Branchenmagazin degradiert Journalistin zu einer hübschen "Prinzessin"

Diese Darstellung einer ORF-Journalistin ist ziemlich daneben gegangen.

"Der ORF hat endlich einmal eine ,Prinzessin' auf den Schirm gebracht!" Mit diesen Worten eröffnet das Branchenmagazin "Der Journalist" einen kurzen Artikel über die Journalistin Verena Gleitsmann, die seit 2013 im ORF-Büro in Washington arbeitet - oder um es in den Worten des Magazins zu sagen: ",Beiwagen' von Hannelore Veit" ist.

Doch das ist nicht alles: Gleitsmanns Äußeres sei des Weiteren "ein Geschenk des Himmels für diese Rubrik". Gemeint ist die Rubrik der "Journalist-Zwillinge", die regelmäßig im Branchenblatt erscheint.

Fortgesetzt wird der Text mit einem optischen Vergleich Gleitsmanns mit der verstorbenen Diana Spencer, Princess of Wales. "Man beachte nur die Konfiguration der Haare, die majestätisch gerade Nase sowie die Augen, die sagen wollen: ,Ich bin die Königin der Welt!'" Fraglich bleibt weiterhin, was das mit der Karriere und dem Schaffen der erfolgreichen Journalistin zu tun hat. Auch ihre angeblich "streng konservative Erziehung" wird mit jener Diana Spencers verglichen. Der Informationsgewinn: gleich Null.

Sexistisches Porträt sorgt für Aufregung im Netz

Ausgelöst wurde die Debatte durch einen Tweet der Medien-Journalistin Anna Wallner. Das Foto sorgt seitdem für Diskussionen im Netz.

Das "Frauennetzwerk Medien", ein überparteilicher Verein für Journalistinnen und Frauen in Medienberufen, bezeichnet diesen Text als "peinlich, sexistisch und unwürdig für ein Branchenmedium", wie deren stellvertretende Vorsitzende Martina Madner gegenüber WIENERIN.at sagt.

"Das Texterl zeugt von verschwitzten Männerfantasien über eine ernsthaft und engagiert arbeitende Kollegin. Es ist nicht nur sexistisch, Verena Gleitsmann auf ihr Äußeres zu reduzieren und sie im Vergleich mit Diana zur „Prinzessin“ mit "majestätischer Nase" und potenzieller „Touristenattraktion“ zu degradieren. Es ist ein – im übrigens missglückter – „Witz“ auf Kosten einer Journalistin, die damit verniedlicht und nicht ernst genommen wird", so Madner. Kritisiert wird auch der Name des Blattes ("Der Journalist"), der "die Leistungen aller Frauen, die erfolgreich in der Branche arbeiten und auf die Medien nicht mehr verzichten können und wollen, [...] negiert."

Zum Schluss wird die Journalistin dann noch zur "Touristenattraktion" gemacht

Gleitsmann absolvierte eine Journalismus-Ausbildung an der Katholischen Medienakademie, hatte Praktika bei der „Kleinen Zeitung“, der „Austria Presse Agentur“ und der „Furche“, wie auf der ORF-Website zu lesen ist. Sie ist seit 2010 beim ORF tätig, seit 2011 in der Auslandsredaktion des Radios. Für das ORF Radio coverte sie den Prozess gegen Anders Breivik in Norwegen, war in Griechenland, bei der Wiederwahl Barack Obamas in den USA und berichtete aus Venezuela von den Nachfolgern von Hugo Chávez.

Doch dem Branchenmagazin stellt sich zum Schluss vor allem eine brennende Frage: "Warum agiert Gleitsmann eigentlich nicht in London? Mit dieser Optik wäre sie bei Aufsagern eine 100-prozentige Touristenattraktion." Autsch. Das Magazin wollte im Übrigen kein Statement abgeben.

In unserer Rubrik "Fail der Woche" werden besonders sexistische und frauenfeindliche Sager ,ausgezeichnet'.

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