Clemens Haipl über: Hasenjagd

Sprechen wir’s gerade heraus an: Ich tue mir schwer mit dem Ausdruck „Hasen“. Nicht generell, aber im Zusammenhang mit Frauen. Bei großer Vertrautheit enfleucht mir bisweilen ein „Maus“, im Vorbeigehen soll mir schon die eine oder andere „geile S..“ entkommen sein, aber von einer Frau als „Has“ zu sprechen. Nein, tut mir leid. Das geht nicht.

Noch schlimmer als „Has“ ist nur „a Spitzenhas“ – vorgetragen mit leichtem Schönbrunner Einschlag und in Hilfiger- / Lauren-Pullover gewandet. Brrr, es beutelt mich. „Scharfes Gerät“, „fesche Gretel“, meinetwegen die „geile S..“ ... aber: „a Spitzenhas“ samt daraus resultierender „Hasenjagd“ kommt mir nicht ins Haus. Dann schon lieber echte Hasen: Ich habe als 5-Jähriger einen Hasen gehabt. Er war schwarz-weiß, aus dem Burgenland und hat Kasimir geheißen. Gerne hoppelte er durch Großelterns Garten, schnupperte keck an der einen oder anderen Blume, reckte sein Näschen in die laue Frühjahrsluft und buddelte behände Knollen und Wurzeln aus dem Erdreich. Mein Großonkel war deutlich älter, eher grau, aus Wien und hat Anton geheißen. Er hat Kasimir zackig das Genick gebrochen, ihn in der dafür vorgesehenen Art zubereitet und dann verspeist. Kasimir hätte nicht Großonkels Blumenzwiebeln ausgraben sollen. Wer zwei Weltkriege erlebt hat, lässt sich ungern im eigenen Garten von einem domestizierten Nagetier verarschen. Ich spreche diese Worte mittlerweile gelassen aus, gebe aber zu: Damals, im Angesicht des Kadavers meines Exfreundes Kasimir, war mir nicht zum Scherzen zumute. Ich habe ihn dann auch konsequenterweise nicht gekostet. Macht man nicht unter Freunden.
War jedenfalls eine Art Hasenjagd – auch wenn sie nicht lange gedauert haben dürfte. Wenig überraschenderweise ist sie mir wenig bis gar nicht lieber als die erstgenannte Art der Hasenjagd. Bleibt noch die Jagd nach Schokolade hasen. Die ist wohl das Dümmste überhaupt. Kaum hat man sein Lebendgewicht mittels Schokolade Nikoläusen verdoppelt und per demütigender Fastenkur wieder halbiert, gibt man sich erneut die Kante.
Namentlich zu Ostern mit Schokolade, Eiern und Osterschinken. Eine unheilige Allianz: Schokolade macht dick, pickelige Haut und die violetten Kühe werden sicher nicht artgerecht gehalten. Eier fördern eine Verdauung, die keine Freunde mit Geruchssinn schafft, und Schinken ist nichts anderes als eine ehemalige Kuh. Also eine Art Kasimir, im weitesten Sinn. Ein Freund, der gegessen wird. Nicht, dass ich Vegetarier bin – im Gegenteil: Ich bin durchaus dafür, dass sich der Mensch die Erde untertan macht und alles aufisst, was sich auf ihr bewegt. Aber die Karwoche ist eh schon grausig genug, da muss man neben frommen Lämmern, unschuldigen Hasen und gefärbten, ungeborenen Pipihenderln nicht auch noch eine Rinderfamilie unglücklich machen.
Die gehen nämlich nicht in die Kirche und glauben nicht, dass irgendwer am dritten Tage aufersteht. Können nicht einmal die Hände falten, weil sie Paarhufer sind. In dem Sinne: urbi et orbi, alles Liebe und toi, toi, toi!

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