Blöder Fehler! Frauen beim Autokauf zu unterschätzen

Eine neue ÖAMTC-Studie beweist, was wir eh längst wissen: Autohändler unterschätzen Frauen. Wie dumm das wirklich ist, zeigen die Zahlen, denn die Millionen werden dann einfach woanders ausgegeben.

Überraschung: Frauen haben auch Geld. Und noch was ganz Neues: Frauen fahren gern coole Autos oder bestimmen gemeinsam mit ihrem Partner, welches Auto gekauft wird. Diese Wahrheiten sind lustigerweise bei einer ganz bestimmten Gruppe noch nicht ganz angekommen: den Autohändlern und den Leuten in Werkstätten. Denn laut einer aktuellen Studie des ÖAMTC fühlt sich rund ein Viertel aller Frauen beim Besuch im Autohaus nicht ernst genommen.

Die ÖAMTC Psychologin Marion Seidenberger dazu: "Ein Drittel bewertete das Beratungsgespräch als zu oberflächlich und nicht informativ." Will man mehr Infos, muss man einen Mann mitnehmen. Jede zweite Frau entschied sich übrigens im Autohaus für einen Neuwagen, ein Viertel kaufte einen gebrauchten Pkw. Befragt wurden 884 Frauen im Zeitraum September. Das Ergebnis war so eindeutig, wie klischeehaft.

Die WIENERIN hat sich angesehen, worauf es Frauen wirklich ankommt und welche Automarken auf Frauen setzen. Und da ist uns ein Mann aufgefallen, der sagt: Frauen sind das neue China! Klingt spannend. Los geht's.

Frauen sind das neue China

Frauen wollen Pastellfarben, lustige Armaturen und einen großen Kofferraum? Nein, liebe Autohändler, Frauen wollen vor allem eines: tolle Beratung. Dann geben sie auch richtig viel Geld aus. Also gut zuhören.

Rita (44) ist heute noch vor den Kopf ge­stoßen, wenn sie sich zurückerinnert – an den Sommer 2015. Eigentlich wollte die Wienerin noch warten mit dem Autokauf, aber durch ein paar äußere Umstände – etwa 38 Grad und eine kaputte Klimaanlage – wurde das Winterprojekt vorverlegt. "Meine wichtigste Frage im Autohaus war, wie schnell der Wagen geliefert werden könne. Ich hatte mich ja im Vorfeld informiert, wusste, was ich suchte, und wollte vor allem eines: schnell abschließen. Da sagt der Mann dort tatsächlich: ,Ja, aber Sie sollten schon noch einmal mit Ihrem Mann oder Lebensgefährten reden, ehe Sie so eine Entscheidung fällen.‘ Ich war fassungslos und hab dort natürlich nicht gekauft." Rita gab für ihr neues Auto am Ende mit allem Schnickschnack etwa 33.000 Euro aus. Die bekam ein anderer.

Millionen verschenkt!

Tja, wenn man die Worte Frau und Auto in einem Atemzug nennt, läuft man Gefahr, in ein Klischee zu tappen – aber das gibt es offenbar nur noch in den Köpfen von Männern (in Autohäusern). Eine aktuelle Umfrage von Ulrike Aichhorn, österreichische Unternehmensberaterin, zeigt das konkret. Unter dem Titel Wie Frauen in Autohäusern behandelt werden wollen wurden immer dieselben drei Wünsche beziehungsweise Ärgernisse genannt: Frauen fühlten sich als Kundin nicht wahrgenommen oder herablassend behandelt, ihnen wurde mangelndes technisches Verständnis und Interesse unterstellt und in vielen Fällen wurde ausschließlich mit dem männlichen Partner gesprochen, obwohl klar war, dass die Frau das Auto möchte. Und es auch bezahlen wird. Ulrike Aichhorn: "Es ist erstaunlich, wie sehr Frauen in diesem Bereich einfach noch immer unterschätzt werden. Und die Wirtschaft macht hier einen großen Fehler: Sie verschenkt Millionen!"

Es ist wirklich lange her, dass sich eine Frau nur für die Farbe eines Autos interessieren durfte. Heute sind Frauen selbstverständlich so mobil wie Männer, sie arbeiten, pendeln, verbringen ihre Freizeit zwischen Wald, See und Kurztrip nach Italien. Und sind kaufkräftig.

