Bohren to be wild?

Eigentlich ist Heimwerken keine Hexerei, wenn man nur weiß, wie’s geht. miss hat den Selbstversuch gewagt und sich in einem Heimwerker-Kurs auf unbekanntes Terrain begeben.

Das kann doch nicht so schwer sein", geht es mir durch den Kopf, als ich zum x-ten mal versuche, einen stinknormalen Nagel in eine ebenso stinknormale weiße Wand zu schlagen. Doch der Nagel will nicht halten, das Loch ist erst zu klein, dann zu groß - und dann bröckelt auch schon der Belag. Schließlich gebe ich genervt auf und befördere das Bild, das doch eigentlich so gut an die Wand gepasst hätte, auf meinen Kleiderschrank. Dort liegt es heute noch.


Lag's am Nagel, an der Wand oder etwa doch an mir? Ich will mir einfach nicht eingestehen, dass das leidige Klischee, Frauen seien von Natur aus Heimwerker-Nieten, auch auf mich zutrifft! Also beschließe ich, dass es Zeit ist für ein bisschen Nachhilfe in Sachen Heimwerken. Hilfesuchend wende ich mich zuerst ans Internet, doch auch hier wimmelt es von Klischees: Die erste Seite, die sich unter dem Stichwort „Do it yourself" und „Frauen" öffnet, ist eine Anleitung zum Aufkleben falscher Fingernägel. Nicht ganz das, was ich mir vorgestellt habe. Doch es kommt noch schlimmer: rosa Werkzeugköfferchen mit der Aufschrift „Tussi@work" und ein pinkfarbenes Armeemesser im Kombiangebot, nein danke, schnell weggeklickt.
Auf YouTube werde ich schließlich fündig: Heimwerken für Dummies, das hört sich gut an. Hier erklärt der Handwerkerprofi, was zu tun ist bei tropfenden Wasserhähnen und verstopften Toiletten. Lektion Nummer 1: Glühbirnen wechseln. Der Profi weiß: „Wenn's scheppert, brauch ma a neue!" So weit, so gut, doch um dem Nagel die Stirn bieten zu können, bedarf es mehr. Wenn es Personal Coaching für Sportmuffel gibt, gibt's das sicher auch für Heimwerkmuffel. Ein Heimwerkerkurs muss her.

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So klappt´s mit dem Heimwerken:

- Sorgfältige Planung: Immer die Gebrauchsanleitung durchlesen und sich im Baumarkt über die Funktionsweise der Geräte informieren

- Sicherheit geht vor: Eng anliegende Kleidung und gegebenenfalls Sicherheitsschuhe tragen, niemals eine Leiter durch einen Stuhl ersetzen

- Nicht an der falschen Stelle sparen: Finger weg von Billiggeräten aus dem Internet, auf Qualitätssiegel achten!

- Pausen einlegen: Bei Ablenkungen und schwindender Konzentration unbedingt den Bohrer weglegen und Pause machen

Auf baumax.at finden Sie Heimwerker-Tipps und Termine für kostenlose Heimwerker-Kurse zu verschiedenen Themen.
p>Klischee ade!
Schon am nächsten Tag versammle ich mich mit einer Handvoll anderer lernwilliger Heimwerker-Anfänger in der Lagerhalle einer großen Baumax-Filiale. Ein Heimwerkerkurs zum Thema Böden steht auf dem Programm. Die Teilnehmer sind, so wie in den meisten Handwerkerkursen, alle weiblich. Laut einer Studie greifen inzwischen 73 % der österreichischen Frauen regelmäßig zum Hammer, und etwa 80 % aller Bauprojekte werden von Frauen initiiert.
„Früher gab es gesonderte Heimwerkerkurse für Frauen, heute ist das nicht mehr nötig, weil es keine Berührungsängste mehr gibt. Frauen haben keine Angst mehr davor, sich in Sachen Heimwerken mit den Männern zu messen," sagt Susanne Schenk, Pressesprecherin von Baumax. Nicht dass Männer keinen Bedarf an Nachhilfe beim Heimwerken hätten, sie würden es nur niemals zugeben. Frauen sind da schon eher bereit, sich helfen zu lassen und informieren sich ausgiebig, bevor sie zur Tat schreiten. Das erhöht auch ihre Sicherheit.
Jährlich passieren in Österreich rund 42.000 Unfälle beim Heimwerken und bei der Gartenarbeit, 80 % der Unfallopfer sind Männer. Die Hauptgründe dafür sind mangelnde Vorbereitung, Hektik und vor allem Selbstüberschätzung. Fragt man die Unfallopfer, also all jene, die sich beim Handwerken quetschen, schneiden oder von der Leiter fallen, ob sie sich selbst als Profihandwerker einschätzen würden, beantworten das 75 % von ihnen - ohne zu zögern - mit „Ja".

Auf die Plätze, Hammer, los!
Unser Kursleiter Johann Jambor ist definitiv Handwerksprofi. Er ist seit über 20 Jahren „im Business" und kennt alle Kniffe und Tricks beim Boden legen. Geduldig erklärt er den Unterschied zwischen Parkett und Laminat, die verschiedenen Sorten und die jeweiligen Vor- und Nachteile. Dann schreitet unser Kursleiter zur Tat: „Man beginnt in der linken Ecke und dann, immer schön regelmäßig die einzelnen Stücke aneinanderreihen." In Windeseile sind 5 m² nagelneuer Parkettboden verlegt.Schließlich darf ich selbst ran und hantiere mit Schneidebrett, Stichsäge und Holzleisten herum. Und siehe da: Es macht sogar richtig Spaß! Zwar stelle ich mich dabei weder besonders geschickt noch besonders elegant an, doch für den Anfang gar nicht so schlecht, wie ich finde. Mein Lehrer scheint auch zufrieden zu sein, und so gehe ich nach Kursende mit einem Goody-Bag und einer Urkunde nach Hause. Die werde ich mir übrigens rahmen lassen und bei mir zu Hause aufhängen - an der Wand ist ja noch ein Plätzchen frei.

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