BITCH MELBAS HERZSTATION

Warum liebt frau einen Penner? Wie viel Geplapper verträgt die Liebe? Und wie lustig ist Sex, wenn er einmalig ist? Brennende Fragen, beantwortet von Österreichs Herz-Expertin Nummer 1.

Betreff: Kerle/Typfixierung
Liebe Melba!
Für Männer, die aussehen, als ob sie die letzte Woche am Westbahnhof zugebracht hätten, bin ich bereit, mich jederzeit ein bisschen ins Unglück zu stürzen. Der Körper muss nicht auf diese Cornetto-Silhouette getrimmt sein, sollte aber den Verdacht aufkommen lassen, dass er vor Urzeiten einmal heftig geschunden worden ist. Möglicherweise habe ich einen ziemlichen Knall. Aber ich habe diese Schlurf-Obsession schon seit Jahren. Kaum schimmert ein Siebentagesbart im Gesicht eines Mannes und das Hemd hängt ihm ein bisschen raus und das Haar zeichnet sich durch Überlänge und eine gewisse Strähnigkeit aus, kaum hängen die Augen auf Robert-Michum-Halbmast, bin ich bereit, meinen Verstand an der Garderobe abzugeben. Nur: Diese Männer sind meistens so bindungsfähig wie ein junger Flavio Briatore. Wie kann ich meine Typfixiertheit überlisten? Irgendwann möchte man ja auch sesshaft werden.
Isabella, eine etwas erschöpfte Freibeuterin der Liebe

Carissima!
Ich stehe hiermit wehrlos an der Wand. Ich habe kein Gegenmittel. Mir geht es ähnlich. Dieser Spleen manifestierte sich bereits im zarten Alter von acht. Damals konnte man im Samstag-Spätabendprogramm immer wieder diese frühen Clint-Eastwood-Filme betrachten, wo er als namenloser Fremder unter der Ägide von Sergio Leone kantige Einsamkeit verströmte. Und diese Coolness, die auf ein hartes Schicksal inklusive vieler Verletzungen rückschließen lässt. Schon damals beneidete ich Shirley MacLaine (im Part einer Nonne) über die Maßen, dass sie diesen schweigsamen Wilden in den Bergen gesund pflegen und ihm immer wieder kühlende Umschläge auf die heiße Stirn legen durfte. Als sie ihn einmal fragte, warum echte Männer so fasziniert vom Wilden Westen seien, antwortete er: "Der Wilde Westen bedeutet für einen Mann das Gleiche, was Paris für eine Frau bedeutet." Ist das nicht zum Niederknien? Die Typfixiertheit ist in jedem Fall in unsere Psyche eingebrannt. Frühkindliche Prägung und der ganze Kram. Vielleicht helfen ein paar Therapiestunden. Aber ganz werden Sie sich davon nie befreien können.

Betreff: Terror Grundsatzgespräch
Frau Melba!
Ich kann nicht mehr, ich bin am Ende und ich liebe meine Freundin. Aber sie will dauernd reden, reden, reden. Und zwar über alles Anfallende und noch viel mehr. Warum ich gerade nicht rede. Woran ich wirklich denke. Warum wir seit vorgestern nicht miteinander geschlafen haben. Was ich für eine Mutterbeziehung habe. Was ich denke, wenn ich an sie denke. Ich finde das grauenhaft! Und es nervt Mörder! Wie komme ich aus dieser Blablanummer raus, ohne sie für immer zu verscheuchen?
Der Ernst (nicht der des Lebens, sorry, abgeschmackter Schmäh)

Lieber Ernesto!
Mein Problem ist: Ich verstehe euch beide. Der Hieb von uns Frauen ist, wir wollen jedes eurer Verhaltensmuster, jede kryptische Anmerkung, jeden Blick bis in die kleinste Krümmung kapieren und durchleuchten. Denn je mehr wir von euch wissen, desto weniger könnt ihr uns überraschen. Im Negativen natürlich. Und Information bedeutet natürlich auch Macht. Deswegen müsst ihr mit uns ab und an sprechen. Und nicht nur reden. Und dann stehen wir natürlich auf den ganzen Schmus wie "Ich habe mich noch nie so geborgen gefühlt wie mit dir" oder "Wo warst du mein ganzes Leben lang?". Wenn ihr uns ordentlich süßholzberaspelt, sind wir nahezu wehrlos. Und was gibt es Angenehmeres für Männer von Welt als wehrlose Frauen? Na sehen Sie, es fällt Ihnen nichts ein.
Ihre fürs Schweigen gänzlich unbegabte
Melba

Betreff: One-Night-Stands
Uff, Melba!
Irgendwie stehe ich auf One-Night-Stands, obwohl das Prinzip der Eine-Nacht-Affäre heutzutage nahezu als verwerflich gilt. Leere Kilometer, erhöhte Infektionsgefahr, eigentlich nur mehr was für Männer, die geistig in den späten Achtzigern stehen geblieben sind. Aber dennoch kann ich von der Wonne, dem Moment zu frönen, ohne an eine Fortsetzung zu denken, nicht lassen. Muss ich jetzt rot werden?
Ella, das One-Hit-Wonder

Liebe Ella!
Wir schreiben 2008. Und, ja: One-Night-Stands sind komplett out - so ungefähr wie Capri-Hosen, Kresseschaumsüppchen und Designerkondome mit Papayageschmack. Nur: Wenn Sie so klug sind, wie Sie mir scheinen, scheren Sie sich sowieso Nüsse um In-&-out-Listen. Denn Sie und ich wissen: Am allerkomplettesten out sind In-&-Out-Listen. Jetzt aber zu Ihrer Psychohygiene. Weiß man eigentlich bei so einem One-Night-Stand von vornherein, dass es sich um einen One-Night- und nicht um einen Three-Night-Stand handelt? Und, zweite Fachfrage: Warum mobilisiert man all die Energie, um mit einem Herrn ins Bett zu turnen, für dessen Nummer man nicht einmal einen Speicherplatz in seinem Handy freischaufeln möchte? Was redet man da - vorher, währenddessen und vor allem nachher? "Nett, dass du gekommen bist! Wann sehen wie uns nicht wieder? Ruf wieder an, wenn du die Welt gerettet hast?" Aber Sex fördert die Durchblutung und hält den Beckenboden bei Laune, werden Sie jetzt meckern. Tut mir leid, da bin ich spießig, kleinkariert, verkorkst, aber Sex allein zu einer Sportveranstaltung verkommen zu lassen ist auf die Dauer traurig. "Kindchen, da schreit doch die Kuh!", würde - Gott hab sie selig - Hildegard Knef kläffen, "denn wo in aller Welt bleibt denn hier die Liebe?"
Donna Melba, die unverbesserliche Romantikerin

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