Bitch Melbas Herzstation

Trost & Zuspruch

Liebe Frau Melba,
Betreff: Die Gretl-Frage
Ich bin ziemlich verwirrt. Seit Jahren ist Gretl (so heißt sie gar nicht) meine beste Freundin. Urlaube (auch im selben Bett), Theaterbesuche, Pirschgänge in den besten Bars und so viele intensive Gespräche. Ich dachte, wir kennen einander so gut wie unsere Handtaschen. Und dann unlängst: Wir pfiffen uns bei mir gerade ein paar Folgen „Desperate Housewives“ rein und mampften Pizza mit doppeltem Pfefferoni-Belag. Da räusperte sich Gretl plötzlich, wurde ein bisschen rot und sagte dann: „Gucki, Gucki, ich muss dir was sagen: Ich stehe mehr auf Frauen.“ Einfach so, aus dem Blauen heraus. Ich war schon in der vollen Panik, dass sie sich in mich Hals über Kopf verliebt hat. Aber nein: Es kommt noch schlimmer. Seit über einem halben Jahr unterhält sie jetzt bereits ein heimliches Verhältnis mit unserer gemeinsamen Pedikeuse, die unter uns ein primitiver Volltrampel ist. Bin ich ein reaktionäres A-Loch, wenn ich mich von Gretl jetzt distanziere?
Desperate Michi, Wien, Leopoldstadt

Geschätzte Verzweifelte!
Wenn ich ehrlich bin: ja, ja und nochmals ja. Wahrscheinlich quälte sich Gretl mit ihrem Coming-out schon über Wochen. Es ist ja in unseren Breiten noch nicht so wahnsinnig cool, lesbisch zu sein. Im Gegensatz zu den Schwulen, die mehr Selbstbewusstsein und eine potentere Lobby haben, sind Frauen-Frauen noch immer weitaus verschämter und Coming-out-panischer. Und wir, wir haben in unseren Klischee-Köpfchen noch immer das Lesben-Bild der verklemmten Achselhaarträgerin mit der eigenartigen Kurzhaarfrisur. Völlig vertrottelt. Also kriegen Sie sich auf die Reihe, Michi, und bitten Sie Ihre Gretl um die Toleranz, Ihnen eine kurze Verdauungsperiode zuzugestehen. Dann muss aber Schluss sein mit dem Ich-kann-­damit-nicht-umgehen-­Gezicke. Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert! Mit einem Aufruf zur Strenge mit sich selbst verbleibe ich
Ihre Melba



Liebe, liebe Melba!
Betreff: Unhappy Birthday
Ich bin am Ende, ein Wrack meiner selbst. Meine Freundin hat mir den Wanderstab in die Hand gedrückt. Und das nur deswegen, weil ich ihren Geburtstag vergessen habe. Ist das nicht wahnsinnig übertrieben?
Ein Zerknirschter

Sie Unhold!
Sie haben nichts Besseres verdient. Geburtstag ist wie Weihnachten ist wie Weltspartag: jedes Jahr um die gleiche Zeit. Einen größeren Faustschlag kann man dem Ego einer Frau nicht versetzen, als ihren Ehrentag zu verdrängen. Wenn Ihnen an der Dame auch nur irgendetwas liegt, buchen Sie jetzt ein Jahres-Abo bei Fleurop, kaufen Sie einen Lastwagen voll feinster La-Perla-Wäsche und kleine, schwarze Etuis mit nicht zu nebbichem Inhalt. Und dann besorgen Sie sich eine Tonne feinst gemahlener Asche, die Sie unter dem Absingen herzzerfetzender Lieder auf Ihren nichtswürdigen Schädel streuen!
Stellvertretend in heller Empörung
Bitch Melba



