Christl Clear: Korsett & Feminismus? Passen sehr wohl zusammen!

In Zeiten des intersektionalen Feminismus feiern Mieder ein Comeback. Das schreit nach Themenverfehlung – ist es aber nicht!

Christl Clear über Mieder und Korsagen

Bevor ich mein erstes handgefertigtes Korsett bekommen habe, dachte ich auch, dass Oberteile, die dazu dienen, den Oberkörper zu verformen, ein absolutes No-Go sind. Dafür habe ich viel zu ­viele Filme gesehen und ­Geschichten gehört, bei denen Frauen und Männer (!) ob der viel zu engen Schnürung in Ohnmacht gefallen sind.

Ich war also sehr skeptisch, wenn nicht sogar hochgradig ­kritisch, weil mithilfe von Miedern schon im 16. Jahrhundert Schönheitsideale verherrlicht wurden, die schlicht und einfach nicht natürlich sind. Aber ich wurde eines Besseren belehrt und finde das Comeback jetzt irgendwie ganz cool.

Kleidung, die die Haltung bewahrt

Was ich zum Beispiel nicht am Radar hatte, ist, dass viele Frauen zum Korsett greifen, weil es ihren Brüsten Halt gibt, ohne ihre Schultern und ihren Rücken zu belasten – Dinge, die ich von Barbara gelernt habe, einer Designerin, die unter dem Label Royal Black Couture schon Korsetts angefertigt hat, die es auf interna­tionale Bühnen geschafft haben.

Wenn man mich fragen würde, handelt es sich bei den Kleidungsstücken, die sie anfertigt, um Kunst. Aber mich fragt ja keiner. Jedenfalls habe ich von ihr auch gelernt, dass Korsagen eher weich und ohne Stäbe genäht werden. Sie verformen den Körper optisch nicht und sind somit mehr ein modisches Statement. Das, was also jetzt gerade en vogue und überall in den verschiedensten Farben und Formen erhältlich ist, sind Korsagen.

Ich style meine Korsage übrigens unterschiedlich: Manchmal trage ich nichts darunter, manchmal ein T-Shirt und ab und zu auch einfach eine lange Bluse. Und es ist jedes Mal ein Hin­gucker.

Der feine Unterschied

In Korsetts werden hingegen stabile Stäbe eingenäht, die allerdings so flexibel sind, dass sie sich mithilfe von Schnürungen dem Körper anpassen, wobei auch eine Wespentaille entste-hen kann. Sowohl Korsagen als auch Korsetts werden auch gerne als Unterwäsche getragen.

Was ich mit dieser Kolumne eigentlich sagen möchte, ist, dass es nicht schaden kann, ein stylishes Mieder im Kasten zu haben; egal, ob’s dabei hilft, Rückenschmerzen zu vermeiden, oder ob es ein cooles Piece im Kasten ist, das man vielseitig kombinieren kann.

Korsagen und Korsetts sind cool – und schon lange nicht mehr da, um toxische Schönheitsideale aufrechtzuerhalten.

 

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