Clemens Haipl über: Internet-Pornos

Internet-Porno“ ... sagt mir jetzt nichts ... da müsste ich nachschauen ... ich google vielleicht einmal ... ah, jetzt hab ich’s wieder ... weiß schon, ja, ja. Internet-Porno, natürlich... habe zuerst was ganz anderes verstanden.

Internet-Porno, das ist doch das, wofür Pop-up-Blocker erfunden wurden, und die Möglichkeit, den Verlauf in jedem Browser zu löschen – man teilt ja dann doch ungern. Wahrscheinlich wäre das Internet sonst als solches noch heute ein Netzwerk von fünf Computern in einem Universitätslabor, wo bebrillte Supernerds Zahlen hin- und herschicken. Seien wir zur Abwechslung mal wieder ehrlich: Die Webseiten vom Magistrat Wien und clemenshaipl. at allein haben das Internet nicht zu dem gemacht, was es heute ist. Ohne illegale Downloads und saftige Bildchen fallen da schon mal potenzielle 50 % User weg. Früher, als es noch Videokassetten gegeben hat (das war vor den DVDs, die es auch kaum mehr gibt, weil es ja jetzt Downloads und Festplatten gibt), da hat sich VHS gegen das technisch weit überlegene Video-2000-Format durchgesetzt. Und warum? Weil die kalifornische Pornoindustrie ihre Problemfilme auf VHS vertrieben hat. Und heute gedeiht das Internet, weil es so viele Menschen gibt, denen man zusehen kann, wenn sie nackig sind und sich lieb haben. Was soll’s? Sex sells. Sogar besser als alle technischen Argumente. Das Angebot ist zumindest breitgefächert – gäbe es beim Eissalon ähnlich viele Sorten, hätte ich ein Problem bei der Wahl. Man lässt die Filme halt nicht bei Familien feiern im Hintergrund laufen. Es gibt zwar niemanden, der Internet-Pornos schaut (nein, ich natürlich auch nicht), aber das dürfte ein ähnliches Phänomen wie „ Musikantenstadl“ oder „Villacher Fasching“ sein: Keiner hat’s gesehen, trotzdem Topquoten. Man darf sich problemlos und überall Fotos von zerfetzten Soldatenleichen anschauen, aber wenn die argen Damen mit den schönen Künstlernamen am Werke sind, dann klickt man doch schnell woanders hin, falls sich jemand dem PC nähert. Habe ich gehört. Was die wenigsten wissen: Ich selbst war in meiner Jugend ein sehr populärer Pornostar. Genannt „Climax Hyper“, galt ich als animalisch, aber doch sanft. Na ja, ich war jung und hatte zu viel Geld. Ich habe dann meine Karriere beendet, weil mir die Arbeit zu hart geworden ist. „Zu hart“ – na, klingelt’s? Egal: Dass die meisten Frauen „Iih!“ und „Grauslich!“ sagen, wenn sie denn doch über Internet-Pornos stolpern, braucht nicht weiter zu verwundern. Erstens sind sie meistens „iih“ und „grauslich“, zweitens nicht für Frauen gemacht. Man erwartet ja auch nicht, dass sich Männer „Austria’s Next Topmodel“ ansehen oder miss lesen. Gut, dass man das von Frauen erwartet, finde ich wechselweise sexistisch, anmaßend oder traurig – aber zumindest ist die Absicht erkennbar, für wen das Ganze gut sein soll. Wie eben bei Pornos. Da geht es nicht um die Dialoge, nicht um die Handlung, und sie sind meistens für Männer gemacht. Angeblich, weil nichts Genaues weiß man ja nicht. Hüstel.

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