Bitch Melbas Herzstation

Ihre persönliche Klagemauer heißt Bitch Melba. Diesmal: vom richtigen Umgang mit Dramaköniginnen, Regieanweisungen für den Morgen danach und Begegnungen mit dem Ex.

Liebe Freundin der italienischen Oper!
Betreff: Drama-Queen

Tsss, die Frauen, liebe Melba. Sie spricht nicht mehr mit mir, retourniert auch keine SMS, wo ich eh schon auf den Knien rutsche, ignoriert meine Anrufe. Und das ganze Drama aus einem so banalen Grund: Ich habe unseren Einjahrestag vergessen. Ich meine, man hat ja wirklich ansonsten schon genug Termindruck, es kann doch jetzt wirklich nicht ihr Ernst sein, dass sie wegen so eines Minilapsus dermaßen auszuckt. Schließlich bin ich doch kein Buchhalter unserer Liebe. Was soll ich tun? Ich liebe diese Frau, aber sie nervt mich mit ihrer Engstirnigkeit. Und ihrem Hang zur Drama-Queen. Es könnte doch alles so einfach sein! Mit der Bitte um Trost und Orientierungshilfe
verbleibt ein verwirrter Harry.

Dear Harry!

Frauen haben zwar keine Modelleisenbahn-Anlagen in ihrem Hobbykeller aufgebaut und verwehren sich auch sonstigen perversen Freizeitbeschäftigungen wie dem Fliegenfischen oder der Moorhuhnjagd, aber sie sind auch kindisch. Nur anders. Zum Beispiel lieben sie es, wie Prinzessinnen behandelt zu werden. So ein Prinzessinnenbad kann auch nur von kurzer Dauer sein, aber sollte in regelmäßigen Abständen doch von der gegnerischen Partei betrieben werden. Zum Prinzessinnenprogramm gehört die Beachtung von Fest- und Gedenktagen – Valentinstag, Jahrestage (Hochzeit, Kennenlernen, erster Geschlechtsverkehr, warum nicht, etc.) und natürlich der Geburtstag, dessen alljährliche Wiederkehr einen auch nicht in Erstaunen versetzen sollte. Und zu diesen Anlässen brauchen Frauen ein kleines Brimborium – weiße Rosen, einen kuscheligen Tisch in einem obszön überteuerten Restaurant und möglicherweise auch einmal ein kleines schwarzes Samt-Etui mit glitzerndem Inhalt. So einfach ist das. Einfacher geht’s eigentlich gar nicht. Sollten noch Fragen offen sein, zögern Sie bitte nicht bezüglich einer erneuten Kontaktaufnahme.
Arrivederci
Signora Melba


Missis Melba!
Betreff: Ex-Alarm

Jetzt ist der Supergau aller Supergaue eingetreten. Mein Ex hat eine Neue. Und zu allem Überfluss sieht diese Frau auch noch nicht aus wie etwas, was die Katze von draußen hereingebracht hat. Der Zufall neigt ja durchaus zur Gnadenlosigkeit und irgend-wann werde ich den beiden auf der freien Wildbahn begegnen. Wir leben nämlich in einem Kuhdorf im Mostviertel, d.h. das Angebot an Amüsierstätten ist ziemlich überschaubar. Wie soll ich mich am besten verhalten? Hilfe, jetzt!
Die Karin aus dem Mostviertel

Liebe Mostviertel-Karin!
Die perfideste Variante vorweg. So könnten Sie nämlich den Samen des Misstrauens in diesem noch so jungen Glück säen. Bedanken Sie sich bei ihm für den emotional so wahnsinnig tollen Brief“, den er Ihnen natürlich nicht geschickt hat, und für den Strauß peachfarbener Vivaldi-Rosen. Und angesichts ihrer betretenen Miene entschuldigen Sie sich bitte bei ihm für Ihre Unachtsamkeit. Variante B: Sie ignorieren Ihren Ex und wenden sich gleich an Ihre Nachfolgerin, mit so was wie: „ Bitte nur mild würzen. Er neigt bei Schärfe zu Schweißausbrüchen. Und Blähungen!“ Gutes Gelingen wünscht Ihnen
die alte Melba


Liebe Frau Bitch!
Betreff: The Morning After

Vorspiel, Hauptteil, alles kein Problem. Da wird man ja noch von gewissen Instinkten geleitet, aber dann … Dann kommt dieser Morgen danach. Man wacht neben einem Mann auf, den man vielleicht doch näher kennenlernen möchte, und befindet sich aber auf einem regelrechten Tretminenfeld. Denn jetzt, ernüchtert und bei knallhartem Tageslicht, wird man natürlich weit genauer unter die Lupe genommen. Sie wissen doch, wie Männer ticken. Bitte um ein paar rundregeln! Seien Sie meiner vorauseilenden Dankbarkeit versichert.
Ihre Hilde, die Wilde

Wilde Hilde!
Wenn ich wüsste, wie Männer wirklich ticken, wäre ich Multimillionärin und würde in den Selbsthilfehöllen der Buchläden stapelweise meine Ratgeber an die Frau bringen. Aber ich will Sie jetzt mit Ihrer Morgenproblematik nicht im Regen stehen lassen. Hier fünf eherne Fettnäpfchen, in die Sie unter allen Umständen nicht treten sollten: 1. Seinem Dingsda Tiernamen wie Godzilla oder Strolchi zu geben. 2. Ihn zu fragen, wann Sie endlich alle seine Freunde kennenlernen werden. 3. Ihm den Vorschlag zu machen, dass Sie ihn heute Abend vom Büro abholen werden, damit man sich nach dieser heftigen Nacht gemeinsam einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher gönnt. 4. Mit tadelndem Blick den Lurch
unter seinem Bett zu betrachten und dann so was zu sagen wie: „Höchste Zeit, dass hier eine Frau nach dem Rechten sieht.“ 5. Endloses Kuscheln – während wir Weiber im Stadium postkoitaler Vertrotteltheit dazu tendieren, wie hilflose Klammeräffchen am Mann zu kleben, kriegen Männer in der Viertelstunde danach oft Beklemmungszustände angesichts dieser Überdosis an Emotionen. Die Ursache für diese Art der Näheparanoia kann ich Ihnen leider nicht erklären. Da müssten wir jetzt eine Standleitung zu Gott legen und dafür habe ich leider das technische Know-how nicht. In der Hoffnung, Ihnen dennoch gedient zu haben, verbleibe ich mit den herzlichsten Grüßen
Ihre Melba

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