Bleiben Sie dran!

Wer durchhalten will, muss eine Menge aushalten. Aber wer nach einem langen Aufstieg am Gipfel steht, lernt: Die Sicht von ganz oben ist unschlagbar geil.

Wer durchhalten will, muss eine Menge aushalten. Klar, das ist ein Showstopper. Aber wer nach einem langen Aufstieg am Gipfel steht, lernt: Die Sicht von ganz oben ist unschlagbar geil. Hier lesen Sie, was Ihnen ein langer Atem noch alles bringt.

Text Petra Hauk Fotos Elisabeth Handl/ fotosoesin.com

Durchhalten! Das sagte mein Papa immer auf langen Autofahrten, wenn Rechtsranfahren für eine Pinkelpause grad’ nicht ging. Ich machte Bekanntschaft mit dem ersten Vorhof der Hölle und dachte damals stinkesauer: Durchhalten ist ja wohl die dümmste Erfindung der Menschheit! Wenn ich das hinkriege, kann’s ab jetzt nicht mehr schlimmer kommen. Von wegen. Und wie das geht. Ganz leicht sogar. Zum Beispiel: die magische Kohlsuppen-Diät durchziehen, einmal in der Woche das Dinner canceln, Rauchen aufgeben, Yoga anfangen – da braucht man einen Bist-du-gelähmt viel längeren Atem als anno Schnee mit voller Blase. Der Anfangsdrive bei all diesen Vorhaben ist noch super. Man ist so motiviert, dass man seine Energie am liebsten in Flaschen abfüllen und verkaufen würde: Vitamine shoppen am Naschmarkt – Kinder, das macht Lilalaune! Yoga-Mode von Christy Turlington – ach, ist die schick, und wie man sich das alles viel leichter leisten kann, seit man die Tschick, pfju!, endlich gestrichen hat! Kurz, man fühlt sich wie ein Kandidat für die Seligsprechung. Aber kaum hat man die Kursänderung überall herumerzählt, pirscht sich eine gemeine Frage an unser Size-Zero-Durchhaltevermögen heran: Warum das Schwierige mit dem Mühsamen verbinden? Vorher war’s so übel nicht, ja, irgendwie einfacher. Und schon fädeln wir nach der Zwischenbestzeit elegant beim Tor Gewohnheit ein. Peng, Bauchfleck.

Wäre ich Hillary Clinton, Donald Duck oder Rocky, dann wäre Durchhalten ein Klacks. Wenn es diese Leute auf den Schnabel wirft, tuckern sie weiter wie der Duracell-Hase. Bewundernswert. Woher haben die dieses Stehaufmännchen-Gen? Und die wichtigste Frage: Was bringt’s denn eigentlich? Eine Antwort holt man sich am besten von einem, der den langen Atem zum Beruf gemacht hat: Thomas Bubendorfer, Extremkletterer und nicht zufällig Motivationscoach, beschreibt mit dem Bergsteigen gleichzeitig das Prinzip und die Grundlagen des Durchhaltens: „Worum geht es beim Bergsteigen? Um etwas sehr Einfaches: um das Nichtabstürzen. Was muss der Bergsteiger dafür leisten? Er muss hohe Eigenmotivation aufbringen, er muss große Verantwortung übernehmen, er muss sich Ziele setzen – und dafür tiefgreifende Entscheidungen treffen.“

Wie man so eine Bergtour angeht? Zuerst die richtigen Fragen stellen. So definiert man ein Ziel. Also zum Beispiel: Welchen Preis muss ich zahlen, wenn ich weiterhin den Weg des geringsten Widerstands gehe? Wie geht’s meinem Selbstvertrauen damit? Würde sich meine finanzielle, berufliche oder familiäre Situation verbessern? Sobald man ein Ziel hat, sagt Thomas Bubendorfer, soll man es gleich wieder vergessen. Klingt paradox, aber: „Gipfel besteigt man Schritt für Schritt, in der Gegenwart. Der Gipfel ist auch kein Endziel, so wenig wie der einzelne Schritt ein Endziel ist. Es gibt nur Ausgangspunkte, jetzt und hier.“ Psychologen nennen das die Strategie der kleinen Schritte: realistisch bleiben, nicht zu viel auf einmal verändern wollen, gut erreichbare Zwischenstopps einlegen, lieb zu sich selber sein. Also: Abendessen ausfallen lassen, dafür aber Kino. Na bitte, geht doch!

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Durchhalten in der Beziehung, im Job, im Sport: Wie's geht und wer es geschafft hat, lesen Sie in der April-Ausgabe der WIENERIN.

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Der Rote Faden: Am besten, man macht's wie die Bergsteiger – die halten sich auch immer irgendwo fest ...

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