Christl Clear: Es ist an der Zeit, Dresscodes zu knacken!

Kleidervorschriften sind der Stoff, aus dem meine Albträume gemacht sind. Gerade deswegen widme ich mich ihnen diesen Monat.

Christl Clear: Es ist an der Zeit, Dresscodes zu knacken!

Meine Freundin J. ist 36 Jahre alt, Mutter, beruflich das, was man unter erfolgreich versteht - und arbeitet für ein Unternehmen, das ihr vorschreibt, was sie im Büro tragen darf und was nicht. Zugegebenermaßen nicht nur ihr, sondern auch ihren Kolleginnen und Kollegen, was die ganze Sache nur ein bisschen weniger absurd macht.

Knielange Röcke und Strumpfhosen oder langärmlige Hemden und lange Hosen sind das Mindeste - egal, bei welchen Temperaturen. Um ehrlich zu sein, wundert es mich, dass sich das alle gefallen lassen und niemand aufmuckt.

Dress up - aber bloß nicht im Büro!

In einer Zeit, in der Individualität, Akzeptanz und Toleranz omnipräsent sind, gibt es noch viel zu viele Berufsgruppen, in denen ebendas aufgrund der Dresscodes nicht zugelassen ist. Wobei man das ja nicht nur auf die Berufsgruppen beziehungsweise deren Führungskräfte schieben darf: Wir -die Gesellschaft - haben auch unseren Beitrag dazu geleistet.

Ich meine, stellt euch mal vor, dass eure Anwältin euch in sexy Slipdress und Combat-Boots vertritt oder euer Bankangestellter euch im Batikshirt den Kredit freigibt. Ungewohnt, oder? Manche würden sogar behaupten, dass das unprofessionell sei, auch wenn diese Aussage in Wahrheit sehr oberflächlich ist.

Auffällig ist ungleich unseriös

Dass wir gewisse Outfits -(Hosen-)Anzüge, Hemden, High Heels etc. - mit Seriosität in Verbindung bringen, liegt daran, dass wir so konditioniert wurden. Eine Juristin kann ihren Job in Doc Martens genauso gut machen wie in klassischen Pumps - die Juristin weiß es, ich weiß es, ihr wisst es; jetzt müssten wir es nur noch normalisieren. Und verinnerlichen, dass ein eintöniger Businesslook einem Menschen nicht mehr oder weniger Respekt verschaffen sollte. Ich verstehe schon, dass es Mut braucht, sich gegen Vorschriften aufzulehnen - ganz besonders als Frau. Aber Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

Versprecht mir, dass ihr die kleinen Schritte nicht unterschätzt, diese haben oft einen Rieseneinfluss. Falls ihr also ein Zeichen gebraucht habt, das euch dazu motiviert, euren Office-Look ein bisschen aufzupeppen, dann ist diese Kolumne das, worauf ihr gewartet habt. Tragt ruhig ein bisschen mehr Farbe und Muster, probiert neue Schnitte aus, und wenn ihr zu den Angestellten gehört, die Strumpfhosen tragen müssen, dann steigt zumindest auf Netzstrumpfhosen in eurem Hautton um. Euer Körper - allem voran eure Vulva - wird es euch danken.

 

Aktuell