Bombig: Der Regie-Oscar ist weiblich!

Besser hätte der Weltfrauentag gar nicht beginnen können: Mit Kathryn Bigelow sahnt endlich eine Frau den begehrten Regie-Oscar ab!

Tödliches Kommando – The Hurt Locker heißt der Kriegsfilm, der gleich sechsfach mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Ein Triumph für Action-Regisseurin Kathryn Bigelow: Vor ihr war es keiner Filmmacherin gelungen, ihren männlichen Kollegen den Regie-Oscar streitig zu machen.

TEXT: Catherine Gottwald

"This is a moment for a lifetime", sagte Kathryn Bigelow bescheiden und sichtlich ergriffen, als sie ihre goldene Statue entgegen nahm. Den Erfolg widmete sie großzügig und ohne billigen Pathos ihrem Team und all jenen Damen und Herren in Uniform, die an vorderster Front ihren lebensgefährlichen Dienst für die (amerikanische) Öffentlichkeit leisten.

Eine große Geste, ein großer Moment: Die 58-Jährige ist die erste Frau in der Geschichte der Oscars, die den Preis für die beste Regie gewonnen hat. Vor ihr waren erst drei andere Frauen nominiert: Lina Wertmüller (1976), Jane Campion (1993) und Sofia Coppola (2003).

"Ich hoffe, ich bin nur die erste von vielen", sagte Bigelow backstage nach ihrem Gewinn.

bigelow_txt © Todd Wawrychuk / A.M.P.A.S.


The Time Has Come

“Well“, sagte Laudatorin Barbra Streisand, als sie den Umschlag öffnete, und nach einem nahezu unendlich dauernden Augenaufschlag: “the time has come.“ Spätestens dann war klar, dass auf dem Regiesessel zum ersten Mal eine Frau die begehrte Trophäe entgegen nehmen würde. Verdient hat sich Kathryn Bigelow diese Auszeichnung schon lange. Ihr Markenzeichen ist die knallharte Abbildung von Realität in einer geradezu schmerzhafter Schärfe gepaart mit jener nervenzerrenden Spannung, die keine Ruhe zulässt.

Auch im Kriegsfilm The Hurt Locker (2009) spielen Spannung und Timing eine besondere Rolle. Bombenentschärfer William James (Jeremy Renner) muss selbst das Tempo seiner Atemzüge völlig kontrollieren um seinen Job richtig zu machen. Jede falsche Bewegung im Adrenalinrausch hätte tödliche Folgen. Quälend lange Momente der Ungewissheit, ob die Ladung hochgeht, ob Mensch über Höllenmaschine siegt, machen die Faszination dieses brandgefährlichen Spiels zwischen Leben und Tod aus.

Bigelow galt immer schon als Expertin für die Auseinandersetzung mit Gewalt und ihren Folgen. Der Polizeithriller Blue Steel (1990) mit Jamie Lee Curtis verhalf Bigelow zum internationalem Durchbruch. Ein Jahr später folgte das Surfer-Bankraub-Actionabenteuer Gefährliche Brandung, in dem FBI-Mann Keanu Reeves den Gangster Patrick Swayze jagt. 1995 inszenierte sie in Zusammenarbeit mit James Cameron den Milleniums-Thriller Strange Days.

Männerfilme, Frauenfilme ...?

"Es gibt wirklich keinen Unterschied zwischen dem, was ich tue, und dem, was ein männlicher Filmemacher tut", betonte Regisseurin Kathryn Bigelow erst kürzlich wieder im Interview mit dem US-Sender CBS. Wir sehen das ganz genau so. Gut, dass es Kathryn Bigelow gelungen ist, ihrem Ex-Ehemann James Cameron (Avatar) den Regie-Oscar vor der Nase wegzuschnappen. Glückwunsch!

Bigelow_rand © Matt Petit / A.M.P.A.S.

bigelow_rand2 © Richard Harbaugh / A.M.P.A.S.

bigelow_teaKL © Matt Petit / A.M.P.A.S.


The Hurt Locker zu sehen ausschließlich im Stadtkino Wien ab Donnertag 11.03. 2010

Täglich um 18:30 und 21:00. Freitag, Samstag und Sonntag zusätzlich auch um 16:00.


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