Carla Bruni im Interview

Der Job als First Lady ist Geschichte. Mit dem Album "Little French Songs" feiert Carla Bruni ihr Comeback als Musikerin – und geht zum ersten Mal auf Tournee. Die WIENERIN traf die sanfte Chansonnière in Paris zum Interview.

WIENERIN: Wie fühlt es sich an, nach vier Jahren als Frankreichs First Lady zurück im Musikbusiness zu sein?
Carla Bruni: Ich bin sehr, sehr glücklich darüber, nach einer Zeit, in der ich gewisse Einschränkungen hatte, in mein Leben als Musikerin zurück zu können. Das ist schließlich mein Job...

Was daran haben Sie am meisten vermisst?
Ich liebe es zu schreiben, diese ganz stillen Momente. Damit habe ich auch während der letzten Jahre nie aufgehört. Was ich wirklich vermisst habe, ist der komplette Prozess - vom Komponieren über das Aufnehmen bis zum Bühnenauftritt.

Auszug aus dem neuen Album: Video zu "J´Arrive A Toi"

Sie sind nun erstmals in Ihrer Karriere auf Tour...
Ja, ich glaube es selbst kaum. Ich meine, ich bin 46... „Erste Tour mit 46!" - das klingt doch ziemlich verrückt, oder?!

Waren Sie vor dem Tourneestart im Herbst 2013 aufgeregt?
Mehr als aufgeregt! Dass mir das Publikum zuhört... - allein die Tatsache, dass jemand losgeht und ein Konzertticket kauft, fühlt sich wie ein kleines Wunder an. Wissen Sie, mein Ehemann, mein Image als Première Dame... - das alles hätte die Wahrnehmung mir gegenüber als Künstlerin beeinflussen können. Aber die Leute kommen immer noch wegen meiner Musik - zum Glück!

Begleitet Sie Ihre Familie auf der Tour?
Meine Kinder sind zwar noch klein (Sohn Aurélien ist 12 , Tochter Giulia ist 2 Jahre alt; Anm. d. Red.), aber beide haben ihr eigenes Leben, an das ich mich anpassen muss und nicht umgekehrt. Ich kenne Künstler, die Ihre Kinder mit auf Tour nehmen. Ich bin da ein bisschen altmodischer. Hätte ich meine Kinder während der Tour ständig um mich, müsste ich mich in tausend Stücke teilen. Das tut ihnen nicht gut und mich würde es davon abhalten, mich auf das Singen zu konzentrieren.

Denken Sie darüber nach, wer Ihre Songs kauft und hört?
Ich stelle mir vor, dass die Leute meine Lieder in romantischen Situationen hören; wenn sie mit den Kindern im Auto sitzen oder am Abend aufs Sofa fallen. Es mag langweilig klingen, aber ich glaube, ich mache Musik für das ganz normale, alltägliche Leben.

Das klingt sehr bodenständig. Was erdet Sie?
Meine Kinder. Nichts bringt einen schneller zurück auf den Boden der Tatsachen als die Sorgen einer liebenden Mutter. Haben Sie Kinder?

Nein, noch nicht...
Oh, Sie werden sehen... Man bringt sie auf die Welt und plötzlich fühlt man diese unfassbare Verantwortung. Ich finde es beinahe gefährlich, ein Kind auf die Welt zu bringen.

Wieso das?
Weil das Leben richtig hart sein kann. Meine Ängste drehen sich immer um Menschen, die ich liebe - meine Familie, meine Kinder, alte Verwandte... Ich frage mich ständig, ob es ihnen gut geht und hoffe, dass ihnen nichts zustößt. Wissen Sie, ich mag es berühmt zu sein - das Rampenlicht gibt dem Leben eine gewisse Leichtigkeit. Aber am Ende sind wir alle gleich. Tragödien passieren in jedem Leben - dem kann keiner entkommen.

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Carla Bruni In Concert At Espace Carpeaux In Courbevoie

Es bedeutet Ihnen also nicht viel berühmt zu sein?
Doch, doch. Ich kann ich nicht genau sagen wieso, aber ich habe es lange förmlich gebraucht - Anerkennung mehr noch als Ruhm. Und ich denke wenn man Berühmtheit anstrebt, sollte man sich danach nicht beschweren. Du kannst nicht sagen: „Oh, ich will Ruhm - aber nur die angenehmen Dinge die damit zu tun haben." Berühmt zu sein heißt in der Öffentlichkeit zu stehen. Und das ist eben nicht immer angenehm.

