Chefin in Karenz

Endlich sind Sie Ihre eigene Chefin und dann müssen Sie plötzlich kürzertreten aufgrund eines Unfalls, einer Krankheit oder Schwangerschaft? Die österreichischen Betriebshilfe-Vereine halten Ihren Chefsessel warm und den Laden am Laufen, bis Sie wieder einsatzfähig sind.

Was für ein Schaden entstehen kann, wenn eine Bank zusammenbricht, hat uns die letzte Wirtschaftskrise deutlich vor Augen geführt. Auch hierzulande kämpften viele selbstständig tätige Frauen um ihre Existenz - und viele haben es dank cleveren Krisenmanagements auch geschafft, ihr Geschäft (und die Mitarbeiter) unbeschadet durchzutragen. Umso erstaunlicher, dass nur die wenigsten für einen Notfall gerüstet sind, der viel wahrscheinlicher ist als ein erneuter Börsencrash. Auf die Frage, wer sich denn ums Geschäft kümmere, wenn sie selbst in die „Krise" geraten, sprich erkranken, von der Leiter fallen oder schwanger werden, hat jedenfalls kaum eine Chefin eine Antwort parat.


Notdienst. Ein „Wegen Krankheit geschlossen"-Schild kann jedenfalls schnell das Aus für einen Kleinbetrieb, wie einen Friseursalon oder Bioladen, bedeuten. Darum wurde 1994 der Verein Betriebshilfe für die Wirtschaft in Niederösterreich gegründet. Sonja Zwazl, heute Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich, schuf damit einen „Notdienst", der Geschäftsfrauen rasch und unbürokratisch hilft.

Fällt beispielsweise die Betreiberin einer kleinen Boutique wegen Krankheit aus, springt die Betriebshilfe mit einem Betriebshelfer ein, der stellvertretend die Führungsposition einnimmt - bei Bedarf auch während der Zeit der Rehabilitation. Grundsätzlich stellt der Verein einen fachlich qualifizierten Betriebshelfer. Die erkrankte Chefin darf aber auch selbst einen Helfer vorschlagen, der bereits mit dem Betrieb vertraut ist und Mitarbeiter und Kunden kennt, wie z. B. einen ehemaligen Lehrling.

Alternativ unterstützt die Betriebshilfe das bedrohte Unternehmen auch finanziell. Kann der Betrieb zum Beispiel nur dann erfolgreich weiterlaufen, wenn ein wichtiger Teilzeit-Mitarbeiter während der Abwesenheit der Chefin voll beschäftigt wird (etwa weil nur er das notwendige Know-how hat oder Stammkunden keinen anderen Ansprechpartner akzeptieren würden), so schießt die Betriebshilfe Geld zu, um sein Gehalt zu finanzieren.


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Betriebshilfe in den Bundesländern
Burgenland, Tel. 059 09 07-26 23 oder 02682/625 31-2350.

Kärnten, Tel. 059 09 04-713.

Niederösterreich: Tel. 02243/347 48.

Oberösterreich, Tel. 059 09 09-3334 oder 0664/826 17 29.

Steiermark, Tel. 0316/601 11 35 oder 0316/60 04-526.

Salzburg, Tel. 0662/87 94 51-7245.

Tirol, Tel. 059 09 05-1370.

Vorarlberg, Tel. 05522/305-371 oder 05522/766 42-7841.

Wien, Tel. 01/514 50-1340 oder 05 08 08-2041.


Was sein muss. Da es sich bei der Betriebshilfe um einen Verein handelt, steht der gemeinnützige Gedanke im Vordergrund. Heißt: Es werden in der Regel nur Selbstständige und Klein(st)betriebe unterstützt. Dafür gibt es keine Einschränkungen hinsichtlich des Gewerbes. Um Betriebshilfe zu erhalten, müssen laut SVA folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Man muss (während der Inanspruchnahme eines Betriebshelfers) bei der SVA pflichtversichert sein.
  • Die Betriebshilfe muss der Aufrechterhaltung des Betriebs dienen.
  • Man muss wegen einer mehr als 14 Tage dauernden Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer Krankheit, eines Unfalls, eines Spitalsaufenthalts (Geburt) oder eines Reha-Aufenthalts ausfallen.
  • Betriebshilfe kann nur für maximal 70 Tage pro Jahr geleistet werden.
  • Das Gesamteinkommen darf nicht mehr als € 1.490,- Euro monatlich bzw. € 17.887,- jährlich betragen, Ausnahmen sind im Einzelfall möglich. Bei Betriebshilfe während des Mutterschutzes fallen die Einkommensgrenzen weg.

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