Black Widow: Frauen erkämpfen sich ihre Selbstbestimmung zurück

Wir haben uns den neuen Black Widow angeschaut. Marvel setzt auf Feminismus, Solidarität unter Frauen und endlich zusammen gebundenen Haaren in Kampfszenen. Und ACHTUNG: Dieser Artikel ist voller Spoiler.

Black Widow: Frauen erkämpfen sich ihre Selbstbestimmung zurück

Superheld*innen-Filme sind oft geprägt von vielen und lauten Bums, Krach, durch die Luft fliegende Held*innen und ein Happy End, wenn die Held*innen es ganz, ganz knapp schaffen doch noch zu gewinnen und die Menschheit zu retten. Was man dabei selten sieht ist, dass Frauen über eine unfreiwillige Hysterektomie sprechen, dass die heißen, weiblichen Sexsymbole eine Geschichte und Vergangenheit bekommen oder Frauen Solidarität zeigen. All das und noch viel mehr bekommt man in Black Widow. Der Film der Marvel Serie, der Natascha Romanoff (Scarlett Johansson) endlich eine Story gegeben hat, nachdem sie in sieben Filmen als heißer Side-Kick aufgetaucht ist, war dringend nötig.

Vom leblosen Objekt zur Heldin

Auf einmal hat sie eine Vergangenheit, die erklärt wieso sie ist wie sie ist. Als sie das erste Mal im Marvel-Universum aufgetaucht ist, wurde sie nur als heißer Beiwagen gehandelt. "Ich will eine", sagt Tony Stark zu Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) nach ihrer ersten gemeinsamen Szene, als sei Natascha ein lebloses Objekt, das nur zu seinem persönlichen Vergnügen dient. Und diese Darstellung zieht sich durch die Filme.

Praktisch und mit einem Funken Realismus

Black Widow ist anders und erstaunt mit unerwarteter Tiefe und einem gewissen Humor, der die bisherige Darstellung aufs Korn nimmt. Man spürt, dass hier eine Frau (Cate Shortland) für die Regie verantwortlich war. Schon allein deshalb, weil keine der Darstellerinnen jemals mit offenen Haaren kämpft oder dabei hohe Schuhe trägt.

Die Frauen sind ausgebildete Spioninnen und Kopfgeldjägerinnen und so verhalten sie sich auch. Haare aus dem Gesicht, praktische Kleidung, Nataschas Schwester Jelena (Florence Pugh) schwärmt in einer Szene darüber, wie viele Taschen ihre neue (nicht besonders stylische) Weste hat und was sie darin alles verstauen kann. Und Jelena ist es auch, die ihre Schwester Natascha damit aufzieht, dass sie immer kämpfe, als würde sie davon ausgehen, dass die ganze Welt ihr zusieht. Sie hat bestimmte Posen. Sieht gut aus.

Ist es überhaupt Fiktion?

Jelena bringt das Gespräch dann mit ihrem Vater auf die unfreiwillige Hysterektomie. Auf die Frage ob sie ihre Tage hätte, erklärt sie, dass den weiblichen Spioninnen der Black Widows die Geschlechtsorgane entfernt werden, damit sie sich nicht mehr fortpflanzen können. Und obwohl es eine leichte Szene sein soll, so liegt doch viel Tiefe darin, die sich den gesamten Film durchzieht.

Es geht um Frauen, die nicht über ihr eigenes Leben, ihre Gedanken und ihren Körper bestimmen dürfen. Es geht um ein System, in dem sie gefangen sind und gar nicht daran denken raus zu wollen, weil ihre Gedanken das nicht zulassen. Sie machen, was ihnen gesagt wird, was sie gelernt haben und erst die Stärke von weiblicher Solidarität führt dazu, dass sie es schaffen, dass sie ausbrechen. Frei sind, ihre eigenen Entscheidungen treffen. Es klingt fast nicht nach Fiktion.

Körperliche und sexuelle Selbstbestimmung

Manche von ihnen, wie Jelena, bleiben Spioninnen. Nicht weil sie müssen, sondern weil sie sich selbst dazu entscheiden das zu tun. Selbstbestimmung ist in diesem Film ein Thema, das sich durchzieht. Dabei sind die Frauen in diesem Film nicht weniger sexy. Könnten Florence Pugh und Scarlett Johansson ohnehin nicht sein.

Doch es ist ein anderer Blick, wie Regisseurin Cate Shortland gegenüber Refinery29 erklärt: "Es ging darum, Johansson dazu zu bringen, sich ihre Sexualität zu eigen zu machen. Ich wollte sie erotisieren, aber ich wollte, dass es zu unseren Bedingungen geschieht. Im Grunde genommen ist Nataschas Sexualität gefährlich, weil wir sie so begehren. Ich wollte das wegnehmen und sagen, dass es eine Form von Schutz ist. Das ist ihre Rüstung. Und wenn Frauen diese Rüstung tragen, ist darunter ein Misstrauen, weil man sein wahres Ich nicht offenbaren kann. Es ist ein Teil von ihr; es definiert sie nicht."

Black Widow

Mehr davon!

Wir wollen mehr davon! Bitte Marvel! Denn Superheld*innen-Filme sind lange nichts, was nur Männer gucken und nur Männern gefällt. Im Gegenteil. Aber bei einem Film wie Black Widow macht es gleich noch viel mehr Spaß. Man fühlt sich als Frau gesehen und gehört. Und das erste Mal bei einem Superheld*innen-Film (seit Wonder Woman) denke ich mir: Ich wäre gerne ein bisschen mehr wie Jelena oder Natascha. Und das ist mir noch nie passiert!

 

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