BITCH MELBAS HERZSTATION

Wenn Sie nicht mehr weiterwissen und ein Leuchtfeuer der Hoffnung brauchen: Fragen Sie Frau Melba! Diesmal: eine Ex mit verhängnisvoller Anhänglichkeit; ein Leben als Frau in der Warteschleife und was tun, wenn alles viel zu lieb ist in einer Beziehung ...

Betreff: Stalking
Melba! Hilfe, bitte! Ich bin am Ende. Vor fünf Monaten habe ich sie verlassen und trotzdem verbeißt sich meine Ex in unsere tote Liebe wie ein Pitbull. Es begann mit kleinen Geschenken, die plötzlich vor meiner Tür lagen. Dann SMS-Terror und zwar nicht im Stunden-, sondern im Minutentakt. Der Tenor der Botschaften pendelt zwischen extremen Liebes bezeugungen und Hass. Mittlerweile hat diese Verrückte Kontakt zu meinen Freunden und meinen Exfrauen aufgenommen. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren, die Frau tobt nachts durch meine Träume. Was soll ich tun?
Herbert am Rande des Nervenzusammenbruchs

Lieber Herbert!
Es gibt nur ein Mittel, wenn der Trennungsschmerz Ihrer Ex ins Pathologische driftet. Keinen Kontakt und keine Reaktion auf ihre Botschaften. Jede Form des Feedbacks animiert sie, mit ihrer Obsession weiterzumachen. Also vergessen Sie die Hoffnung auf Gespräche am "grünen Tisch", die die Dame wieder zur Vernunft bringen könnten. Aggressionen und Drohungen Ihrerseits helfen schon gar nicht. Versuchen Sie, die Arme (das ist sie in Ihrem Innersten) einfach zu ignorieren. Und wenn die Psychospiele dennoch nicht abreißen, kontaktieren Sie die Polizei. Für Stalking-Opfer gibt es neuerdings gesetzliche Hilfe. Und wenn Ihr Sargnagel plötzlich aktenkundig wird, wirkt das sicher abschreckend. Lesen Sie das Buch "Süßer Wahn" von Patricia Highsmith, dann können Sie nachempfinden, durch welche Abgründe Ihre Ex zurzeit geht. Ein Rat für die Zukunft: Versprechen Sie den zukünftigen Damen Ihres Herzens keine Rosengärten, die Sie in Wahrheit nicht zu pflanzen beabsichtigen. Nichts macht Frauen so rachsüchtig und unberechenbar wie enttäuschte Erwartungen.
Ihre Melba

Betreff: Leben in der Warteschleife
Liebe Melba!
Ich bin seit eineinhalb Jahren mit einem verheirateten Mann zusammen. Eigentlich hat mir der Status als Zweitfrau die ersten Monate nichts ausgemacht, doch mittlerweile finde ich diese Perspektivlosigkeit zunehmend ermüdend. Ich liebe diesen Mann, aber er muss sich jetzt endlich entscheiden. Er verspricht mir ständig, dass er sie demnächst verlassen wird. Und dann zieht er genauso ständig Ausreden aus dem Talon, warum der Zeitpunkt gerade jetzt besonders ungünstig ist. Wie soll das alles weitergehen?
Ida, die Ratlose

Liebe Ida!
Wie es weitergeht, liegt ganz an Ihnen. Der Mann braucht jetzt ein radikales Entweder-oder-Ultimatium, der Kuschelkurs führt genau nirgends hin. Die Chance auf ein sanftes emotionales Abrüsten haben Sie ihm ja lange genug gegeben. Dass er sie nicht genützt hat, ist nachvollziehbar. Schließlich haben Sie ihm als Geliebte ein Paralleluniversum eröffnet, in dem Mülltrennung kein Thema war und Hausschuhe nicht existieren. Alltag und Realität hat er ohnedies bis zum Abwinken mit seiner Frau. Ich kann nur zu einem Kontaktabbruch raten, mit einem festgesetzten Zeitpunkt. Einen Zeitpunkt, bis zu dem er sich "über seine Gefühle im Klaren werden sollte", wie das so schön in den Rosamunde-Pilcher-Klippendramen heißt. Good luck! Und ein Rat fürs weitere Leben: Wenn sich Männer nicht nach drei Monaten von ihren Frauen getrennt haben, dann tun sie es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie. Hat mich meine Erfahrung gelehrt - auch bei Freundinnen in ähnlichen Situationen. Auf ein Neues!
Melba

Betreff: Zu sensibel
Geehrte Frau Melba!
Denken Sie jetzt bloß nicht das Falsche von mir: Ich bin wirklich nicht sexbesessen. Aber so zwei- bis dreimal die Woche ist für mich eine Form der Respektbezeugung. Mein aktueller Lebensabschnittspartner benimmt sich aber im Bett neuerdings mehr als zickig. Dabei sind wir kaum fünf Monate zusammen. Aber er findet dauernd Gründe, warum heute kein guter Tag ist für gepflegten Beischlaf: Stress, Müdigkeit, herannahende Grippe etc. Ich beginne es schon wirklich persönlich zu nehmen. Andererseits: Ansonsten läuft alles wie geschmiert. Er will seine ganze Freizeit mit mir verbringen, ist der erste Mann, der für mich kocht, und ich fühle mich wirklich wohl mit ihm. Bis auf ...
Ruth

Nur Mut, liebe Ruth!
Vorweg: Die volle Symbiose ist auf Dauer immer tödlich für die Libido. Pärchen, die keinen Schritt ohne einander tun wollen, bewegen sich immer in der Gefahrenzone, ihre sexuelle Attraktion füreinander zu verlieren. Gehen Sie ein bisschen auf Distanz, klingt zwar saukindisch, weil es ähnliche Strategien sind, die man im Schulhof angewendet hat, wenn der Pepi mit der Susi zu lange geredet hat, aber wahrscheinlich nützt es. Ein anderer Hintergrund für die erotische Verweigerung Ihres Lebensgefährten kann auch die simple Angst, zu versagen, sein. Mit der Angst kommen die Erektionsstörungen etc. Bitten Sie ihn dezent und liebevoll, einen Urologen aufzusuchen, wenn Sie hier das Problem vermuten. Vor allem aber: raus aus der "Hänsl und Gretl" - Beziehung, wie eine Freundin von mir diese Form der Konstellation aufgrund ihrer erostötenden Geschwisterlichkeit zu nennen pflegt.
Ran an den Mann!
Ihre Melba

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