Bitch Melbas Herzstation

Trost und Zuspruch, Ezzes und Gemeinheiten – Bitch Melba führt durch die Nahkampfschule des Herzens. Wann benimmt sich ein Mann wie ein Mann? Was heißt schon austherapiert? Und wie schwul dürfen Schwule sein?

Geschätzte Frau Melba!
Betreff: Manieren, Manieren!

Okay, mich durchflutet eine Welle der Wärme, wenn ich den Mann sehe. Er kann lächeln, dass es mir die Schuhe auszieht. Und im Bett?! Was soll ich Ihnen sagen: Da werd’ ich zur höheren Tochter mit niedrigen Instinkten. Aber dann ... da draußen im bebauten Gebiet. Der Mann hat überhaupt keine Manieren. Er lässt mir die Restaurant-Eingangs-tür ins Gesicht knallen; er bestellt den Wein glasweise, er pult nach dem Essen im Mund, um sich die Fleischfasern zu fangen. Von Blumensträußen zwischendurch, und seien sie auch nur von der Tankstelle – keine Spur. Das stört mich immens, und es stört mich mit jedem Tag mehr. Bin ich eine hoffnungslose Spießerin? Was soll ich nur tun?
Hilfe, Iris, die Ratlose

Liebe Iris!

Sie haben keine Ahnung, wie gut ich Sie verstehe. Ein Mann, dessen Decke der Zivilisation äußerst dünn zu sein scheint, ist ja auch wirklich ein Mega-Turn-off. Wir sind zwar emanzipiert und der ganze Kram, aber nach 17 Uhr 45 wollen wir vor allem als Frau behandelt werden. Das heißt: ein Grundsatzgespräch zum Thema Knigge, aber richtig. Und in Folge: unterm Weihnachtsbaum ein Gutschein für ein Privatissimum bei Thomas Elmayer oder irgendeinem anderen Benimm-Cerberus. Überbrückungstechnisch sollte der Mann Lastwagenladungen von überteuerten Schnittblumen herbeikarren, und Demel-Törtchen für den kleinen Hunger zwischendurch. Das kann man ihm leider nicht ersparen. Sträubt er sich, sollte einem das zu denken geben.
Hochachtungsvoll,
Major Melba Knigge


Liebe, hoffentlich austherapierte Frau Melba!
Betreff: Tod den Spielen

Also: Ich bin keiner von diesen üblichen Wham-Bam-Thank-you-Madame-Testosteron-Trotteln, aber auch kein Weichei, denn in diese Schublade wird man ja auch gleich von diversen Pseudo-Emanzen gerne gestopft. Ich bin reflektiert, habe einige Therapien (Psychodrama, Familienaufstellung, Katathymes Bilderleben) absolviert und möchte jetzt auf erwachsenem Niveau eine Frau lieben. Nur: Das wird einem nicht leicht gemacht. Denn das Objekt meiner Begierde kann mit meiner offenen Form der Zuwendung , die ohne Tricks und Täuschungs-manöver auszukommen sucht, überhaupt nicht umgehen. Das ist ungeil, sagt sie. Sie darf sich ihrer Sache nicht zu sicher sein, damit es wieder geil wird. Ist das nicht völlig beknackt? Wie müde ich dieser
Spielchen bin, kann ich Ihnen gar nicht sagen.
Liebe Grüße, Thera-Joe

Hey, Thera-Joe!
Keine Spiele in der Liebe? Unverblümte Direktheit ohne Wenn und Aber? Nicht hinterm Berg halten mit dem eigenen Zuneigungs-Pegel? Eh lieb, aber sind Sie eigentlich Selbstmörder? Natürlich gibt es Momente, in denen man alles sagen darf, was in den Tiefen des Herzens dümpelt. Aber kaum hat man die Tür des Boudoirs hinter sich zugemacht oder ist vom Bidet aufgestanden, sollte man die kleine Trickkiste wieder aufmachen. So sind wir Weiber nun einmal. Funktionieren wie rumänische Tanzbären. Hüpft einer ständig wie ein Jo-Jo-Bällchen mit Spraynelken auf und ab, wenn wir die Ankunftshalle des Flughafens betreten, werden wir irgendwann garstig. Das heißt aber nicht, dass ein bisschen Jo-Jo mit Spraynelken uns nicht doch auch bei der Stange halten könnte. Alles eine Frage von Dosierung und Timing. Die Formel dafür hab’ ich auch nicht. Sonst wär’ ich nämlich Multimillionärin und müsste mich hier nicht als olle Briefkastentante verdingen.
Bon courage,
votre Melba


Duhu, Melba!
Betreff: Schwulenkönigin
Eigentlich wollte ich ja demnächst Dagmar Koller vom Thron der Schwulenkönigin stürzen, aber irgendwie beginnen mir meine Tucken-Freunde langsam gehörig auf die Nerven zu gehen. Schließlich ist die Schlacht um das beste Aussehen schon bei uns Heteros anstrengend genug. Aber dieses Mucki-Getue unter meinen Schwuletten-Freunden, und wer welche Diesel-Jeans trägt, ist a la longue nicht zum Durchdrücken. Bin ich auf dem besten Weg, homophob zu werden?
Eine Frau sieht rosa!

Dear Miss Pink,
Das Phänomen tritt vor allem in Schwarm-Konstrukten (Partys, Abendessen etc.) auf, wo Schwule in der Überzahl sind und man selbst als Quoten-Hetero-Tante eingecheckt wird. In solchen Konstellationen ist Enthemmung angesagt. Wenn Ihnen das Tatütata-Tralala auf den Rettich geht, steigen Sie auf die Bremse und ermahnen Sie Ihre männlichen Freundinnen zu etwas weniger Oberflächlichkeit. Allerdings sagte auch wiederum
Oscar Wilde: „Wer unter die Oberfläche schaut, ist selbst schuld.“ Aber tun Sie mir auf alle Fälle auch einen Gefallen: Kränken Sie Ihre gleichgeschlechtlich orientierten Freunde nicht allzu sehr. Denn: Wer wird dann mit Ihnen an verschneiten Samstagnachmittagen Jane-Austen-Filme ansehen und dabei mitweinen? Wer wird Sie auf Ihren Beutezügen durch die Innenstadt begleiten und angesichts Ihrer fragenden Blicke bei einem obszön
überteuerten Designerfähnchen Ihnen das ersehnte Nicken und die Worte „Greif zu, Darling! Denn damit wirst du noch lange eine Freude haben“ schenken? Na also.
Schluck, Schluchz,
Ihre Pretty-in-Pink-Melba

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