Clemens Haipl über: Männer, die tanzen

Ich habe mir auf dem Weg zur Tanzschule die Bänder im Knöchel gerissen. Mit Gips kann man nicht gut tanzen. Nicht einmal tanzen lernen. Also habe ich es auch nicht getan.

Der Liegegips hielt das Tanzbein vom Schwingen ab und so ging der Tanzkurs nach nur 3 Abenden ohne mich weiter. Leid hat mir nur daran getan, dass mir die schöne blonde Unbekannte aus der Tanzschule auch weiterhin unbekannt geblieben ist. Aber Tanzen? Nö. Nicht so super. Gut, Pogo und lüsternes Zucken im schummrigen Diskothekenlicht (samt lauter Hottentottenmusik und Haschischspritzen).

Das habe ich schon immer wieder getan und mir wurde glaubhaft versichert, dass ich dabei verboten gut aussehe. Aber was das „klassische“ Tanzen anbelangt: Ich habe mich sowieso noch nie getraut, Ladys anzusprechen.

Warum sollte ich es dann ausgerechnet beim Tanzen tun? „Guten Tag, ich kann zwar nicht tanzen, aber dürfte ich Ihnen meine schweißnassen Hände an Schulter und Rücken legen und dabei ungelenk zum Beat der Kapelle wippen?“ Und: Wie soll ich einen 5- minütigen Tanz überstehen? Worüber spricht man da? „Herrliches Ballkleid.“ – „Danke.“ (Schweigen.) „Öfters da?“ – „Einmal im Jahr.“ (Schweigen.) „Ist das ein Pickel auf Ihrem Rücken?“ – „Weiß nicht.“ (Schweigen.) Tanz vorbei. Na ja, da sitze ich doch lieber mit meinen Freunden abseits der Tanzfläche und schaue, dass die Gastronomie in Schwung bleibt. Muss ja auch wer machen. Gerade und vor allem in Zeiten der Krise.

Apropos: Dancing Stars habe ich selbstverständlich auch nie angesehen. Versucht habe ich es schon. Aber es hat mir erhebliche körperliche Schmerzen beschert. Ich habe es gerade noch rechtzeitig geschafft, den Sender zu wechseln, bevor ich in einen schockartigen Zustand gefallen wäre und mir wie das Kaninchen vor der Schlange die ganze Sendung hätte ansehen müssen. Bei vollem Bewusstsein, aber stocksteif und unfähig, etwas an der Situation zu ändern. Der Adrenalinflash lässt in solchen Fällen das Sprachzentrum versagen, das Gehirn unterscheidet nach einem Jahrtausende alten Schema nur mehr zwischen zwei Optionen: Flucht oder Kampf. Mir gelang Ersteres. Glück gehabt.

Ich empfinde nicht einmal Schadenfreude, wenn gelackte Affen in peinlichen Verkleidungen über das Parkett sausen und dabei schlechtere Musik als nötig ertönt. Es ist eher Fremdschämen und das verzweifelte Grübeln darüber, warum Gott so etwas zulässt. Beziehungsweise was für einen tieferen Sinn dieses unwürdige Treiben für den Fortbestand unserer Art wohl haben mag. Werden so die gesunden von den eher nicht so fortpflanzungswerten Männchen aussortiert? Also hat Mutter Natur das so ge plant, dass die Ausschussware mit Tanzen beschäftigt gehalten wird, damit sich die guten Exemplare abseits paaren können? Das würde Sinn machen, ist aber unwahrscheinlich. Ich müsste den prominenten Zoologen Antal Festetics fragen, aber der hebt nicht ab.

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