Catherine Deneuve pocht auf "Freiheit zu belästigen"

Gemeinsam mit über 100 Frauen unterstützt die Schauspielerin einen Text, der in Frankreich für heftige Diskussionen sorgt.

"Vergewaltigung ist ein Verbrechen. Aber hartnäckiges oder ungeschicktes Flirten ist kein Delikt, und eine Galanterie auch keine chauvinistische Aggression", schreiben die Autorinnen eines heiß-diskutierten Textes gegen die #metoo-Bewegung, der kürzlich in der französischen Zeitung "Le Monde" veröffentlicht wurde.

Neuer Puritanismus dank #metoo?

Die Frauen warnen vor einem "Klima der totalitären Gesellschaft" und beklagen einen neuen "Puritanismus", der durch die #metoo-Welle in Frankreich Einzug gehalten hat.

Hinter dem Gastbeitrag stehen fünf französische Schriftstellerinnen, unter ihnen Catherine Millet, die mit dem Buch "Das sexuelle Leben der Catherine M." bereits 2001 für Schlagzeilen sorgte. Unterstützt wird der Beitrag von 100 Frauen aus Kunst, Wissenschaft und Journalismus - einer der bekanntesten Namen unter ihnen: Catherine Deneuve.

"Die Freiheit zu belästigen"

Es erinnert ein wenig an Nina Proll, was die Frauen in ihrem Text beklagen. Die österreichische Schauspielerin hatte im November kritisiert, man wolle "Männern verbieten, Avancen zu machen". Bei den Französinnen klingt das nicht viel anders.

Heute würden Männer "zur Kündigung gezwungen, deren einziges Vergehen es ist, ein Knie berührt oder einen Kuss erhascht zu haben", heißt es in dem Text. Die "Freiheit zu belästigen" sei "unerlässlich für die sexuelle Freiheit", stellen die Autorinnen fest und sorgen damit nicht nur bei Frankreichs Feministinnen für Empörung.

So erwiderte Marlène Schiappa, die neue Gleichstellungsministerin unter Emmanuel Macron, sie hätte noch nie von einem Mann gesehen, der wegen einer Knieberührung entlassen worden wäre.

Ähnlich "bestürzt" reagierte die Umweltministerin und ehemalige Präsidentschaftsanwärterin Ségolène Royal. Es wäre "schade", dass sich "unsere Grande Dame" Catherine Deneuve einer solchen Bewegung angeschlossen hätte.

In Frankreich löste die #metoo-Bewegung eine ähnlich heftige Debatte über sexuelle Belästigungen wie in den USA aus. Unter dem Hashtag #balancetonporc ("Verpfeif' das Schwein") schilderten Tausende Frauen ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung- und Missbrauch.

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