Heyoooo, Miss Melba!
Betreff: Mein Fünfzig-plus-Lover
Also, an sich würde man dem Typen keine 46 geben, dabei ist er Fünfzig-plus-plus. Muckis eins-a und auch bei der rhythmischen Gymnastik keinerlei Klagen. Und ich sagen Ihnen: Der Mann hat auch noch Kultur. Schmort südfranzösische Eintöpfe, kennt sich im Arien-Wesen aus und zwickt sich die Nasenhaare weg. Der Altersunterschied von 28 Jahren wie weggeblasen. Aber dann der Urlaub. Ibiza hab’ ich mir gewünscht. Er wollte eigentlich zum Bergwandern auf Menorca. Das ging also wirklich nicht. Er hat mich gefragt, ob es mir etwas ausmachen würde, wenn seine Tochter mitkäme. Die ist 17, also quasi meine Generation, wenn man es nicht so genau nimmt. „Null Problem“, habe ich gesagt. Und dann hab’ ich mich mit der auch noch super verstanden. Wir sind ein paar Mal gemeinsam in die Disco, auf diese Schaumpartys, wo der meinige ja ohnehin nicht mitwollte. Und früh nach Hause gekommen, also so zum Mittagessen. Da im Süden herrscht nämlich eine ganz andere Lifestyle-Strategie. Da wurde er zunehmend sauer. So sauer, dass er frühzeitig abgereist ist. Nennt man so was Humor?
Ihre Jessica, zu Hause auf der Welt

Hey, Jesserl!
Warum schlafen ältere Männer mit so viel jüngeren Frauen? Es gibt nur eine Antwort: Weil sie Angst vor dem Tod haben. Und diese jüngeren Frauen ihnen die Illusion vermitteln, dass sie die Zeit zurückdrehen können. Mit Ihren kleinen Schaumparty-Exzessen haben Sie Ihren grauen Wolf hart auf den Boden der Realität zurückgeholt. Wenn Sie fair sind, verlassen Sie den Mann in Bälde. Denn offensichtlich sind Sie noch nicht reif für so einen wohltemperierten Lebensstil (klassische Musik am Kaminfeuer, ein schönes Glas Rotwein, ausgedehnte Spaziergänge). Ist ja auch irgendwie logisch in Ihrem Alter. Ehe man sich’s versieht, würde das Gespenst der Langeweile in Ihrer Beziehung Platz nehmen. Und das Leben ist selbst für ein Frühlingshühnchen Ihres Kalibers zu kurz, um sich zu langweilen. Ab in den seelischen Süden und viel Spaß dabei wünscht Ihre Melba



Sehr geehrte Frau Melba!
Betreff: Scheidungsparty
Nächste Woche werde ich geschieden. Irgendwie freu’ ich mich auf die neue Freiheit. Nackt durch die Wohnung tanzen zu einer schönen Hansi-Hinterseer-Ballade, immer Pilcher schauen können, ohne mich um die Fernbedienung balgen zu müssen, kleine Damenschwipse, so viel ich will, endlich im Bett in der Diagonale schlafen, ohne einen Rippenrumpler zu kriegen. Andererseits: Die Winterabende, allein zu Haus’, könnten sich auch in die Länge ziehen, so viele Klippen-Dramen in Cornwall werden jetzt ja auch wieder nicht ausgestrahlt. Egal: Man wird alles auf sich zukommen lassen. Jetzt meine Frage: Meine Freundinnen, die meinen demnächstigen Ex alle auf den Tod nicht ausstehen konnten, wollen für mich eine Scheidungsparty schmeißen. In meinem Lieblingslokal. Mit dreistöckiger Torte, wo ein zerbrochenes Herz draufgemacht wird. Finde ich sehr lieb von ihnen, könnte aber auch als geschmacklos interpretiert werden. Vor allem von denen, die nicht eingeladen sind. Wie soll ich mich da verhalten?
Ingelore Frischenschlager, Hundezüchterin im Ennstal

Liebe Ingelore!
Unter uns: Scheidungspartys sind der letzte Schrei im neurotischen Zivilisationsgebiet. Auf diesen Sausen wird vor allem im anglosächsischen Raum so die Sau rausgelassen, dass manche Polterabende wie Stickstunden des katholischen Jungfernverbands wirken. Das ist meiner Ansicht nach etwas danebengegriffen. Allerdings würde ich Ihnen nicht raten, den ersten Abend Ihrer Solo-Karriere zu Hause in Umarmung mit Rosamunde Pilcher zu verbringen. Diese Klippen-Melodramen machen einen auch ohne absolvierte Scheidung eher depressiv. Gepflegtes Abtrinken mit Freundinnen kann unter keinen Umständen schaden. Nur lassen Sie sich nicht auf den Nattern-Parcours verführen. Einfacher ausgedrückt: Sie haben den Mann irgendwann geliebt. Und das haben Ihre Nattern-Freundinnen gefälligst zu respektieren.

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