Bubikragen

Girlie oder Glamour-Queen? Ist Zeitgeist tragbar und wenn ja, wohin? Wie lautet die Antwort auf die ewige Frage: Steht mir der neueste Trend? Unsere Redaktionsspürnasen hängen für Sie ihre Nasen in den Fashion-Wirbelwind. Diesmal: Der Bubikragen.

Bubikragen von Catherine Gottwald

Da ist er nun der Trend um den abgerundeten Kragen und so heiß wie eine frisch gebratene Maroni. Aber ist der Bubi- oder Peter-Pan-Kragen abseits der großen Modeschauen überhaupt tragbar? Etwa klassisch weiß als Highlight auf einem schwarzen Kleid oder als flott angenähtes, buntes Extra lässig auf einem T-Shirt?

Einmal also so aussehen wie die zauberhafte Mary Poppins, Heidis gestrenges Fräulein Rottenmeier oder die kecke Jane Eyre? Nein, danke!

Der Bubikragen ist ein nostalgisches Überbleibsel aus einer Zeit, in der höhere Töchter in teure Samtkleidchen mit Pikeekragen herausgeputzt wurden, während sich die weniger Betuchten damit begnügen mussten, einen abnehmbaren weißen Kragen an ihr einziges Kleid zu nähen.



BEWERTUNG

Tragbarkeit: Bei der Erstkommunion, dem Entlassungsgespräch oder beim alljährlichen internationalen Kongress für Gouvernanten.

Sexyness: Alles klar, Herr Missionar?? Der Bubi-Kragen wirkt stets mädchenhaft, züchtig und unschuldig. Verspielt in Blümchendekor oder anderen bunten Designs. Immer reizend, niemals aufreizend. Beflügelt aber mit Sicherheit die Fantasie jener, die ohnehin gern die sexuelle Herausforderung im Rollenspiel suchen ...

Aufrissfaktor: Eher zum Annähen als zum Anbeißen. Folglich auch eher Missionarsschule als Missionarsstellung.

Business-Tauglichkeit: Herrlich für klassische Berufe im Dienstleistungsgewerbe, etwa Hausmädchen, Haushälterin oder Garderobiere. Sogar die luxuriöse Variante der frechen Kombination von schwarzen Schlapphut mit überdimensionalen, weißen Bubikragen von Rena Lange wirkt immer noch so bieder wie ein Treffen der Amish-Frauen zur Kartoffelernte.

Party-Tauglichkeit: Wie schööön: Die Internatsleitung hat ihren Zöglingen heute frei gegeben? Dann ab auf die Einweihungsfeier ins Waisenhaus oder in den Trauergottesdienst. Sehr zu empfehlen auch für das sonntägliche Klavierkonzert im Altersheim oder den nächsten Papstbesuch.

Trendyness: Extraheiß.

Haltbarkeit: Der Bubikragen ist ein Evergreen.

GESAMTWERTUNG: Mein Gesamturteil: MÄDI.

Lesen Sie auf Seite 2 die andere Seite der Medaille ...

Was kostet guter Stil? Ist Mode Ausdruck von Persönlichkeit und Freiheit oder strenges Diktat? Wollen wir auffallen oder einfach "nur" gut angezogen sein? Eine Gratwanderung zwischen Must-Haves, No-gos und der ewigen Frage nach dem richtigen Outfit.

Catherine Gottwald und Birgit Urbanek geben Ihnen auf dem Weg durch den Fashion-Dschungel sicheres Geleit - auch wenn die beiden nicht immer dieselbe Richtung einschlagen ...

Bubikragen von Birgit Urbanek

Das Londoner It-Girl Alexa Chung und die indische Aktrice Freida Pinto sind verrückt danach und gehen nicht mehr ohne aus dem Haus. Er ist DAS Trendaccessoire der Saison. Eine Hommage an die 1920er Jahre. Bieder und verspielt zugleich. Und kein Must-have ist so umstritten wie er. Denn mit diesem Trend verhält es sich wie mit Schulterpolstern: Man liebt sie oder hasst sie - dazwischen gibt es nichts. Oder?


BEWERTUNG

Tragbarkeit: Zur Vernissage und Weinverkostung (macht mächtig Eindruck), zum Geburtstagsfest der Ur-Strumpftante (der Bubikragen macht aus Ihnen eine Vorzeige-Verwandte), zur Baby-Party der besten Freundin (zeugt von Babysitter-Qualitäten). Aber egal wohin man Bubi trägt, es muss unbedingt Bein gezeigt werden.

Sexyness: Der Peter-Pan-Kragen, wie er auch liebevoll genannt wird, ist bei Rollenspielen als verklemmte Sekretärin oder biedere Lehrerin besonders überzeugend. Darunter tragen Sie nichts, dafür aber einen strengen Dutt und Brille.

Aufrissfaktor: Lassen Sie es mich vorsichtig formulieren. Zu Rollenspielchen kommt es wohl mit dem Neuen nicht. Außer Sie unterbreiten Ihrem Aufriss den Vorschlag bereits flüsternd in der Bar.

Business-Tauglichkeit: Der Bubikragen liefert in Begleitung eines Bleistiftrockes und High Heels das perfekte Outfit für eine Präsentation oder ein Kunden-Meeting. So können Sie den Dutt und die Brille auch in der Öffentlichkeit tragen.

Party-Tauglichkeit: In dieser Kategorie fällt der Bubikragen ausnahmslos durch. Selbst bei der Firmenfeier dürfen Sie ein kleines bisschen tiefer blicken lassen.

Trendyness: Hallo?! Der Bubikragen hat in dieser Saison den Mount Everest der Fashion-Berge erklommen!

Haltbarkeit: Ein Abstieg vom Mode-Gipfel dauert lange. Der Trend ist zweifellos ein Dauerbrenner. Aus den 1920er Jahren ist er schließlich auch wiedergekehrt. Behalten Sie den Bubikragen also ruhig die nächsten 91 Jahre im Kleiderkasten.

GESAMTWERTUNG: Ballerinas und Schulmädchen passen einfach nicht zum Bubikragen. Das Ergebnis wäre an Artigkeit nicht mehr zu übertreffen. In High Heels hingegen kann sich das It-Teil sehen lassen. Die modebewusste LADY darf gerne mit ihren Vorzügen spielen und den Kragen tragen.

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