Chrissie Hynde: Frauen sind Schuld an Vergewaltigungen

Auch 2015 werden solch dumme Aussagen noch getätigt. Aber man wünschte sich irgendwie, dass sie nicht von einer 63-jährigen Rocksängerin, die selbst Opfer sexueller Gewalt wurde, kommen würden.

Chrissie Hynde ist eine Rocklegende, die unter anderem als Frontfrau der britischen Rockband "The Pretenders" bekannt wurde. Am 8. September wird ihr Memoir "Reckless: My Life as a Pretender" veröffentlicht, in dem Sie von dem vielen Sex, den Drogen und dem Rock'n'Roll erzählt, der ihr Leben geprägt hat. Unter anderem spricht sie in dem Buch von einem Erlebnis, als sie als 21-Jährige von einer Motorrad-Gang zu einer Party eingeladen wurde. Sie akzeptierte die Einladung, wurde aber statt dessen in ein leeres Lager gebracht, wo sie unter Gewaltandrohung gezwungen wurde, Geschlechtsverkehr mit den Gruppenmitgliedern zu haben. "Ich übernehmen die volle Verantwortung dafür", schreibt sie. "Mit solchen Leuten sind keine Späße zu machen, vor allem wenn sie 'Ich liebe Vergewaltigung'-Buttons tragen."

"Die sind halt so."

Ein Journalist von der Sunday Times hat Hyndes darauf angesprochen, da ihn diese Selbstverschuldungs-Logik irritiert hat. Daraufhin bestärkt Hyndes ihr Argument: "Es sind Motorrad-Gangs! Sowas machen die halt. Wenn ich betrunken in Unterwäsche die Straße entlang laufe, wer soll sonst Schuld sein?"

Komm und fick mich!

Hyndes glaubt nicht, dass Sie mit ihren Aussagen sehr kontroversiell argumentiert: "Wenn ich mich anständig kleide und ruhig verhalte und jemand attackiert mich, dann würde ich sagen, dass es seine Schuld ist. Aber wenn ich mich provokativ kleide und sehr offenherzig verhalte, dann provoziere ich ja nur Männer, die ohneschon Probleme haben. Das ist Hausverstand! Wenn du dich sexy kleidest, etwas trägst, das sagt 'Komm und fick mich', dann solltest du schnell sein und besser keine High Heels tragen, mit denen man nicht rennen kann. Das ist doch keine kontroverse Aussage."

Unreflektierte Aussagen eines Opfers

Es ist allerdings nicht unüblich, dass Opfer von sexueller Gewalt Monate und Jahre brauchen, um über das Verbrechen hinwegzukommen und in Gedanken immer wieder grüblen "Was hab ich falsch gemacht? Bin ich daran schuld? Wieso ist mir das passiert?". Sarah Green, von einer Organisation gegen Gewalt an Frauen sagt gegenüber der Sunday Times, dass solche Gedanken eine einfache psychologische Reaktion sein können, um sich zu versichern, dass einem so etwas nicht mehr passieren wird, da man sich so die Kontrolle über eine Situation zuschreibt.

Gefährliche Täter-Opfer-Umkehr

Nichts desto trotz ist das für eine Frau mit medialer Aufmerksamkeit eine geführliche Aussage. Sie basiert auf der überholten Annahme, Männer seien aggressive, unkontrollierte Wesen, die nichts für ihr Verhalten können und schadet Opfern, die ohnehin schon mit Schuldgedanken zu kämpfen haben. Natürlich kann man Frauen ans Herz legen, sich nicht leichtfertig in gefährliche Situationen zu begeben, deswegen sind sie aber trotzdem niemals Schuld an ihrer eigenen Vergewaltigung.

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