CLUB-DENKEN. Karen Müller über Abgründe

Ist eine Frau was Besseres, wenn sie Mutter geworden ist? Nein. Aber wenn sie gerade neidig auf die Freiheit der Kinderlosen ist, hilft dieser Gedanke.

Ist eine Frau was Besseres, wenn sie Mutter geworden ist? Nein. Aber wenn sie gerade neidig auf die Freiheit der Kinderlosen ist, hilft dieser Gedanke.


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Das Lächeln von ihr war herzlich, und doch hatte es so eine seltsame Nuance, einen leicht schiefen Zug, der meine Kopfhaut kribbeln ließ. „Willkommen im Club der Mütter!“, sagte N., meine langjährige Freundin. Grins. Tätschel. Wir schrieben den Herbst ‘97, ich hatte mein erstes Baby im Arm und keinen Schimmer, was hier eigentlich gespielt wird.

Heute, nach zehn Jahren im Club, kenn’ ich mich aus. Kenne die Abgründe zwischen Müttern und Nicht-Müttern, die kleinen, dunklen, fiesen Gefühle, die man tunlichst unter einem Lächeln, dick wie Zuckerguss, versteckt. Also ich weiß jetzt zum Beispiel, dass N. (die auch meine Nachbarin war), mich sonntags immer am meisten gehasst hat. Weil sie, gleich alt wie ich, mit ihren zwei Kleinkindern schon ab halb sieben im Vollbetrieb rotierte, während ich mich in meinem Bettchen bis zum frühen Nachmittag von ­Partys, Raves und Liebesnächten erholte. Ahnungslos, wie ich damals war, bin ich nach dem Aufstehen immer zu ihr rübergegangen und hab mir – gähnend – einen Kaffee servieren lassen. Gut möglich, dass ich dann auch fallweise über Clubbings oder Lover gelästert und zu ihr Dinge gesagt hab wie: „Ach, du hast es gut, mit deiner Familie, so gemütlich hier, sparst dir das ganze blöde Rumgerenne in der Nacht.“
(...)

Mehr über die neidvollen Abgründe, die sich zuweilen zwischen Müttern und Nicht-Müttern auftun, können Sie im Oktober in Ihrer WIENERIN lesen.




Kind oder kinderlos? Am besten das lieben, was man hat.

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