Biutiful

Im flüchtigen Moment des Abschieds erkennt der todgeweihte Uxbal (Javier Bardem) überraschend die Schönheit des Leben. Großstadt-Poesie von Alejandro González Iñárritu (Babel).

Der Kriminelle Uxbal (Javier Bardem) liebt sein Leben, auch wenn es randvoll mit Dreck gefüllt ist: Die Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, der Job am Rande der Legalität und selbst seine gammelige Wohnung in einem hauptsächlich von bitterarmen, ausländischen Einwohnern bewohnten Vorort El Raval von Barcelona ist am Rande der Zumutbarkeit.

“Die Realität tanzte vor meinen Augen mit der Fiktion.“
Alejandro González Iñárritu, Regisseur.

Uxbal vermittelt gegen Provision illegale ausländische Billiglöhner an spanische Arbeitgeber. Ein Herz hat er trotzdem. Vor allem für seine zwei minderjährigen Kinder Ana und Mateo. Maramba (Maricel Ávarez), die Mutter der beiden, leidet an einer bipolaren Störung und ist nur teilweise zurechnungsfähig. Mehrfachbelastungen, Stimmungsschwankungen und Begegnungen mit der Polizei ist Uxbal gewohnt, Schläge steckt er ein, diesen nicht: Bei einer zufälligen Routineuntersuchung wird bei ihm Krebs im Endstadion diagnostiziert. Schwerer als die Angst vor dem Tod wiegt jedoch Uxbals Gewissen.

Ihm bleiben noch ein paar magere Wochen um seine Angelegenheiten zwischen Baumafia, der berechtigten Verzweiflung der Illegalen und der Hilflosigkeit seiner verlorenen Kindern in Ordnung zu bringen. Ohne einen Funken Selbstmitleid kämpft Uxbal wie ein verletztes Tier gegen die Sünden seiner Vergangenheit und für einen Abschied in Würde und Menschlichkeit.

Biutiful ist in jedem Fall eine Zerreißprobe. Von der Fachpresse mit einer Oscar-Nominierung und dem Darstellerpreis in Cannes 2010 ebenso bejubelt wie als überfrachtetes Passionsspiel verstoßen, bewegt Iñárritus hochemotionales Spiel von Licht und Schatten nachhaltig. Die Bitterkeit des Elends im multiethnischen Vorort El Raval ist spürbar real und daher kaum erträglich. Ausgerechnet der finstere Schattenmann Uxbal wird auf seiner spirituellen Reise von der einen in die andere Welt vom Menschenhändler zur Lichtgestalt. Im Schatten des herannahenden Todes darf die ganze Schönheit und Erhabenheit des Lebens für einen kurzen Augenblick aufflackern, bevor der Held seine Bühne verlässt. Wenigstens in diesem Punkt sind sich alle einig: Javier Bardem ist ein Schauspieler mit geradezu übermenschlicher Kraft und Präsenz.

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