Brustkrebstherapien

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Auch wenn die Diagnose ein Schock ist, sollte Frau nie den Mut verlieren. 4 von 5 Frauen gehen gesund aus der Behandlung heraus. Brustkrebsexperte Dr. Christian Singer im offenen Talk über die Ängste und Nöte der Betroffenen und neue Therapien.

Was bedeutet die Diagnose Brustkrebs für eine Frau?
Dr. Christian Singer: Brustkrebs ist heute längst kein Todesurteil mehr. Die Sterblichkeitsrate ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesunken, da man den Tumor heute viel früher entdecken und auch besser behandeln kann.

Die Heilungschancen sind heute schon bei 80 bis 85 Prozent. Wie lange dauert eine Therapie von Beginn der Diagnose bis man die Frau wieder für gesund erklärt?
Das hängt davon ab, wie therapiert wird. Wird nur ein Operation und eine Strahlentherapie durchgeführt, dann dauert die Behandlung nicht einmal ein Vierteljahr, da die Strahlentherapie über fünf Wochen täglich erfolgt. Wird zusätzlich noch eine Chemotherapie gemacht, dann ist es etwa ein dreiviertel Jahr. Die Chemotherapie findet in sechs bis acht Zyklen alle drei Wochen statt.

In 80 bis 90 Prozent aller Fälle folgt aber noch eine antihormonelle Therapie. Dann bekommt die Frau noch fünf bis zehn Jahre Tabletten oder Injektionen. Diese Therapie ist nur dann möglich, wenn die Tumorzellen hormonempfindlich sind. Denn durch die Behandlung wird die Wirkung von Östrogen unterbunden, eventuell noch im Körper verbliebene Tumorzellen werden quasi auf Hormonentzug gesetzt und sterben so langsam ab.

Bei dieser Therapie wird die Frau quasi künstlich in die Wechseljahre gesetzt. Was ist, wenn es sich um eine junge Frau handelt, die noch Kinder bekommen möchte?
Das stimmt, ja. Diese Therapie unterbindet die Wirkung der weiblichen Geschlechtshormone und während der Therapie kann die Frau im Normalfall nicht schwanger werden bzw. sollte sie auch nicht, weil die Medikamente doch sehr stark sind. Hat eine Frau noch einen Kinderwunsch, dann muss man individuelle Krankheitsprognose, Alter und notwendige Therapien in den Behandlungsplan einbeziehen. Insbesondere bei guter Prognose und im frühen Krebsstadium kann sich eine Frau durchaus einen Kinderwunsch erfüllen. Allerdings muss die Frau genau über die möglichen Nachteile bei einer eventuell vorzeitigen Beendigung einer Antihormonbehandlung aufgeklärt werden.

Alternativ können noch vor Behandlungbeginn mittels IVF Eizellen entnommen werden, die dann nach Beendigung der Krebstherapie im Rahmen einer künstlichen Befruchtung wieder eingesetzt werden können. Deswegen ist es gerade bei jungen Brustkrebsbetroffenen wichtig, sich noch vor Behandlungsbeginn an ein spezielles Zentrum zu wenden.

Was hat sich bei den Behandlungen in den vergangenen Jahren verändert?
Da gibt es einige Punkte. Einerseits wird die antihormonelle Therapie länger verordnet. Neue Studien zeigen, dass bei einer zehnjährigen Behandlung die Ergebnisse noch besser sind. Gemeinsam mit der Studiengruppe ABCSG haben wir auch eine neue zielgerichtete Therapie entwickelt. Diese wird bei Brustkrebs weltweit nur in Österreich eingesetzt, es wurden in anderen Ländern aber schon gute Ergebnisse bei Lungenkrebs erzielt. Und zwar wird der Frau eine Impfung unter die Haut verabreicht, die das Immunsystem dazu anregt, auf die Oberfläche der Tumorzellen zu reagieren und diese abzutöten.

Wie kann eine Frau an dieser Studie teilnehmen?
In Österreich machen alle großen Brustkrebszentren mit. Sollte sie nicht darauf angesprochen worden sein, kann sie sich dort erkundigen oder auf der Homepage der Studiengruppe ABCSG.

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Gibt es noch weitere neue Therapien?
Ja, bei fortgeschrittenen Krebs gibt es zusätzlich zur antihormonellen Therapie noch eine zielgerichtete Therapie mit kleinen Molekülen. Diese führt dazu, dass die "Kommunikationskanäle" über die Zellwachstumssignale in den Zellkern weitergeleitet und unterbrochen werden. Und die Krebszelle stirbt ab, weil sie keine Wachstumssignale mehr erhält. Außerdem gibt es eine neue zielgerichtete Behandlungsstrategie. Bei dieser wird eine extrem wirksame Chemotherapie an einen Antikörper gebunden. Der Antikörper erkennt die Tumorzelle als Ziel und schleust die Chemotherapie in die Krebszelle ein. Gesunde Zellen werden durch die Chemotherapie kaum beeinträchtigt, was zu einer besonders guten Verträglichkeit der Behandlung führt.

Stichwort Chemotherapie. Viele Betroffene haben Angst vor dieser, weil damit der Verlust der Haare verbunden ist... Wie viele Frauen erhalten eine Chemotherapie?
Es sind bei Weitem nicht so viele wie eine Antihormonelle Therapie bekommen. Manchmal ist diese aber einfach notwendig. Man muss das so sehen: Eine Chemotherapie macht nichts anderes, als schnell wachsende Zellen abzutöten. Das sind Krebszellen, aber auch Haarwurzelzellen. Nach Beendigung der Therapie wachsen die Haare aber wieder nach, es ist nur ein vorübergehender Zustand.

Und wie schaut es mit dem Busen aus? In wie vielen Fällen ist eine Operation mit dem Verlust der Brust verbunden?
In 85 Prozent aller Fälle wird brusterhaltend operiert. Leider gibt es noch immer Fälle, bei denen aufgrund vom Sitz des Tumors, seiner Größe, biologischen Faktoren oder weil der Krebs an verschiedenen Stellen gleichzeitig entstanden ist, eine Brustentfernung notwendig wird. Allerdings kann hier meistens das entfernte Gewebe durch eine Silikonprotese oder durch Eigengewebetransplantationen noch in der gleichen Operation ersetzt werden. Die Patientin wacht also mit zwei Brüsten wieder auf. Es gibt aber auch Frauen, die sagen, sie möchten erst den Krebs besiegen und danach erst wieder den Busen aufbauen lassen. Oder andere sagen, es ist ihnen egal, wenn sie flach sind. Bei diesen können wir den Busen dann nach einem halben Jahr wieder aufbauen, sollte es doch gewünscht sein.

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