Bitch Melbas Herzstation

Crash-Kurse für die Nahkampfschule des Herzens, Rat und herzhafte Gemeinheiten. Bitch Melba lädt zum Anlehnen an die Klagemauer.

Liebe Frau Melba!
Betreff: Mrs. Robinson
Es ist mir sehr peinlich, aber ich bin völlig ratlos. Also, oh Gott, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Also, mein Mann, ein lieber Mann, das muss auch einmal gesagt werden, und ich, nun ja, zwischen uns läuft seit geraumer Zeit nichts bis gar nichts. Und jetzt habe ich bei einem Abendessen bei langjährigen Geschäftsfreunden deren Sohn kennengelernt. 28 und wie man so schön sagt: Milch und Honig. Ich habe ihn schon einmal vor 10 Jahren gesehen und, pfuuh, der hat sich ziemlich zu seinem Vorteil verändert. Irgendwie hat er (und der hat so wahnsinnig schöne Locken) meine Handy-Nummer herausgefunden und bombardiert mich seither mit an die acht bis zehn SMSen pro Tag. Wann wir uns endlich treffen können! Ich hätte den schönsten Teint, den er je an einer Frau gesehen hat. Und meine Lachfältchen, ich sollte mich bloß unterstehen, die mit Botox zum Teufel zu jagen. Ich bin – nun ja – sehr geschmeichelt. Fühle mich wie ein Teenager. Mein Mann hat ziemliche Kreuzprobleme und schon allein deswegen wäre der Sex mit ihm – nun ja – sehr umständlich. Was soll ich tun? Den jungen Mann treffen? Ich habe mir unlängst die „Reifeprüfung“ angesehen und dieser Film ging ja nicht gerade gut aus.
Herzlichst Erika „Robinson“

Liebe Mrs. Robinson!
Sofern Sie nicht Hinduistin oder Buddhistin sind oder sonst einer Religion angehören, deren Mitglieder gerne Orange tragen, glauben Sie nur an dieses eine Leben im irdischen Sektor. Und dieses Leben gilt es unter allen Umständen zu nützen, um nicht zu sagen, auszuquetschen wie eine Zitrone. Ihr Lolito ist ja außerdem durchaus im gesetzlichen Bereich, also treffen Sie in zu einem verschwiegenen Tête-à-Tête auf Schnitzler’schem Niveau. Und haben Sie immer den – Piaf? Bette Davis? Oder war’s doch Coco? – Sager im Ohr: „Es schmerzt später viel mehr, die Dinge zu bereuen, die man nicht getan, als die, die man getan hat.“ Und kriegen Sie mir bloß keinen Mrs.-Robinson-Rappel und setzten später, wenn Ihnen Ihr geheimer Schwarm mit etwas Jüngerem durchbrennt (und das wird er so sicher tun wie die Steuer und der Tod existieren), zu einem Coming-out an. Bloß nicht! Diskretion ist hier gefragt und die unbedingte Voraussetzung für Genussmittel dieser Art! Enjoy!
Ihre alte Melba




Hilfe, Melba!
Betreff: Desperate Housewife
Ich bin nicht geschaffen für Alltag. Alltag macht mich schon allein ganz krank – aber besonders, wenn man ihn sich mit jemandem teilt. Es gibt so viele Socken, man macht sich gar keine Vorstellung, wie viele Socken so ein einzelner Mann zu besitzen imstande ist. Ich liebe meinen Helmut, möchte auch wirklich gerne mit ihm eine ganze Ewigkeit und einen Tag zusammenbleiben. Nur nicht unter einem Dach. Wir leben seit einem Dreivierteljahr zusammen und das ist so verdammt unsexy. Ich möchte ehrlich nicht wissen, ob der Typ harten Stuhlgang hat oder sonst was. Wir könnten uns getrennte Haushalte auch finanziell ohne gröbere Belastungen leisten, nur ich habe so wahnsinnige Angst, Heli damit zu konfrontieren. Er ist ein Typ, der so was echt persönlich nehmen könnte. Und ich will ihn nicht verlieren.
Panicking Uschi

Liebe Panik-Uschi!
„Geh, wohin dein Herz dich trägt“ heißt der Titel eines Romans. Und so kitschig das klingt, so wahr ist es. Wenn dir an deinem Sockenmann was liegt, zieh’ genau jetzt die Notbremse. Immer mehr Paare, die es sich wirtschaftlich leisten können, leben nach dem LABT-Modell – die Lifestyle-Kaffeesudleser haben natürlich sofort wieder der Separatismus-Bewegung das Label „Living Apart, Being Together“ aufgedrückt. Die Gewohnheit ist ein solcher Hund und das Anti-Aphrodisiakum schlechthin. Außerdem kann so jeder seinen Individualismus leben und die Begegnungen werden zum jeweiligen Feuerwerk (im besten Fall natürlich nur). Also riskier’s. Wenn er es nicht akzeptiert, dann, ich zitiere eine Wahrsagerin aus Ottakring: „Wor er’s eh net, weil sonst warat er’s ja g’w esen.“
Deine Melba




Betreff: Ex-Files
Bitch, please, I made a fucking big mistake. Ich bin mit meiner Exfrau, ihre Grübchen sind noch immer süß, ins Bett gegangen. Als ich meine Sachen abgeholt habe. Diesmal wirklich für immer. Es war so wahnsinnig berührend, dass auf meinem früheren Nachtkästchen noch immer die Sachen gelegen sind, die ich bei meiner letzten Nacht im gemeinsamen Bett hinterlassen habe. Der Sex war fucking sensa­tional – so haben wir es nie miteinander gemacht, wie wir noch zusammen waren. Aber kaum saß sie auf dem Bidet, ging der alte Ärger wieder los. Ich wäre herzlos, sie so benutzt zu haben, ich spiele mit ihren Gefühlen, the whole bullshit. Please, gib’ einem verwirrten Mann advice, ich möchte mit ihr ein gutes Verhältnis. Vielleicht könnten wir sogar einmal Freunde werden.
Ein verwirrter Cowboy!

Cowboy!
Punkt 1: Schreib dir hundert Mal ins Mitteilungsheft deines Herzens: Es gibt keine Freundschaft zwischen Männern und Frauen. Und schon gar nicht, wenn der Sex dazwischensteht. Der Sex, den man gerne gehabt hätte und nicht bekommen hat. Der Sex, der mau war. Der Sex, den der andere mit anderen hatte.
Punkt 2: Wenn deine Exfrau deinen Spucknapf und die Pornoheftchen (Ich nehme ja nicht an, dass es sich um Bachblüten-Drops und ein Rilke-Bändchen handelte, hab’ ich recht?) noch immer auf dem Nachtkästchen stehen hat, heißt das, dass sie noch immer nicht emotional abgekoppelt hat. Und diese kleine Zwischendurch-Nummer nicht auf die leichte Schulter nehmen kann. Also: Es war unsensibel, egomanisch, bar jeder Empathie und eine pure Selbstverwöhnungsnummer, als du dich über sie hergemacht hast. Sattle deinen klapprigen Gaul und zieh Leine, Cowboy!
Squaw Melba, die zu gegebenem Anlass auch ein bisschen streng sein muss.

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