Bitch Melbas Herzstation

Doktor Freud sagte: „Nirgendwo sind wir so schutzlos ausgeliefert wie in der Liebe.“ Und wie recht der Mann hatte – keine Baustelle in unserem Alltag ist so anfällig für Pleiten, Pech, Pannen und Panikattacken. Bitch Melba, nach längerer Auszeit wieder aktiv, meldet sich in miss zurück – um monatlich diejenigen, die in der Nahkampfschule der Herzen unter „friendly fire“ geraten sind, bei der Erstversorgung zur Seite zu stehen.

Liebe Bitch Melba!
Betrifft: Hormonelle Sichtbehinderung
Schön, dass Sie wieder ordinieren. Ihr raubeiniger Mutterwitz hat mir schon gefehlt wie … tja, was eigentlich? Egal: Wo waren Sie so lange? In einem Diogenes-Fass mit (hoffentlich) schöner Aussicht? Im Untergrundkampf für mehr Gin im Tonic? Oder haben Sie im Glück einer krisenresistenten Zweisamkeit geschnarcht? Womit ich schon dezent auf mein eigentliches Anliegen komme. Ich zapple im Würgegriff einer Obsession. Eine Frau mit einem IQ von 90-60-90 geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Beim Aufwachen, Einschlafen und leider auch in der Zeit, die dazwischen liegt, kann ich an nichts mehr anderes denken. Und das, obwohl die Dame meines Verlangens, wie eingangs erwähnt, gerade im Denken gewisse Schwachstellen aufzuweisen hat. Sie gehört zu jener Sorte, die Gladiatoren für langstielige Blumen hält. Dabei ist sie gar nicht blond, sondern nur eine geistige Friseuse. Bin ich ein Vollidiot? Das gute Buch oder das schöne Glas Rotwein, das mir den Sex mit dieser Frau ersetzt, gibt es nämlich nicht. In ungeduldiger Erwartung Ihrer Antwort Herr Franz, Unterpremstetten, Stmk.
Geschätzter Herr Franz!
Sie sind kein Vollidiot, Sie sind ein Mann. Und verfügen über jenen körpereigenen Stoff, der Testosteron heißt. Und in den letzten zwei Millionen Jahren stets als Rechtfertigung und Entschuldigung für nachgerade unentschuldbares Benehmen seitens der Herrenabteilung ins Spiel gebracht worden ist. Wenn Sie jetzt schon einmal diesem geistigen Erholungsgebiet mit angeschlossenem Kurvenreich verfallen sind, geben Sie sich das Programm – und zwar bis zum Abwinken. Denn – auch das hat die Natur sich so ausgedacht – Regelmäßigkeit und stetige Verfügbarkeit führt à la longue zum sicheren Tod jeder Leidenschaft. Und irgendwann werden sich die hormonellen Nebel verflüchtigt haben. Solange Sie sich aber noch im Zustand der Einnebelung befinden, tun Sie mir nur einen Gefallen: Vermeiden Sie es, mit Ihrer geistigen Friseuse das bebaute Gebiet aufzusuchen. Glauben Sie mir, es ist nur zu Ihrem Schutz! Ganz die Ihre Bitch Melba




SOS, Melba!
Betrifft: Rilke-Softie
Seit längerem beobachte ich bei meinem täglichen Morgenkaffee im Café Korb einen jungen Mann, der sich stets in einen Rilke-Gedichtband vertieft. Das erwärmt mir das Herz: Männer, die noch einen Sinn für das Lyrische haben. Das finde ich voll super. Frage: Zu schön, um wahr zu sein, oder mit Sicherheit schwul? In der Hoffnung auf Erleuchtung verbleibe ich Ihre Ingeborg, 1020 Wien

Wertes Fräulein Ingeborg!
Schwule Männer gehen in der Regel dorthin auf Aufriss, wo sich ebenfalls Kollegen gleichgeschlechtlicher Orientiertheit aufhalten. Aus rein pragmatischen Gründen – das verdoppelt ihre Chancen auf einen erfolgreichen Beutezug. Deswegen bin ich guten Mutes, dass es sich bei dem Rilke-Leser um einen lupenreinen Hetero handelt. Allerdings: Obacht, Männer sind raffinierter, als man sich vorstellen möchte. Möglicherweise ist das Lyrikbändchen strategisch eingesetzt und dient nur zur Tarnung der neuen Toni-Polster-Biografie, in die sich der Mann eigentlich vertieft hat. Männer haben inzwischen geschnallt, dass Frauen zu Typen tendieren, die Gedichte lesen, herrenlose Hunde ins Tierheim bringen, ein Instrument (Klavier, Cello) spielen, im Museum bei den richtigen Bildern lachen und ein Wok-Gericht aus der Hüfte zaubern können. Und mit dieser Einsicht könnten sie natürlich auch schamlos umgehen – will heißen, nach außen das Frauenversteherchen markieren, aber im geheimen blutiges Fleisch essen, Modelleisenbahnen bauen, blöd rumfischen und an das eine mit anderen denken. Aber wenn man nichts versucht, kann man auch nicht auf die Nase fallen. Also ran an Rainer Maria!




Hello, Melba!
Betrifft: Astro-Gau
Alles ein Wahnsinn. Bin voll verstört. Gestern mit einem Typen, den ich mir im Netz gefischt hab’, bei einem gemütlichen Sushi gesessen. Das war schon unser zweites First Date. Und wir plaudern so. Alles ganz normal eigentlich. Und dann frage ich ihn (was ist da eigentlich dabei?), was er vom Sternzeichen ist und ob er seinen Assistenten kennt. Und er, der Typ, kriegt einen Schweißausbruch. Bei kaltem Fisch, checkt man das! Und verlangt dann die Rechnung. Aber leider nur die halbe, ur-unhöflich, oder?! Und macht dann den Wolkenstaub. Brauch’ einen Tipp und zwar ganz rasch, ob ich deppert bin oder er? Es grüßt Rita Ratlos (nicht mein richtiger Name, sondern ein Synonym)

Lovely Rita!
Astrologie ist Psychotherapie für die kleine Frau. Ja, auch ich werfe gelegentlich ein Blick in Periodika, ob meine Venus im Koma liegt oder wie lange das Jupiter-Burn-out noch andauern wird! Aber Männer reagieren empfindlich auf diesen Tussikram. Sie finden ihn bescheuert, anti-aufklärerisch und spielverderbend. Und bei Lichte betrachtet ist Astrologie natürlich eine Blondinen-Wissenschaft. Denn wer, dessen Verstand über Kichererbsen-Format hinausläuft, kann allen Ernstes annehmen, dass eine bestimmte Planetenkonstellation zur Minute der Geburt eine bestimmte Auswirkung auf den Charakter hat? Na also. Ich bin übrigens Fisch, falls es Sie interessiert, Aszendent Skorpion. Kein leichtes Los, wie Sie sich vorstellen können. Schützen haben mich stets ins verlässliche Unglück gestürzt. Können Sie mir in der Ursachenforschung ein bisschen zur Seite stehen? Ganz offensichtlich sind Sie astrologisch ja gut ausgeschlafen …
Es schnappt wie immer nach Luft
Ihre Bitch Melba

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