Chefinnen sind in Österreichs Unternehmen weiterhin die Ausnahme

Gerade einmal 14 von 191 Vorständen in österreichischen börsenorientierten Unternehmen sind Frauen. Die Corona-Pandemie hat die Situation noch verschlechtert. Dabei zeigen Studien, dass weiblich geführte Unternehmen erfolgreicher sind.

Frauen unterhalten sich im Office

Das Beratungsunternehmen Ernst & Young ermittelt in regelmäßigen Abständen den Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder in börsengelisteten Unternehmen. Aktuell zeigt das sogenannte 'EY Mixed Leadership Barometer': Von 191 Vorständen sind nur 14 Frauen, also gerade einmal 7,3 Prozent. Jedes vierte Unternehmen erfüllt die Quote von 30 Prozent nicht.

Rückgang seit Anfang des Jahres

Anfang des Jahres belief sich der Frauenanteil in Österreichs Vorständen noch auf 7,7 Prozent. Als wäre diese Zahl nicht bereits erschreckend genug, verzeichnen wir nun sogar einen Rückgang. Wie kommt das? Bei gleichbleibender Zahl weiblicher Vorstände wurden neun zusätzliche Männer in die Führungsetagen aufgenommen.

Darüber hinaus ist nach wie vor in 45 von 58 börsenorientierten Unternehmen in Österreich gar keine Frau im Vorstand vertreten. Nur drei Frauen stehen als CEO an der Spitze: Herta Stockbauer bei der BKS Bank, Karin Trimmel beim Kräuterlikörhersteller Gurktaler und Elisabeth Stadler bei der Vienna Insurance Group. Keine einzige Vorständin gibt es in der Immobilien-, Automobil-, Rohstoff-, Telekommunikations- und Transport-Branche.

Ausgeglichenes Verhältnis erst 2073

Das Missverhältnis der Geschlechter in der Führungsriege macht deutlich, dass Frauen der Aufstieg in die Chef*innenetage nach wie vor schwer gemacht wird. Helen Pelzmann, Verantwortliche der EY-Initiative "Women. Fast Forward" sieht den Fehler bei unzureichender Unterstützung durch Politik und Unternehmen sowie in der Scheu von Unternehmen vor Veränderungsprozessen in den obersten Leitungsfunktionen.

"Wenn die Zahl der Frauen weiter im Tempo der letzten Jahre von unter einem Prozentpunkt steigt, wird es bis zum Jahr 2073 dauern, bis in den Vorstandsgremien 50 Prozent Frauen und 50 Prozent Männer sitzen", wird Pelzmann vom Kurierzitiert.

Tradition statt Wandel

Durch die geringe Zahl von Frauen in Vorstandspositionen würde laut Pelzmann die Symbolkraft weiblicher Führungskräfte verkannt: "Keine Frauen in den Vorstandsetagen sind ein starkes Indiz, dass es sehr wohl Aufstiegshindernisse gibt und Tradition anstatt Wandel, Aufbruch und Fortschritt gelebt wird."

Corona-Pandemie bringt Rückschritt

Covid19 habe laut Pelzmann zu einer Rückkehr zu traditionellen Rollenbildern und überholten Geschlechterstereotypen geführt. Vor allem Frauen haben sich in der Krise um Haushalt, Kinderbetreuung und Homeschooling gekümmert. Auch deshalb, weil sie öfter in Teilzeit arbeiten. Es sei die Aufgabe von Unternehmen spätestens angesichts einer derartigen Situation, die Vereinbarkeit von Job und Familie zu erleichtern und die Gleichstellung von Frauen voranzutreiben, so Pelzmann.

Angestellte in weiblich geführten Unternehmen zufriedener

Zeit, dass sich was ändert. Das zeigt auch die Wissenschaft: Studien belegen, dass weiblich geführte Unternehmen bzw. genderdivers besetzte Vorstände nicht nur wirtschaftlich besser performen, sondern auch für allgemein höhere Jobzufriedenheit und ein besseres Arbeitsklima sorgen. Wie die Employee-Success-Plattform Peakon durch die Befragung hunderter Angestellter weltweit herausgefunden hat, genießen Mitarbeiter*innen in weiblich geführten Unternehmen im Schnitt mehr Autonomie und sind mit Home-Office-Regelungen zufriedener. Auch können sie sich besser mit der Unternehmensstrategie identifizieren und sich leichter im Unternehmen einbringen.

 

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