City Trip Tiflis: Auf gen Osten!

Sinnlich, rau und voller Gegensätze: Georgiens Hauptstadt Tiflis zählt ohne Zweifel zu den spannendsten Reisezielen des Jahres. Ein Besuch in der Trendmetropole am Kaukasus.

Tiflis sei das neue Berlin, heißt es. Wer Georgiens Hauptstadt jedoch tatsächlich bereist, weiß spätestens nachdem er bei einer Seilbahnfahrt zur Statue Kartlis Deda, der „Mutter Georgiens“, den nötigen Weitblick gewonnen hat: Diese Stadt gleicht keiner anderen. Und genau das macht die Metropole am Kaukasus mit ihren 1,08 Millionen EinwohnerInnen so interessant. Tbilissi, wie man Georgiens Hauptstadt in der Landessprache nennt, legt sich einem nicht einfach zu Füßen. Die Stadt will – mit all ihrem Charme, aber auch ihren großen Widersprüchlichkeiten – entdeckt werden.

Avantgarde und Ostalgie

Malerisch wirken die Paläste im Stil des osmanischen Barock, die trist-schönen Sowjetbauten und die vielen kleinen, traditionellen Häuschen mit ihren verschnörkelten Holzbalkonen zwischen neumodischen Hochhäusern. Doch das Stadtbild zeugt nicht nur vom üppigen kulturellen Erbe des Landes, sondern auch von Eroberungen und Kriegen. Es ist eine Zerrissenheit, die bis heute in sämtliche Lebensbereiche nachwirkt: Eine Generation junger GeorgierInnen, deren Aufgeschlossenheit, Kreativität und Lebenslust an jeder Ecke spürbar ist, steht hier einem konservativen Staat gegenüber, der Minderheiten systematisch diskriminiert. Die größer werdende Aufmerksamkeit des Westens könnte ihr Land zum Besseren verändern, sind viele hier überzeugt. Dass es sich lohnt, die ausgetrampelten Touripfade von Berlin und Co in Richtung Osten zu verlassen, steht jedenfalls fest.

Reise-Tipps für einen Trip nach Tiflis

Anreisen: Fluglinien wie Turkish Airways oder Ukraine Air fliegen täglich mit Zwischenstopp von Wien nach Tiflis. Direktflüge ab Wien gibt es momentan keine.

Wohnen: Einst wurden hier Zeitungen gedruckt, heute findet man in den imponierenden Hallen des Stambaein Designhotel. Ab ca. € 200,– pro Person und Nacht.
Das hippe Tiflis trifft sich rund um das Hostel Fabrikazum Essen, Shoppen und Feiern. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es ab ca. € 10,–.

Essen: Georgien ist nicht nur für seine hervorragende Küche, sondern auch für seine Weine bekannt. Bei Keto & Kote im Stadtviertel Vera wird beides in feinster Qualität serviert (3, Toradze Street). Die besten (und üppigsten) Torten der Stadt gibt’s im hübschen Café Marjanishvili 8, direkt neben dem gleichnamigen Theater (8, Marjanishvili Street).

Shoppen: Nini Nebieridze betreibt den über dem Stamba-Hotel gelegenen Concept-Store Chaos. Sehr international und zeitgeistig! Tiflis’ Modeszene gilt als eine der blühendsten und spannendsten überhaupt – zu Recht, wie ein Besuch in Nino Babukhadias Atelier / Store beweist (29, Irakli Abashidze Street).

Anschauen: Tiflis lässt sich am besten zu Fuß erkunden, z. B. bei einem Spaziergang von der Rustaveli-Allee über den Freiheitsplatz bis hinauf zur Sameba-Kathedrale.

Ausgehen: Feiern ohne Rassismus oder Homophobie: Das Bassiani – für viele einer der wichtigsten Technoclubs der Welt – liegt hinter Gate 18 im Keller eines Fußballstadions.

 

Aktuell