Buch des Monats: Mai

Vater Österreicher, Mutter Japanerin: Milena Michiko Flašar hat mit "Ich nannte ihn Krawatte" ein hinreißendes Buch geschrieben, das vom Leben zwischen zwei Welten berichtet. Es ist traurig und hoffnungsvoll zugleich.

Nach der Lektüre dieses Buches möchte man am liebsten die Welt kurz anhalten. Um sich die Stimmung zu bewahren, in die einen die Geschichte zweier Außenseiter versetzt hat: etwas Melancholie, aber auch die Ahnung, dass die junge Autorin, Jahrgang 1980, eine sehr weise Geschichte geschrieben hat ...

Der junge Japaner Taguchi ist ein „Hikikomori": Jemand, der sich jahrelang bei seinen Eltern einschließt und von der Welt abkapselt. Als er sich eines Tages doch nach draußen wagt, in diese Welt von Leistungsstress und Anforderungen, denen er nicht genügen will, trifft er auf einen „salary man". Der funktioniert normalerweise wie eine Maschine, auch wenn er den Sinn seiner Arbeit längst vergessen hat.

In behutsamen Gesprächen nähern sich die zwei einander an, öffnen sich ihre Herzen. Und auch das Herz der Leser wird ganz weit.

Ich nannte ihn Krawatte
von Milena M. Flašar
€ 17,40 (Wagenbach Verlag)

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