Christl Clear: Fair Fashion … not!

Gleiches Recht für alle? Definitiv nicht in der Modeindustrie.

Christl Clear: Fair Fashion … not!

Das liest sich jetzt ein bisschen merkwürdig, jedoch setzt sich, wenn auch langsam, das Kopftuch als Trend­piece durch. Immer wieder hat man It-Girls auf den Straßen der Modemetropolen in Looks posieren gesehen, die ihre Urli-Omas stolz gemacht hätten. Stylishe Outfits, getoppt durch ein umgebundenes Kopftuch, wie man es sonst nur von den Großmüttern kennt, fallen plötzlich unter "Fashion forward". Aber wieso braucht es eine meist weiße Fashionista, um etwas akzeptabel zu machen, das für viele muslimische Frauen Alltag ist und wofür sie regelmäßig diskriminiert und kritisiert werden?! Keine Sorge, es ist nur eine rhetorische Frage, die sich aber leicht mit einem Wort beantworten lässt: Diskriminierung. Traurig, aber wahr – und dementsprechend notwendig zu thematisieren.

Kopftuch ist nicht gleich Kopftuch

Es bleibt allerdings nicht beim Kopftuch. Dort, wo diese Art von Ungerechtigkeit herkommt, gibt es noch mehr. Harry-Styles-Looks in etwa: Das ehemalige Boyband-Mitglied liebt es, sich in geschlechtsneutrale Mode zu hüllen – eine Rüschenbluse hier, ein Tüllrock da, ein Spitzenkleid dort, ein bisschen Nagellack zum Drüberstreuen, und schon wird ­Harry Styles als Stilikone gefeiert, die die Fashionindustrie revolutioniert.

Und obwohl man dem Briten nicht absprechen kann, dass er in seinen Looks fabelhaft aussieht, sollte man nicht außer Acht lassen, dass vor ihm schon viele queere Männer Röcke, Kleider, Nagellack und viele andere Dinge getragen haben, die gesellschaftlich ge­sehen nur für Frauen bestimmt waren. Dafür in den Himmel gelobt werden sie dafür allerdings nie – ganz im Gegenteil.

Frauen, die einen Hijab tragen, werden oft diskriminiert; jene, die ihn als Trendpiece tragen, gelten als stylish. Fair ist das nicht.

von Christl Clear, Bloggerin und WIENERIN-Kolumnistin

The category is Fairness!

Billy Porter zum Beispiel. Der US-Schauspieler hat lange vor Harry Styles nonbinäre Mode getragen und wurde dafür nicht selten belächelt oder gemobbt. Man kann natürlich behaupten, dass es ein Zufall ist oder dass sich die Zeiten geändert haben – man könnte sich aber auch einfach ein­gestehen, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht und dass sich die Zeiten zwar geändert haben, aber dass trotzdem nicht alle dieselben Privilegien genießen.

Denkt also an diese Kolumne, wenn mal wieder jemand, der*die normschön ist, für etwas gelobt wird, wofür Personen, die einer Minderheit angehören, sonst kritisiert, belächelt oder sogar verfolgt werden. Je mehr Menschen solche Fehler in unserer gesellschaftlichen Matrix anerkennen und thematisieren, desto schneller können alle ein Leben führen, das sich für sie richtig anfühlt.

 

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