Boxerin Nina Meinke: "Wir Frauen geben im Sport genauso viel wie die Männer, verdienen aber nur zehn Prozent"

Nina Meinke wusste früh, dass sie Profiboxerin werden will - das sei nichts für eine Frau, hörte sie immer wieder. Trotzdem ließ sie sich nie von ihrem Weg abbringen.

Boxerin Nina Meinke: "Wir Frauen geben im Sport genauso viel wie die Männer, verdienen aber nur zehn Prozent"

Seit wann möchtest du schon Boxweltmeisterin werden?

Nina Meinke: Ich denke, das hat sich entwickelt. Der beste Freund meines Vaters ist ja Sven Ottke ... früherer Weltmeister der Verbände IBF und WBA im Supermittelgewicht. Als ich sieben oder acht Jahre alt war, hat mich mein Vater mit zu den Kämpfen genommen. Wenn Sven gewonnen hatte, riss er die Arme hoch, die Leute haben gejubelt. Die Musik, die Atmosphäre, dazu das goldene Konfetti, dieses Lametta, das von der Decke schwebte. Ich fand das so cool! Für mich war damals schon klar: Genau dort will ich auch mal sein.

Wann hast du mit dem Boxen begonnen?

Ich war Reiten, in der Leichtathletik, habe Fußball gespielt. Es war nie das Richtige. Mit zwölf habe ich dann zu meinem Papa gesagt: 'Ich will boxen.'

Fand er das gut?

Meine Eltern waren gar nicht begeistert. Sie meinten, ich solle was anderes machen. Aber ich sagte: 'Nö, ich will nur noch boxen.' Also bin ich in mein erstes Training.

Kannst du dich an dein erstes Training erinnern?

Klar! Ich konnte mich nicht mehr rühren. Mir hat alles wehgetan. Und ich fand’s einfach super. Ich dachte mir: 'Ja, das ist es!'

Warum ist es schön, so ausgepowert zu sein?

Ich fühle mich wohl, wenn ich alles gegeben habe. Nach diesem ersten Training konnte ich kaum noch ein Wasserglas heben. Trotzdem war ich euphorisch.

Ist es das, was das Boxen ausmacht: bis zur Erschöpfung zu kämpfen?

Es ist noch viel mehr. Boxen ist keine Schlägerei. Da steckt so viel drin. Disziplin, Koordination, so viel Mentales. Im Ring kommt dir jemand entgegen, von dem du weißt, dass er dich weghauen will. Das ist eine harte Situation. Du weißt, was deine Gegnerin will. Also musst du dir denken: 'Sorry, ich will das Gleiche! Und ich bin stärker als du.'

Und wenn die Andere stärker ist?

Musst du weiterkämpfen. Natürlich war ich immer wieder am Boden. Aus meinen Niederlagen habe ich aber mehr gelernt als aus gewonnenen Kämpfen.

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Dein Kampfname ist "Nina the Brave". Was war das Mutigste, das du jemals getan hast?

Mein Kampf gegen Katie Taylor, der Vorkampf des Titelfights zwischen Anthony Joshua und Wladimir Klitschko vor 90.000 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion. Es gab Probleme, eine Gegnerin für Katie zu finden. Die ist ein Tier im Ring. Doppel-Olympiasiegerin und fünffache Weltmeisterin. Die Gegnerinnen sagten reihenweise ab, weil sie sich mit einer Niederlage nicht ihre Kampfbilanz vermiesen wollten.

Warum hast du angenommen?

Katie Taylor? Im Wembley-Stadion? Ich meine, wie genial ist das denn? Natürlich sagten alle, der Kampf käme viel zu früh für mich. Aber das war mir egal. Mir ging es nicht um den Sieg. Mir ging es um den Sport.

Den Kampf hast du erwartungsgemäß verloren. Wie hast du ihn erlebt?

