BITCH MELBAS HERZSTATION

Diesmal: penetrantes Liebesgezwitscher, eine hartnäckige Maulsperre und die Frage, ab wann man das Christkind zu dritt empfangen sollte. Ihre Herzensberaterin hat die Antworten.

Betreff: Happy-Couples-Allergie
Liebe Melba!

Ich bin am Ende, rein liebestechnisch betrachtet. Und wie zum Hohn stolpere ich ständig über „ happy couples“. Unlängst erst bei einem Abendessen. Nach dem Dessert blickten die Gastgeber einander tief in die Augen. Er, im Leben ein patenter Arzt, sagte: „Sie gibt mir die Kraft, die ich brauche, um da draußen meinen Mann stehen zu können. Gleichzeitig lässt sie mir auch meine Freiräume.“ Ich überlegte kurz, ob ich mir einen Satz von Tennessee Williams aus „Die Nacht des Leguans“ borgen sollte, der da lautet: „Aufhören, bitte! Ich habe zurzeit keinen einzigen Cent mehr auf meinem emotionalen Nervenkonto.“ Dann die Antwort der Gastgeberin: „Mein Mann braucht einen sicheren Hafen. Den gebe ich ihm gern.“ Ich räusperte mich und raffte mich zu folgender Bemerkung auf: „Famos, dass man nach all den Jahren noch solche Gefühle füreinander hegt.“ In Wahrheit ertrage ich diese Art von Menschen derzeit ganz schwierig. Ist das normal oder habe ich einen Knall? Lilly, Adresse: Am Ende

Liebe Lilly!
In der Phase des ersten Schmerzes ist es völlig normal, dass man diese „Wir sind immer füreinander da“-Konstellationen unerträglich findet. Sie geben einem das Gefühl, dass man noch wertloser ist, als man sich ohnehin gerade fühlt. Nur: Wenn Sie für längere Zeit nur mehr bei Singles-Kränzchen auftreten wollen oder gar in einem Fass mit hübscher Aussicht dem Rest der Menschheit zu entsagen wünschen, würde ich beginnen, mir ein bisschen Sorgen zu machen. Schließlich sind dann die Weichen für Verbitterung und Ulkusfalten gestellt. Und noch ein kleiner Tipp zum Trost: Die Paare, die ständig betonen müssen, wie wahnsinnig viel sie denn nicht füreinander empfinden und wie glücklich sie nicht seien, sind sowieso von Grund auf suspekt. Also: Erholen Sie sich noch ein wenig von Ihrer Bauchlandung und dann zurück ins Leben. Denn wie auch in diesem Fall gilt immer: Man darf sein Glück nicht außer Haus geben.
Mazeltov
Ihre Melba

Betreff: Ist das so schwierig?
Liebe Frau Melba!
Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren! Glauben Männer, dass sie eine Gaumenzäpfchenprellung kriegen, wenn sie die drei Worte sagen? Mein Freund und ich haben bereits neun Monate miteinander verbracht und kein einziges Mal ist ihm der Satz, der Frauen Flügel verleiht, entschlüpft. Und jetzt die noch schlechtere Nachricht: Wann immer ich ihm ein beherztes, ehrliches „Ich liebe dich“ hinhauche, antwortet er a) „Mhmmm…“, b) „Das ist schön!“ oder c) „Bist du dir auch sicher?“ Nicht einmal ein „ Ich dich auch!“. Wie bedenklich ist die konstante Verweigerung des Satzes aller Sätze?
Desperate Doris

Liebe verzweifelte Doris!
Ich verstehe Sie so was von gut, es ist ja auch zum Spitze-Schreie-der-Verzweiflung-Ausstoßen. Nur: Männer ticken einfach anders. Zunächst finden Sie, dass Ihre pure Anwesenheit schon Liebesbeweis genug ist. Was muss dann auch noch groß die Farbkarte der Zuwendung bebrabbelt werden, denkt er sich, der Mann. Aber dass nach neun Monaten noch kein einziges Mal das Ohrenjuwel aus seinem Mund erklang, stimmt mich jetzt doch etwas bedenklich. Hatte der Mann eine schwere Kindheit? Hat er Fremdwährungskredite auf Franken-Basis? Das wären Entschuldigungen, die man für diese emotionale Verkarstung noch geltend machen könnte. Sprechen Sie ihn doch direkt einmal an, ob Sie nur als emotionale Zwischenlösung in seiner Beziehungsbiografie firmieren? Wenn er dann verlegen herumzudrucksen beginnt, gibt es nämlich nur mehr ein Gas, und zwar Vollgas. Nichts wie weg!
Mutti Courage

Betreff: Weihnachtspanik
Geschätzte Frau Melba!

Mir ist bereits jetzt schlecht. Nur mehr 35-mal schlafen, dann steht das Christkind vor der Tür. Ich bin frisch geschieden; unsere sechsjährige Tochter lebt natürlich bei meiner Frau. Und schon – wir Männer sind ja keine ewigen Trauerweiden – habe ich mich wieder verliebt, mit vollem Karacho. Und auch diese bezaubernde Frau ist Alleinerzieherin, ihr Sohn ist zehn und mir – bitte nicht weitersagen – durch und durch unsympathisch. Jetzt will sie, dass wir gemeinsam Weihnachten feiern. Wie komme ich aus dieser Nummer raus? Ich will sie nämlich nicht verlieren, aber trotzdem nicht den Stunt-Vati für dieses ungezogene Kind abgeben müssen. Hiiiilfe!
Der unter Stress stehende Georg

Dear Georgie!
Ihr Schutzpatron ist der Drachentöter und da werden Sie doch auch die kleine Kanaille in den Griff bekommen. Was ich Ihnen nur dringend raten kann: Bevor Ihr Liebesverhältnis mit der besten Neuen nicht so richtig unter Dach und Fach ist, würde ich mich an Ihrer Stelle für das Projekt Patchwork noch nicht vereinnahmen lassen. Zuerst einmal „Eat – drink – man – woman“ und dann das Prater-Bowling-Burger-King-Programm. Und was das Tretminenfeld namens Weihnachten betrifft: Klinken Sie sich aus. Buchen Sie sich in einem Wellnessschuppen ein. Denn bei der Ex-Familie wird die Stimmung mit Sicherheit jenseits der Gefriertemperatur liegen und die potenzielle zukünftige Familie ist noch zu vulnerabel, als dass man sie solchen Belastungsproben aussetzen sollte.
Good luck und merry crashmas!
Ihre Weihnachtsfee Melba


Aktuell