Chaos rund um Trumps Einreiseverbot für Muslime

Menschen, die seit Jahren in den USA leben, dürfen nicht mehr in ihre neue Heimat, Flughäfen werden blockiert, Passagiere sitzen in den Transitzonen fest: Donald Trumps Einreiseverbot für Muslime sorgt für Chaos.

Donald Trumps Pläne, Menschen aus sieben muslimischen Ländern gesetzlich an der Einreise in die USA zu hindern, hat für Verwirrung, heftige Proteste und eine Reihe gerichtlicher Schritte gesorgt.

Ein Fall von vielen: Junge Frau darf nach sieben Jahren in den USA nicht mehr einreisen

Die junge Nazanin Zinouri aus Teheran lebt seit knapp sieben Jahren in den USA, hat dort studiert und arbeitet nach ihrem Abschluss als Datenspezialistin. Ende Jänner wollte sie für drei Wochen in den Iran, um ihre Familie zu besuchen, und hatte alle nötigen Unterlagen bei sich, um Hin- und Rückreise ohne Probleme antreten zu können. Aber bereits wenige Tage nach Nazanins Ankunft trat Donald Trumps "Muslim Ban" in Kraft, jetzt sitzt die junge Frau in Dubai fest. Auf Facebook teilte sie ihre Geschichte, die bis dato rund 200.000 Mal geteilt wurde:

"Normalerweise schreibe ich keine langen Postings oder Kommentare jeglicher politischer oder religiöser Art.
Ich bitte vorab um Entschuldigung und ich erwarte nicht, dass meine Freunde diesen langen, langen Post lesen!!
Aber heute konnte ich es nicht länger zurückhalten. Der Freitag, der 20. Jänner 2017, begann wie jeder andere normale Tag. Ich freute mich auf meinen Trip nach Teheran. Schließlich sehe ich sie nur einmal im Jahr. Ich war aufgeregt und ängstlich zugleich. Ich sorgte mich um meinen kleinen Hund und konnte es gleichzeitig nicht mehr erwarten, meine Mom zu sehen ...
Es war eine Reise ohne besondere Vorkommnisse. Am Montag, nach rund 28 Stunden, war ich endlich da, erschöpft, aber so so glücklich. Wir waren alle glücklich. Ich aß Unmengen an leckerem persischem Essen und wollte tonnenweise Erinnerungen mit zurück in mein Leben in den USA nehmen. Aber das Glück währte nicht lange. am Mittwoch hörten wir Geschichten von neuen Regelungen, die die Einwanderungsbestimmungen für einige Länder, darunter den Iran, veränderten. Bald darauf lasen wir die ersten Informationen. Ich könnte daran gehindert werden, wieder einzureisen?!?! Das konnte nicht wahr sein. Ich würde mir davon nicht meine Reise verderben lassen. Aber dann wurde es so rasend schnell ernst. Bevor ich es überhaupt mitbekam, passierte es bereits. Obwohl ich meine Familie nicht verlassen wollte, buchte ich sofort ein Ticket für den nächsten Flug zurück. Nur wenige Stunden, nachdem das Dekret (von Donald Trump, Anm.) unterschrieben wurde, bestieg ich das Flugzeug und schaffte es bis nach Dubai. Nachdem ich 40 Minuten in der Schlange vor der Passkontrolle gewartet hatte und in das Flugzeug einsteigen wollte, wurde ich vom Personal aufgefordert, die Boarding Zone zu verlassen. "Aus Sicherheitsgründen wird Ihnen das Boarding verweigert." !!! Ja, nach fast sieben Jahren, die ich in den USA lebe, wurde ich ausgewiesen!!!
Niemand hat mich gewarnt, bevor ich wegflog, niemand kümmert sich darum, was aus meinem Hund oder meinem Job oder meinem Leben dort wird. Niemand sagt mir, was ich mit meinem Auto machen soll, dass immer noch auf dem Flughafenparkplatz steht. Oder mit meinem Haus und all meinen Sachen.
Sie haben es nicht mit Worten gesagt, aber mit ihren Taten - mein Leben zählt nicht. Alles, wofür ich in all diesen Jahren gearbeitet habe, zählt nicht.
Ich musste das einfach loswerden ..."

Nazanins Arbeitgeber hat mittlerweile die Crowdfunding-Kampagne "Let Naz in" erstellt, um die junge Frau wieder in die USA zurückzuholen.

Drei Iraner saßen auf Wiener Flughafen fest

Für drei Personen endete ihre Reise in die USA auf dem Flughafen Wien Schwechat: Wegen des von Donald Trump ausgesprochenen Einreiseverbots konnten ein älteres Ehepaar und eine junge Frau ihre Reise nach New York bzw. Chicago nicht fortsetzen und mussten Sonntagabend wieder in den Iran zurückreisen. Die Wartezeit mussten die Personen im Transitbereich verbringen, weil sie auf Grund eines fehlenden österreichischen Visums nicht in einem Hotel untergebracht werden konnten, wie Austrian Airlines-Pressesprecher Peter Thier gegenüber dem Kurier erklärte.

Proteste auf US-amerikanischen Flughäfen und bei den SAG Awards

Tausende Menschen gingen am Wochenende auf die Straßen und auf die Flughäfen, um gegen das Dekret zu protestieren, die Zufahrten zum internationalen Terminal des Flughafen von Los Angeles waren Sonntagabend blockiert.

Protestors Rally Against Muslim Immigration Ban At LAX

Bei den Sonntagabend stattfindenden SAG Awards und in den sozialen Netzwerken zeigten Prominente ihre Kritik an Trumps Politik offen: Ashton Kutcher machte seinem Ärger Luft und erzählte, dass seine Frau Mila Kunis mit einem Flüchtlings-Visum in die USA kam, "The Big Bang Theory"-Darsteller Simon Hellberg ließ sich auf dem Red Carpet der Awards mit einem "Refugees Welcome"-Schild fotografieren - zum Artikel auf wienerin.at.

Am Freitag, dem 27.Jänner 2017, unterzeichnete US-Präsident Donald Trump ein Dekret, nach dem Muslime aus dem Irak, dem Iran, Libyen, Somalia, Sudan, Syrien und dem Jemen für drei Monate nicht (mehr) in die USA einreisen dürfen. Das Verbot gilt nicht für Besitzer von Diplomaten-Visa und Mitarbeiter internationaler Organisationen.

Donald Trump selbst wehrt sich dagegen, seinen Beschluss als "Muslim Ban" zu bezeichnen, und spricht von "einem großen Erfolg".

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