auf den Unkostenbeitrag für die Zutaten - kostenlos. Verdient Ihr etwas damit?

Die Wirtschaftlichkeit ist uns in dem Fall nicht wichtig. Wir wollten zeigen, dass man auch ohne Geldeinsatz eine Idee groß machen kann. Der Gedanke des Helfens fasziniert uns: Nicht nur in der Küche machen wir alles gemeinsam und hilft man sich gegenseitig, auch beim Aufbau von Cookasa melden sich Freiwillige, die die Idee gut finden, in ihre Städte bringen und mithelfen wollen. Wo wir einmal landen werden? Keine Ahnung!

Hat sich seit November 2011 die Idee verändert?

Die Ursprungsidee ist die Gleiche, nur die Organisation hat sich stark verändert. Anfangs, also im Februar 2012, haben wir das Ganze nur über eine Facebook-Gruppe getestet. Erst vor einem halben Jahr haben wir eine Website aufgesetzt. Jetzt lohnt es sich und wir wussten, dass die Idee angenommen wird.

André, du hast bereits bei über 70 Cookasa-Events teilgenommen (lt. Website): Ist eines davon besonders in Erinnerung geblieben, wenn ja, warum?

Die Events sind für mich immer dann toll, wenn viele Menschen aus verschiedenen Ländern beteiligt sind: Ich kann mich an einen Abend erinnern, an dem Leute aus Russland, Indonesien, Ungarn, Frankreich und natürlich Deutschland dabei waren. Das war eine gute Mischung. Der Indonesier war besonder witzig und hat erzählt, dass er diese Hektik der Leute in Deutschland nicht versteht. Da laufen sie zur U-Bahn, obwohl die nächste doch in fünf Minuten kommt. "Relax", hat er immer gesagt, "die Leute müssen auf Bali reisen, da geht es nur ums Surfen und Chillen." Das sind die Geschichten, die amüsieren.

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Gemeinsames Kochen und Essen
Sven Reher, Elena Abad, André Wollin
Cookasa gibt es mittlerweile in über 10 Städten in ganz Deutschland - und ab dem 5.4. auch in Wien (Anmeldungen noch bis 4.4. möglich). Die Events finden im Abstand von 5 - 6 Wochen statt.
Durchschnittlich kostet ein Menü zwischen € 7 und 15. Beteiligt sind zwischen 5 und 50 Menschen, die je nach Anzahl auf verschiedene Küchen aufteilt werden.
Termine und mehr auf cookasa.com

Wer kommt zu Cookasa Events?

Wir haben im Laufe der Jahre erst festgestellt, wer unsere Zielgruppe ist. Das sind Menschen zwischen 20 und 50 Jahren, kreative, kommunikative Leute, die keine Scheu haben. Der Großteil ist zwischen 25 und 40 Jahren alt. Das Tolle ist, dass Cookasa Menschen anzieht, die bereits auf einer Wellenlänge sind und zusammen passen. Das Kochen ist nur die Sache, zu der man sich trifft. Ich höre immer wieder: "Die Menschen und die Gespräche sind das Beste daran." Ich würde sagen, 70% kommen deshalb und nur 30% wegen des Essens. Auch wenn wir schon öfters Köche dabei hatten, die dann Großartiges auf den Teller zaubern.

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Es werden ja im Vorfeld Teams gebildet, die jeweils für den Einkauf eines Gangs zuständig sind. Wie bildet Ihr diese Teams?

Zusammengemischt werden die Teams per Zufall. Wir haben ein Computerprogramm extra dafür erstellt - nur auf die gleichmäßige Verteilung zwischen Frauen und Männer achten wir. Der Frauenanteil liegt übrigens bei 60%.

Haben sich bei den Events bereits Freundschaften gebildet?

Ja, immer wieder. Die Wiederholungsrate ist auch sehr hoch, wobei durch das Zufallsprinzip dann immer neue Menschen aufeinander treffen und man nicht so häufig jemanden bereits kennt.

Ihr kocht in fremden Küchen: Worauf müssen sich Gastgeber einstellen? Wer kann seine Küche anbieten?

Jede Küche brauchbar, wir hatten schon acht Leute auf 1,5 m², das war dann wie bei einem Twister-Spiel. Es muss eben improvisiert werden. Man braucht definitiv keine Designer-Küche, ganz im Gegenteil: Oft ist die Stimmung in kleinen Küchen sogar besser. Und wenn Sachen fehlen, die Ausstattung nicht komplett ist, macht das auch nichts. Ich kann mich an einen Abend erinnern, an dem wir fünf Mal zur Nachbarin hinunter gegangen sind, weil eine Schüssel fehlte, kein Öl zum Braten da war und und und ...

Und wie funktioniert es mit dem Aufräumen?

Das machen wir alle zusammen. Anfangs war das nicht so. Ich habe das am eigenen Leib zu spüren bekommen: Ich hatte sechs Leute zu Gast, es war ein toller Abend, aber am nächsten Tag habe ich allein zwei Stunden mit Schrubben verbracht. Das soll so nicht sein! Dann haben wir Checklisten gemacht, die jeder vor der Teilnahme bekommt. Da steht zum Beispiel auch, dass gemeinsam abgewaschen wird. Das klappt fantastisch - seither hören wir eher, dass die Leute zuviel machen als zu wenig.

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Wie kommt es, dass Ihr jetzt auch in Wien einen Event macht?

Das geschah per Zufall: Eine Chinesin, die in Hamburg gewohnt hat und bei Cookasa-Events dabei war, ist aus beruflichen Gründen nach Wien gezogen. Außerdem hatten wir Anfragen aus Wien.

Wir haben jetzt eine Küche voll (Anm.: jeweils 8 Leute pro Küche). Das ist ein guter Start. Eine Runde Spaß. Wir wissen, wenn wir in einer Stadt starten, können nicht von Anfang an 50 Leute wie in Stuttgart dabei sein. Zwei Küchen wären super!

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Gibt es Pläne, auch andere österreichische Städte aufzunehmen?

Aus Eigeninitiative haben wir keine weitere Stadt geplant, aber wenn sich jemand meldet, der das in Graz oder Linz machen will - gern. Wir planen als Nächstes nach Amsterdam zu gehen, weil die Holländer ohnehin kochverrückt und offener sind, Menschen in ihre Küchen zu lassen. Und dann kommt vielleicht der Rest von Skandinavien dran ...

Danke für das Gespräch und viel Glück beim Cookasa-Start in Wien!

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