Als Model und Musikerin stehen Sie seit mehr als zwanzig Jahren in der Öffentlichkeit. Ist es für Sie mit der Zeit einfacher geworden, mit diesen „unangenehmen Dingen", etwa negativer Kritik, umzugehen?
Nein! Ich hasse es Negatives über mich zu lesen! Und durch das Internet und seine Anonymität ist es noch ein bisschen schlimmer geworden. Wenn sich jemand über mich äußerst und seinen Namen darunter schreibt - dann ist das ok. Wenn sich jemand aber mit „Micky Mouse" unterschreibt, denke ich: „Hey, warum versteckst du dich hinter einem falschen Namen?" Unter seinem echten Namen beleidigt man Menschen nicht so schnell.

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Carla Bruni bei einem ihrer Konzerte im November 2013

Dann müssen Sie besonders erleichtert darüber sein, dass Ihr neues Album „Little French Songs" bei Kritikern und Fans gleichermaßen gut ankommt...
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich schätze konstruktive Kritik - auch wenn sie negativ ist. Ich lerne daraus, weil es nie gänzlich falsch ist, was ein Journalist schreibt. Klar tut es weh, wenn jemand meine Musik nicht mag. Aber ich denke dann: „Was soll's, irgendwie hat er recht - und abgesehen davon gibt es da draußen eine Menge Menschen, die meine Songs mögen." (lacht)

Stimmt es, dass Ihr neues Album Ihrem Sohn gewidmet ist?
Ich habe Aurélien das Album als eine Art Anerkennung gewidmet und um ihm verständlich zu machen, woran ich gearbeitet habe, wenn ich gerade nicht bei ihm war.

Wie gefallen Aurélien Ihre neuen Songs?
Naja, die Sache ist die... Er ist zwölf Jahre alt und er hört am liebsten Hard Rock, so was wie AC/DC oder Metallica. Erst kürzlich meinte er, The Clash sei ein bisschen „zu soft" für ihn. (lacht)

Wie gehen Sie damit um?
Wissen Sie, Geschmack ist Geschmack. Ich werde seinen Geschmack nicht ändern. Er darf hören, was er möchte. Er muss nicht die Musik seiner Mutter hören. Aber um ehrlich zu sein: Natürlich hoffe ich, dass er meine Lieder irgendwann mögen wird.

Jetzt anhören: So klingt das neue Album

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Wann haben Sie selbst erkannt, dass Musik eine so große Rolle in Ihrem Leben spielt?
Meine Eltern waren beide Musiker. Musik war für mich wie ein zusätzliches Mitglied der Familie, wie ein Bruder oder eine Schwester. Ich spiele Instrumente seit ich denken kann. Ich glaube der entscheidende Moment war, als mir jemand aus der Familie eine Gitarre geschenkt hat. Durch die Gitarre habe ich etwas sehr persönlicher innerhalb der Musik entdeckt.

In einem Ihrer Songs heißt es „Ich bin keine Madame, ich bin eine Göre". Was ist so schlimm daran, erwachsen zu werden?
Ich glaube, auf eine bestimmte Art sind wir alle Kinder bis zum Tod. Ich wäre gerne weise und reif. Aber aus irgendeinem Grund ist es dazu bisher nicht gekommen. Und auch das hat seinen Reiz. Ich mag es, das innere Kind in anderen zu sehen. Je einflussreicher und wichtiger eine Person ist, desto schöner finde ich es, wenn derjenige sich plötzlich benimmt als wäre er wieder vier Jahre alt.

Machen Sie sich Gedanken über die Schnelllebigkeit unserer Zeit?
Um ehrlich zu sein: Mein eigener Lebensstil ist nicht sehr schnell. Aber die Zeit ist schnell! Und das gefällt mir ganz und gar nicht, es ängstigt mich, weil es bedeutet, dass alles dem Ende zugeht.

Wenn sie etwas daran ändern könnten...
...wir können es eben nicht ändern! Vielleicht ist das der Grund, warum ich immer ein Kind bleiben möchte, vielleicht ist das mein „Trick".

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