Ganz ehrlich, ich hatte keine Chance. Ich hatte einen Cut und habe weitergemacht, bis der Ringrichter den Kampf abgebrochen hat. Ich wollte nicht aufgeben, aber als ich mich dann im Spiegel gesehen habe, wusste ich, dass er Recht hatte. Ich sah aus wie Quasimodo. Aber egal. Ich hab’s durchgezogen.

Die Rollenverteilung hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert, warum dann nicht auch im Sport?

von Profiboxerin Nina Meinke

Deine Familie war im ersten Moment ja nicht so froh, dass du boxen möchtest – hat dich bald darauf aber doch unterstützt. Hast du einen Tipp für junge Mädchen und Frauen, die in einen harten/männerdominierten Sport einsteigen wollen, aber noch verunsichert sind und kaum Support aus ihrem Umfeld erfahren?

Ich kann natürlich nicht abschätzen, wie hoch die Hürden im Einzelfall sind. Das hängt vom Umfeld, vom Kulturkreis, von den Eltern und Freunden ab. Aber ich bin der Überzeugung, dass junge Mädchen und Frauen alles erreichen können, wenn sie nur fest daran glauben, nicht aufgeben und bereit sind, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Ich hatte super Unterstützung durch mein Umfeld – Familie, Freunde, so dass ich meinen Weg gehen konnte, dafür bin ich dankbar.

Gab es im Laufe deiner Karriere Momente, in denen du dich als Frau in einer Männerdomäne nicht ernst genommen gefühlt hast?

Natürlich gab es die eine oder andere Situation, wo Männer der Meinung waren, Boxen sei nichts für eine Frau aber sie haben mich nicht vom Weg abbringen können und werden es auch in Zukunft nicht tun. Das waren aber die Ausnahmen, viele konnte ich eher noch vom Gegenteil überzeugen.

Was sagst du dazu, dass Männer in vielen Sportarten immer noch wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen als Frauen?

Die geringe Aufmerksamkeit für Frauen im Sport, herrscht hauptsächlich in den sogenannten "Männersportarten", Boxen, Fußball, Rugby o.ä.

Wir Frauen holen immer weiter auf. In den letzten Jahren ist die Quantität der Frauen gestiegen, aber auch qualitativ sind wir im Boxsport immer stärker geworden. Es gibt wirklich gute Boxerinnen, deren Kämpfe keineswegs uninteressanter sind als die der Männer. Allerdings ist es wichtig, dass das Frauenboxen noch mehr Unterstützung bekommt und weiter gepusht wird, das passiert immer noch zu wenig.

Die Rollenverteilung hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert, warum dann nicht auch im Sport?

Kämpfst du als Boxerin auch für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau?

Wir Frauen geben im Sport genauso viel wie die Männer, verdienen aber nur zehn Prozent. Wir müssen doppelt so hart kämpfen, um an die gleiche Position zu kommen. Es ist wichtig, sich durchzuboxen und um die Gleichberechtigung zu kämpfen.

Und wenn es noch ein paar Jahrzehnte dauert? Dann haben wir immerhin die Vorarbeit geleistet.

Was wäre ein erster Schritt, um Gender Equality im Box-Sport zu erzielen?

Dieselben Gagen an uns Frauen zahlen, genauso viel Geld fürs Anheizen der Kämpfe ausgeben, für den Nachwuchs sorgen und die mediale Aufmerksamkeit noch steigern.

Boxerin Nina Meinke für PUMA-Kampagne "She Moves Us"

Nina Meinke unterstützt als Markenbotschafterin neben anderen Athletinnen und Entertainerinnen wie Winnie Harlow oder Cara Delevigne die PUMA Kampagne "She Moves Us". Diese feiert Frauen, die durch Sport, Kultur und Werte zusammenkommen, um etwas zu bewegen, ihre Ziele zu erreichen und andere Frauen mit ihren Erfolgsgeschichten auf der ganzen Welt zu inspirieren.

 

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