Lifestyle-Konfigurator


Mercedes-Chef Dieter Zetsche hat diese Tatsache nun in die Konzern­strategie aufgenommen. "Frauen sind das neue China", so seine Parole seit Herbst 2015. Eine erste Folge daraus: die She’s Mercedes-Kampagne. Ihr Ziel: "Wir wollen den Anteil weiblicher Kunden signifikant erhöhen und Mercedes bis 2020 zur attraktivsten Luxus-Automarke für Frauen machen", sagt Jens Thiemer, Marketingchef von Mercedes-Benz Pkw, in der Tageszeitung Die Welt. Und Ulrike Aichhorn sagt: "Frauen interessieren sich nicht für ein ,Einkaufswagerl‘, ihre Top-Marken sind Audi, BMW, Mercedes und Porsche. Dazu kommt ein Rieseninteresse für Elektro- und Hybridautos" – so das klare Ranking der Umfrage, die mit mehr als 500 Frauen in Österreich, Deutschland und der Schweiz durchgeführt wurde.

Zuhören und auf die Bedürfnisse eingehen ist also beim Autokauf der Schlüssel zum Erfolg bei Frauen. Die She’s Mercedes-Kampagne zielt noch auf ein zweites feminines Thema ab: Ästhetik und Lifestyle. Herzstück ist ein Online-Konfigurator, der sich zuerst einmal für die Lebensumstände der Kundin interessiert. Man gibt ein, welche Sportart man betreibt, welchen Architekturstil man gut findet und so weiter. Am Ende spuckt ein ­Algorithmus fünf Modelle aus.

Green Energy is female

Doch egal, ob Frauen oder Männer: Der stärkste Auto-Trend 2016 ist "grün" – getragen von zwei Säulen: niedrigem Spritverbrauch und einer immer besser werdenden Hybridtechnik. Die deutsche Plattform Ökotrend hat ein umfassendes Bewertungssystem für Automodelle entwickelt, wobei nicht nur der Verbrauch, sondern die gesamte Autoproduktion samt Lebenszyklus mit eingerechnet wird. Gewonnen hat für das Jahr 2016 – zum dritten Mal in Serie – BMW.
Die Top-3-Modelle: der BMW i3 Range Extender, der Toyota Yaris Hybrid und der Toyota Prius (oeko-trend.de).

Porsche und Tesla

Und was ist los bei Tesla, dem Pionier des Autos einer neuen Generation, der laut ­Forbes-Magazin 2015 das weltweit innovativste Unternehmen war? Das teure Elektroauto, mit dem auch Oscar-Preisträger Leonardo DiCaprio ziemlich gerne posiert, kam im Sommer bei uns mit seinem ersten Flügeltürer auf den Markt. Das Model X, ein mindestens 93.000 Euro teures SUV, das bis zu 250 km/h rein elektrisch schaffen will, hat mit seinen „Falcon Wings" für Schlagzeilen gesorgt. Auf dem Genfer Auto-Salon Anfang März ließ das Silicon-Valley-Unternehmen einen ersten Blick auf das Zukunftsauto zu. Was für weniger betuchte Autokunden jedenfalls hängen bleibt: der Neid-Faktor. Und den muss man sich in der Autoindus­trie hart erarbeiten. Das zeigt, dass Umwelt-Innovationen mittlerweile genauso hip sind wie der Statusgedanke eines guten alten Porsches.

Im Traditionshaus tut sich übrigens auch einiges. Dort hat man nämlich 20 Jahre nach dem allerersten Boxster ein Revival eingeläutet. Der neue heißt 718 Boxster, hat 300 PS und soll durch weniger Zylinder auch weniger verbrauchen (bei uns seit 30. April auf dem Markt). Und die große E-Sensation soll es bei Porsche bis Ende des Jahrzehnts geben. Dann will man einen Elek­tro-Sportwagen mit mehr als 600 PS auf den Markt bringen. Für dieses 700-Millionen-Euro-Investment hat die Volkswagen-Tochter nun das Okay bekommen. Es scheint also fix: Die Zukunft des Autos ist grün – in allen Preisklassen und egal, ob für Frau oder Mann.

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