Buch des Monats

Das Leben einer Wienerin in Berlin begleitet Eva Menasse in ihrem Roman "Quasikristalle". Ein Roman, erzählt aus der Perspektive verschiedener Menschen, denen Xane Molin begegnet.

Ist das eigentlich nur ein guter Erzähltrick oder steckt mehr dahinter?
Das ist überhaupt kein Trick, sondern eine der beiden Geschichten - und vermutlich die wichtigere -, die der Roman erzählt: Wie zufällig die Bilder sind, die wir uns von unseren Mitmenschen machen, wie abhängig von unserer eigenen Vorgeschichte und Verfassung.

Gab es beim Schreiben einen Punkt, an dem eine der anderen Figuren mit ihrer Story beinahe zur Hauptperson geworden wäre?
Nein, denn jede Nebenfigur bekommt ja immer nur ein einziges Kapitel, läuft also keine Gefahr, überhandzunehmen. Was ich mich beim Schreiben allerdings immer gefragt habe: Wie viel wird man am Ende über Xane wissen oder zu wissen glauben?

Viel oder wenig?
Ich glaube, beide Antworten stimmen: viel und wenig. So ein Paradox gefällt mir natürlich.

Wie viel Eva Menasse hat Xane Molin abbekommen - außer, dass sie wie Sie als Wienerin in Berlin lebt?
Da ich diesen Roman geschrieben habe, steckt sehr viel Eva Menasse darin: im alten, ausländerfeindlichen Hausbesitzer genauso wie in der pubertierenden Stieftochter oder im Überlebenden eines Bürgerkriegs. Alles, was ich schreibe, habe ich erfunden oder aus Realitätssplittern ausgewählt. Das heißt aber nicht, dass man das irgendwie autobiografisch missverstehen dürfte.


Den Themen des Romans widmen Sie sich mit Witz, zugleich wirkt das Buch melancholisch, fast resignativ.
Ich finde, es hat einen optimistischen Ausblick. Altern und Verlust sind normale Erscheinungsformen des fortschreitenden Lebens. Je nach Tagesverfassung geht man damit besser oder pessimistischer um. Oder, wie die Großmutter eines Freundes zu sagen pflegte: 'Wer nicht alt werden will, muss jung sterben.' Da liegt beides drin: Das Glück und das Unglück beider Varianten.

Aktuell