Brief an meine erste Falte

Irgendwann taucht sie aus dem Nichts auf: Die erste Falte ist da! Kein Grund zur Panik.

Liebe Martina,

Von 1999!
Du liegst gerade in Ischia am Strand. Aber bitte glaube mir, es ist keine gute Idee, dich den ganzen Sommer lang nur mit Olivenöl einzuölen, wie viele Süditalienerinnen es hier tun, nur weil dich dieser verblödete Roberto "Mozzarella" genannt hat. Deine Sommersprossen werden sich genau wegen dieser Unvernunft in zwanzig Jahren zu hässlichen braunen Flecken verbreitern und du wirst ein Vermögen für Anti-Pigmentflecken-Pflege und Sonnencremes mit Faktor 50 ausgeben, um sie wieder verblassen zu lassen.
Toll aber, dass du beschlossen hast, mit dem Rauchen aufzuhören. Im Moment steckt deine Haut das ja noch locker weg, aber glaube mir, beim Klassentreffen 2015 werden dir viele deiner ehemaligen Schulkolleginnen, die immer noch Kette rauchen, ganz schön alt vorkommen.
Du findest dich schon seit deiner Teenagerzeit zu pausbäckig. Aber vertraue mir, auch das wird später mal von Vorteil sein. Wenn du mir nicht glaubst, schau Mama an. Du hast ihre Gesichtszüge geerbt und auch ihre Hautstruktur. Deine Wangen werden immer glatt aussehen. Nur ein paar Augenfältchen könntest du dir sparen, wenn du dir jetzt schon eine Brille anpassen lassen würdest und aufhören würdest, vor dem Computer ständig die Augen zusammenzukneifen. Vergiss auch bitte die dumme Petra-Diät, bei der du drei Tage nur Eier und Häuptelsalat essen darfst und dann einen Mars-Riegel - das alles macht weder schlank noch schöner. Deine Haut braucht Nährstoffe. Die Healthy Eating-Bewegung ist zwar noch Lichtjahre entfernt, aber ein paar Vitamine würden dir und deiner Haut auch jetzt nicht schaden. Die Orangenscheibe zum Tequila zählt dabei nicht wirklich!
Ich weiß, dass du gestern dein erstes Augenfältchen entdeckt hast und dich ernsthaft gefragt hast, ob jetzt dein Leben vorbei ist. Heute Abend wirst du mit deinen Freundinnen rumblödeln und ihr werdet euch ausmalen, wie ihr mit 40 aussehen werdet. In eurer Fantasie tragt ihr konservative Frisuren, Businesskostüm und habt Krähenfüße. Ich kann dich beruhigen, so weit wird es nicht kommen! Und jetzt entschuldige mich bitte. Ich muss weiter an unseren Lachfalten arbeiten.

7 Hautpflege-Gebote, die ich gerne früher gewusst hätte...

1. DICK AUFTRAGEN

Ab Ende 20, Anfang 30 taucht das erste Augenfältchen auf. Zeit für ein neues Pflegeregime! Die Cremes sollten jetzt etwas reichhaltiger und feuchtigkeitsspendender sein als bisher. Die Tagescreme sollte mindestens Lichtschutzfaktor 25 haben. Feuchtigkeitsmasken und Augencremes sind sinnvoll, um Trockenheitsfältchen vorzubeugen.

2. SONNENSCHUTZ IST DIE BESTE UND BILLIGSTE ANTI-FALTEN-PFLEGE

Achtzig Prozent der Hautschäden, die sich später mal als Falten und Flecken bemerkbar machen, entstehen durch Sonnenschäden in der Jugend. Bedeutet im Klartext: Der Sonne ist es egal, ob Sie gerade im Schwimmbad liegen oder in der Stadt spazieren gehen. Leider verwenden die meisten aber Sonnenschutz nur im Urlaub. Je nach Sonneneinstrahlung und Aufenthaltsdauer im Freien sind Sonnencremes aber ganzjährig wichtig.

3. NICHT BEI DER REINIGUNG SCHLAMPEN!

Denn werden Schmutz, Makeup und tote Hautschüppchen nicht regelmäßig entfernt, scheitert auch die beste Creme an dieser Barriere und kann ihre Wirkung in der Haut erst gar nicht entfalten. Laut Kosmetikerin Justyna Loschy entstehen die meisten Hautprobleme bei Frauen unter 30 durch falsche oder unzureichende Gesichtsreinigung. Abschminktüchlein sind zwar praktisch für zwischendurch und auf Reisen, aber für die tägliche Reinigung nicht gründlich genug. Ob Sie trocken mit Reinigungsmilch und Wattepads oder feucht mit Waschgel reinigen, ist Geschmackssache. Viele Frauen schwören auch auf elektrische Gesichtsbürstchen, die zusätzlich die Durchblutung anregen und einen leichten Massageeffekt haben.

4. TREUE WIRD BELOHNT

Setzen Sie bei der Hautpflege nicht auf One-Night-Stands, sondern auf Lebensabschnittspartner. Wer sich immer neue Produkte und Proben ins Gesicht schmiert, bringt die Haut aus dem Gleichgewicht. Der Teint reagiert auf diese Überpflege und den daraus resultierenden Wirkstoffmix oft mit einer Perioralen Dermatitis (Rötungen und Pusteln rund um Nasen-und Mundpartie). Nach einem halben bis einem Jahr kann ein Wechsel der Pflegeserie aber durchaus sinnvoll sein, weil die Haut auf neue Wirkstoffe gerade anfangs besonders stark anspricht.

5. WISSEN, WAS WIRKT

Antioxidantien wie Vitamin E oder C wirken der Zerstörung der Hautzellen durch freie Radikale am besten entgegen. Sie stecken nicht nur in Obst und Gemüse, sondern auch in vielen Cremes für Early Ager. Und wie geht es weiter? Der stärkste Wirkstoff gegen sichtbare Falten ist Vitamin A (Retinol), das die Hauterneuerung beschleunigt. Der Wirkstoff gilt als kosmetischer "Goldstandard", macht die Haut aber gleich nach dem Auftragen ein bisschen sonnenempfindlicher, weshalb Retinol-Cremes nur abends angewendet werden sollen.

6. IN BALANCE LEBEN

Okay, das hört sich an wie ein blöder Kalenderspruch. Aber zum Jugendschutzprogramm gehören nicht nur Pflege, Sport und eine halbwegs vernünftige Ernährung, sondern auch Entspannung. Frauen in der westlichen Welt erleben während des Tages etwa 50 Stresssituationen. Ohne Ruhe dazwischen altert der Körper schneller. Neue Untersuchungen zeigen, dass Meditation und andere Formen der geistigen Entspannung die biologische Uhr verlangsamen können. Extrem positiv ist es auch, ab und zu das Abendessen ausfallen zu lassen, weil sich der Körper dann statt auf die Verdauung auf die Zellreparatur konzentriert.

7. NICHT AUF SPÄTER WARTEN!

Viele glauben, wenn man zu früh mit Anti-Aging-Pflege anfängt, würde man die Haut verwöhnen, sodass die Inhaltsstoffe später nicht mehr wirken würden. Viel wichtiger als das biologische Alter ist aber der tatsächliche Hautzustand. Eine Dreißigjährige mit trockener Haut und genetischer Tendenz zur Faltenbildung kann also durchaus auch eine reichhaltige Creme für 40 plus verwenden. Die Textur muss zum Hauttyp passen. Enthält eine Creme Wirkstoffe, die die Haut (noch) nicht benötigt, werden diese nicht verwertet. Ein Gewöhnungseffekt stellt sich aber nicht ein.

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