Christine Nöstlingers Franz: Aus dem Bücherschrank ins Kino

Wer schon als Kind Mut aus Christine Nöstlingers Geschichten vom Franz geschöpft hat, erlebt seine Held*innen nun auf der großen Leinwand.

Drei Freund*innen mit Sonnenbrillen

Erwachsenwerden ist kein Zuckerschlecken – besonders dann nicht, wenn man für sein Alter etwas zu klein geraten ist und eine Piepsstimme hat. Probleme mit seiner Männlichkeit hat der neunjährige Franz: Er leidet darunter, ständig als Mädchen betrachtet und gemobbt zu werden. "Für ein Mädchen gehalten zu werden ist doch super! Es bedeutet nur, dass du zu schön bist für einen Buben!", bringt es die kluge Gabi, Franz’ beste Freundin, auf den Punkt.

Auch Franz’ Eltern halten nichts von geschlechterstereotypen Zuschreibungen: Weder die tröstenden Worte seiner Mutter (Ursula Strauss) - "Du bist gut und richtig, wie du bist!" – noch die kalorische Versorgung durch seinen backfreudigen Vater (Simon Schwarz) ändern aber etwas an Franz’ Vorsatz, sich mit dem YouTube-Tutorial des muskelbepackten Influencers Hank Haberer in einen "echten Mann" zu verwandeln…

Die WIENERIN traf Ursula Strauss und Simon Schwarz bei den Dreharbeiten.

WIENERIN: In der Buchvorlage erfährt man nur, dass der Papa vom Franz als Kind auch wie ein Mädchen ausgesehen hat und jetzt ein dicker Mann mit Bart ist…

Simon Schwarz:
(Lacht) Hm. Passt doch, oder? Im Film bin ich freiberuflicher Landschaftsgärtner im Homeoffice, der gerne bäckt.

Über die Mutter vom Franz weiß man nach der Lektüre der Bücher nicht allzu viel. Wie hast du die Figur angelegt?

Ursula Strauss: Liebevoll. In unserer Interpretation ist die Mutter vom Franz eine Frauenfigur, die mit ihrem Leben sehr zufrieden ist, ihre Kinder liebt und nicht overprotective ist. Sie weiß nämlich, dass es auch wichtig ist, den Kindern ihre eigenen Wege zu erlauben. Sie versteht ihren Mann und hat es leiwand mit ihm. Franz’ Mutter ist in unserem Film eine erfolgreiche Anwältin und bringt etwas mehr Geld nach Hause als ihr Mann, was ihn in seiner Männlichkeit aber nicht stört.
Kurz: Sie ist eine selbstständige, berufstätige, leiwande, entspannte Mutter, die alles irgendwie gut unter einen Hut kriegt – auch deshalb, weil der Vater ihrer Kinder viel zu Hause ist und Verantwortung übernimmt

Franz glaubt daran, dass man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann.

von Ursula Strauss

Was gefällt dir an den Geschichten vom Franz?

Ursula Strauss: Das Tolle daran ist, dass der Franz so eine mutige und fast lustvolle Sturheit an den Tag legt, weil er sich nicht damit zufriedengibt, dass Dinge so sind, wie sie sind. Er glaubt an Veränderung – und er glaubt daran, dass man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann. Das finde ich wirklich toll. Es ist ohnehin bei den Nöstlinger-Figuren so, dass sie wahnsinnig mutig sind und sich nicht so leicht zufriedengeben – das gefällt mir sehr gut.

Leinwand Abenteuer

Zwischen 1984 und 2013 berührten die Bücher Millionen Leser*innen - seit 14.4. trifft man Franz auch im Kino. Die "Geschichten vom Franz" sind alt, aber werden modern erzählt. Denn die angesprochenen Themen, wie Freundschaft, Vertrauen und Beziehungen, sind zeitlos.

 

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