Bitch Melbas Herzstation

Ihre persönliche Madame Kummer Bitch Melba liefert Trost und Rat für Verzweifelte jeglicher Nuancierung. Diesmal Hilfe für Coolness-Paniker, Silvester-Paranoiker und Frauen, die der Zickensimulation überdrüssig sind.

Dear Problem-Lady!
Betreff: Frühzeitiges Erwachsenwerden

Ich habe heuer gelernt, vom Frühbucherbonus zu profitieren. Ein Wahnsinn! Fast bin ich ein bisschen stolz auf mich. Ich besuche regelmäßig eine Pilates-Klasse, um Rückenschmerzen und späterer Inkontinenz vorzubeugen. Ich bin entsetzt, dass Phil Collins bei einem Fernseh-Auftritt wie ein glücklicher Vorsorge-Rentner wirkt. Weggaloppierender Haaransatz und so. Andererseits war „ Genesis“ schon immer eine ziemlich uncoole Pop-Gruppe. Vielleicht sehe ich auch schon so ähnlich aus. Minus der Vorsorge natürlich. Nur wagt keiner, es mir zu sagen, dear Problem-Lady! In jedem Fall mache ich jetzt an Wochenenden so Sachen wie Ausflüge aufs Land mit lieben Freunden und lasse den Tag bei einer Weinprobe ausklingen. Diese lieben Freunde sind in der Regel medizinische Problemfälle auf zwei Beinen. Gicht, Arterienverkalkungen, auch diverse Bandscheibenvorfälle etc. Man tauscht Adressen von Ärzten aus. Früher hatte man keine lieben Freunde, sondern Waffengeschwister für Exzesse aller Art. Noch habe ich keine Haustiere und fahre keinen VW-Passat. Noch bringe ich bei Karaoke-Veranstaltungen nicht „Born To Be Alive“ mit begleitendem Ausdruckstanz zum Vortrag. Aber viel fehlt nicht. Ich studiere die Sonderangebote in den Postwurf-Sendungen. Ich habe urvollspießige Silberrahmen auf meinem Kaminsims drapiert. Dearest Problem-Lady! Verspießere ich mir unter der Hand? Darf ich mich ob diese superuncoolen Attitüden überhaupt noch ein bisschen gerne haben? Ist es jetzt wirklich Zeit geworden, erwachsen zu werden?

Liebe Spießer-Paranoide!
Wahre Coolness hat vor allem mit Gelassenheit zu tun. Und bemühte Coolness ist so ziemlich das Uncoolste, was man sich vorstellen kann. Schließlich wäre es ziemlich ungelassen, in unserem Alter (35plus?!) in einem „Ich-habe-zwei-gewichtige-Argumente“-T-Shirt auf Kaschemmen-Tischen zu tanzen. Diese T-Shirts gehören sofort in den Humana-Container geschleudert. Aber zwischendurch dürfen Sie dem Leben ruhig noch immer ein ganz klein wenig die Zunge herausstrecken. „ Es kommt immer auf die richtige Mischung an“, sagte schon der Barkeeper meines Vertrauens.


Hilfe, Frau Melba!
Betreff: Jahreswechselbeschwerden

Warnung an alle! Sollte mich noch einer fragen, was ich heuer zu Silvester mache, bekommt er von mir das gesamte Eva-Herman-Opus geschenkt. Ich kann nämlich noch ganz anders. Silvester hab ich ungefähr so lieb wie schrumpelige Milchhaut auf kaltem Kakao. Woody Allen hat einmal als größten Vorteil der Onanie die Tatsache gepriesen, dass man immer ein Rendezvous zum Jahreswechsel hat. Für solche Erkenntnisse beschäftigt der Mann bis zu elf Therapeuten gleichzeitig. Ich brauche keinen Shrink. Nur ein bisschen Frieden, während der Rest der Welt sich zu zwangsverordneter Fröhlichkeit zusammenrottet. In fesch adaptierten Köhlerhäuschen im Weinviertel. Beim Hüttenzauber im Lungau. Und so. Igitt! Mit mir nicht! Mir stehen diese Papphütchen einfach nicht. Und niemand will das einsehen. Was soll ich nur tun?
Eine Zerrüttete

Geschätzte Zerrüttete!
Bleiben Sie zu Hause. Am besten mit gleichgesinnten Silvester-Paranoiden. Was Weihnachten für die dysfunktionale Familie ist, ist Silvester für den/die Beziehungsgeschädigte. Ein schönes Glas Rotwein, von diesem Nuttensprudel bekommt man ohnehin nur Sodbrennen, etwas Fischsalat, „ Dinner for One“ glotzen, früh schlafen gehen. Und irgendwann wachen Sie dann auf und Sie haben es hinter sich. Bis zum nächsten Jahr. Mehr gibt’s dazu eigentlich nicht zu sagen. Wohl bekomm’s, meine Liebe.
Ihre gleichgesinnte Melba


Hey, Melba!
Betreff: Liebes-, nicht leidensfähig

Es hat mich schon mehrfach auf die Gosch’n gehaut, mit den Herren Männern. Und jetzt, jetzt hab ich mich wieder verliebt. Und zwar mit vollem Karacho. Diesmal wollte ich auch alles richtig machen. Deswegen offen, ehrlich, meine Türen stehen weit offen. Doch genau in dem Moment, in dem ich begonnen hab alles zu geben, und zwar ohne Wenn und Aber, hat sich der Mann zurückgezogen. Ist oft tagelang nicht zu erreichen, antwortet mir nicht auf meine SMS. Es ist zum kerzengerade in die Höhe sch…, entschuldigen Sie die recht derbe Ausdrucksweise. Muss ich wirklich wieder diese öde Zickennummer abziehen, die ich schon bis hier habe? Es ist schon so fad. Ich will, dass endlich einmal alles normal ist.
Rita Ratlos aus dem Rochusviertel

Liebe Rita!
Ich versteh’ ganz genau, was Sie meinen. Nur: Wir reden hier von Männern, meine Liebe. Das sind diese Kinder mit Schulden, Sie erinnern sich. In dem Moment, in dem die sich in Sicherheit wiegen, haben Sie schon verloren. Das heißt: Wir müssen uns bis ins hohe Alter so wie mit dem Hansi-Burli seinerzeit im Pausenhof benehmen. Deppert wegschauen funktioniert nun einmal seit Zillionen Jahren als erotisches Stimulans beim anderen Geschlecht. Wohldosiertes deppertes Wegschauen, weil irgendwie muss ja auch einmal ein Leuchtfeuer der Hoffnung blinken. Die Liebe ohne Kalkül und Strategie, die können wir uns an die Wand pinseln. Tut leid, Überbringer dieser schlechten Nachricht zu sein: Aber Sie werden noch im Sarg deppert wegschauen müssen, wenn Ihnen der Pompfüneberer nur ein bisserl gefällt.
Ihre Melba Mühsam

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