Clemens Haipl über: Nasenhaare

Sagen wir mal so: Es ist gesellschaftlicher Konsens, dass glatte Damenbeine besser aussehen als behaarte, dass Wildwuchs in Achselhöhlen nicht so gut kommt ...

... und dass andererseits Männer oft besser wirken, wenn sie mit Messer und Gabel essen, sich duschen und zum Schlafen von den Bäumen herunterkommen. Das kann man alles als reaktionär, unnatürlich und einengend kritisieren, weil es das, objektiv betrachtet, auch ist. Trotzdem einigen wir uns darauf, dass es einen Sinn macht (darum auch: Konsens).

Ich weiß nicht, ob es ein passender Vergleich ist, aber wenn aus welchen Gründen auch immer frau meint, ihre Körperhaare sprießen lassen zu müssen – ist das dann vergleichbar mit einer wallenden Abendfrisur, die mir aus den Nasenlöchern ragt? Darf ich dann büschelweise Haare aus den Ohren, am Rücken haben? Überall, nur nicht am Kopf? Das würde mir sehr gut gefallen. Ich fühle mich nämlich schon länger als Mann unterdrückt vom Diktat der Konventionen und habe das dringende Bedürfnis, ein gesellschaftliches Statement zu setzen. Na ja, nicht wirklich. Aber im Ernst: Nasenhaare sind – Natur hin oder her – grausig. Auch wenn sie noch so nützlich sind und ganz viele böse Schmutzpartikeln filtern: Haare, die aus Körperöffnungen wachsen, sind ein Zeichen von Alter und riechen nach Friedhof. Mag ich nicht. Da schon lieber glatte Brust und Geruch von Babyöl. Nutzt aber eh alles nichts.

Behaarte Brust habe ich nämlich auch noch. Ich bin generell gut ausgerüstet, was Behaarung anbelangt und überlege jedes Jahr, ob ich mir nicht ein schickes Muster in die Brusthaare rasieren sollte. Burberry Style oder eine schlichte Kravattensilhouette. Wegen der Nasenhaare: Die soll man nicht auszupfen, weil das einerseits wehtut (bei anderen, mir nicht – ein Indianer kennt keinen Schmerz) und andrerseits zu Entzündungen führen kann. Au! Da schon lieber mit einem professionellen Nasenhaarentferner. Da wüsste ich allerdings gern, wie die ersten Modelle ausgesehen haben. Waren die zimmergroß? Dieselbetrieben und sehr teuer? Nur den obersten Zehntausend vorbehalten? Wie das halt so ist, bei den ersten Staubsaugern, Computern, Waschmaschinen und ... eben vermutlich Nasenhaarentfernern.

Ich hätte auch gern gesehen, wie der Erfinder seiner Frau erklärt hat: „Du, Schatz, ich gehe jetzt ins Labor und arbeite an meinem Nasenhaarentferner. Die sieben Kinder und du, ihr braucht euch keine Sorgen zu machen. Wir werden reich.“ Die Frau lächelt und lässt ihn walten. DAS ist wahre Liebe! Und darum geht es ja letztlich. Umarmen Sie bitte jetzt jemanden in Ihrer Nähe und seufzen Sie erleichtert. (Und dann überprüfen Sie heimlich, ob er/sie Körperhaare hat. Iiih!) Ach ja: alles Liebe, toi, toi, toi und auf Wiederschaun.

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