Codes im Zeugnis

Bei der Bewerbung können Dienstzeugnisse eine entscheidende Rolle spielen. Obwohl diese nichts enthalten dürfen, das einem die Suche nach einer neuen Stelle erschweren könnte, ist dies oft der Fall. Wir entschlüsseln für sie die Geheimsprache in Dienstzeugnissen.

Eindeutige Formulierungen wie "Wir können den Arbeitnehmer nicht empfehlen" oder "Sie baute einen Unfall nach dem anderen" sind in Dienstzeugnissen selten. Dafür verstecken sich in Dienstzeugnissen häufiger Negativ-Botschaften hinter vermeintlich positiven Formulierungen.

  • Die Mitarbeiterin hat sich stets bemüht

Darunter ist zu verstehen, dass sie sich zwar bemüht haben, das Ergebnis jedoch fraglich ist.

  • Beim Projekt XY hat sich die Mitarbeiterin mit ganzer Kraft eingesetzt.

Diese Formulierung lässt die Vermutung zu, dass Sie sich nur bei einem Projekt ins Zeug gelegt haben.

  • Die Mitarbeiterin hat sich im Rahmen ihrer Fähigkeiten eingesetzt.

Darunter könnte man verstehen, dass der Rahmen so eng war, dass nur für wenige Fähigkeiten Platz war.

  • Die Mitarbeiterin hat sich stets als integrative, kommunikationsstarke Persönlichkeit ins Team eingebracht.

Das suggeriert, dass sie vor lauter Plaudern kaum mehr zum Arbeiten gekommen sind.

  • Die Mitarbeiterin verfügt über Fachwissen und zeigt großes Selbstvertrauen.

Gemeinhin versteht man darunter: Große Klappe, wenig dahinter.

  • Die Mitarbeiterin hat die übertragenen Arbeiten ordnungsgemäß erledigt.

Diese Formulierung lässt erahnen, dass Sie die Arbeiten zwar ordnungsgemäß erledigt haben, aber sonst nur wenig Eigeninitiative gezeigt haben.

  • Die Mitarbeiterin war stets mit Interesse und Begeisterung bei der Sache.

Das klingt zwar gut, Euphorie allein ist jedoch kein Erfolgsgarant.

  • Die Mitarbeiterin trug durch ihre Geselligkeit zum guten Betriebsklima bei.

Auch mit dieser Formulierung wird ausgesagt, dass Sie viel tratschen.

  • Die Mitarbeiterin setzte sich insbesondere für die Belange der Belegschaft ein.

Diese Formulierung sagt aus, dass Sie sich nichts gefallen lassen.

Zeugnis überprüfen lassen

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob sich in ihrem Dienstzeugnis Negativ-Botschaften verbergen, können Sie es von der Arbeiterkammer überprüfen lassen. Sollten sich darin tatsächlich Geheimcodes verbergen, können Sie Ihr Recht auf ein korrekt ausgestelltes Dienstzeugnis geltend machen. Je nach Kollektivvertragsregelung ist dies bis zu 30 Jahre rückwirkend möglich.

Dienszeugnisse dürfen die Suche nach einem neuen Job nicht erschweren.

Selbst hinter noch so positiven Formulierungen können sich Negativ-Botschaften verbergen.

Bei der Arbeiterkammer können Sie Ihr Dienstzeugnis überprüfen lassen.

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