Blinde Frauen ertasten Brustkrebs

Weil es zu wenig Mammografie-Geräte gibt, leisten blinde Frauen in Kolumbien wichtige Arbeit in der Früherkennung von Brustkrebs.

Sie ertasten selbst die kleinsten Knötchen: In Kolumbien arbeiten erblindete Frauen gemeinsam mit ÄrztInnen in der Brustkrebs-Früherkennung. Nach der Methode eines deutschen Arztes wurden die Frauen zu medizinischen Assistentinnen ausgebildet. Dank ihres verschärfter Tastsinnes können sie ohne teure Apparate schon früh die ersten Anzeichen von Brustkrebs erkennen.

Fünf blinde Frauen wurden im Zuge des Projektes "Hands Save Lives" ausgebildet. Seitdem haben sie mehr als 900 Patientinnen untersucht und liefern bessere Ergebnisse als herkömmliche Tests. In dem südamerikanischen Land fehlen oft die nötigen Geräte für eine Brustkrebsuntersuchung, MedizinerInnen müssen auf manuelle Untersuchungen vertrauen. Und hier können die Frauen Beeindruckendes leisten: "Ihre Untersuchung ist aufwendiger und erfordert mehr Zeit. Bei unseren Patientinnen erzeugte dies Wohlbefinden und Trost, was bei einem Arzt mi traditionellen Methoden nicht der Fall war", sagt Projektleiter und Chirurg Luis Alberto Olave der APA.

Verschärfter Tastsinn hilft bei der Früherkennung von Brustkrebs

"Menschen, die gut sehen, lassen sich von dem leiten, was sie sehen. Ich orentiere mich sehr an dem, was ich ertaste und höre", sagt die 26-Jährige Leidy Garcia. Was sie und ihre KollegInnen tatsächlich zu leisten vermögen, zeigen klinische Untersuchungen. Bei der Selbstuntersuchung können Frauen 15 bis 20 Millimeter große Knötchen finden, Ärzte etwa 10 Millimeter große. Die Tastuntersucherinnen erkennen bereits 8 Millimeter große Geschwulste.

Vor ihrer Ausbildung zu medizinischen Assistentinnen waren die Frauen arbeitslos - wie 62 Prozent der 500.000 Sehbehinderten in Kolumbien. TastuntersucherinGarcia nennt ihren Job "ein Geschenk des Himmels". Im Laufe des Jahres sollen noch weitere Assistentinnen ausgebildet und eingestellt werden - eine Chance für die erblindeten Frauen und ihre zukünftigen Patientinnen.

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